E-Book, Deutsch, 354 Seiten
Dee Das Böse in mir
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7380-5439-2
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Satans Saat
E-Book, Deutsch, 354 Seiten
ISBN: 978-3-7380-5439-2
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ana Dee schreibt seit frühester Kindheit Erzählungen und Tiergeschichten. Nach dem Studium machte sie ihre Tierliebe zur Passion und arbeitet heut als Tierpsychologin und Tiertherapeutin. Mit ihrer Familie lebt sie in NRW.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Ein heftiger Windstoß wirbelte ihre Unterlagen durch die Luft und erschrocken riss sie die Augen auf. Mist, sie hatte tatsächlich zwei Stunden am Stück geschlafen.
Hastig sprang sie auf, sammelte die losen Blätter wieder ein und schlüpfte ins Haus. Den Himmel bedeckten inzwischen dicke Regenwolken und die drückende Luft kündigte ein Gewitter an. Hoffentlich hielt das Wetter bis zum Ende der Grillparty durch. Obwohl, wenn sich der Regen mittendrin entlud, konnte sie schon eher nach Hause.
Für ein entspannendes Wannenbad war es bereits zu spät, also hüpfte sie nur kurz unter die Dusche. Im Schlafzimmer legte sie eine helle Leinenhose und eine leichte Bluse auf das Bett. Dann föhnte sie ihr widerspenstiges Haar, bis es in weichen Wellen über ihre Schultern fiel und legte ein dezentes Make-up auf. Nach dem Umkleiden warf sie einen prüfenden Blick in den Spiegel. Passt.
Sie schnappte sich ihre Handtasche, griff nach dem Schlüsselbund und machte sich zu Fuß auf den Weg. Ihre Eltern wohnten nicht weit von ihr entfernt und die Parkplatzsuche würde sich schwierig gestalten, bei all den protzigen Schlitten vor der elterlichen Jungendstilvilla.
Der Wind hatte aufgefrischt und wirbelte die sorgsam frisierten Haare durcheinander. Ein strenger Blick ihrer Mutter war ihr gewiss. Obwohl es ein lockerer Grillabend werden sollte, bestand ihre Mutter immer auf einem entsprechenden Dresscode ihrer Gäste. Für Katharinas Geschmack lief alles viel zu steif und zu bieder ab, aber seine Eltern konnte man sich nun einmal nicht aussuchen.
Ihr Vater war ein angesehener Chirurg, die Mutter Zahnärztin und Geld stand in einem äußerst gesunden Maß zur Verfügung. Nur diese unterkühlte Distanz, die zwischen ihnen herrschte, machte es bisweilen schwer im zwischenmenschlichen Bereich. Schon mehr als einmal hatte sie darüber nachgedacht, ob das vielleicht der Grund dafür war, warum sie sich einem Mann gegenüber so selten öffnen konnte.
Als kleines Mädchen hatte Katharina von einer Mutter geträumt, die am Herd stand und extra für sie Spagetti kochte, wenn sie aus der Schule nach Hause kam. Die das blutende Knie verarztete, auf Hausfrauenart und mit einem Küsschen natürlich, und ihr dabei zärtlich über die Locken strich.
Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus. Der Vater arbeitete im Schichtdienst und ihre Mutter kehrte am Abend abgespannt aus der eigenen Praxis zurück. Hin und wieder gab es zwar eine Gutenachtgeschichte, aber die hatte Seltenheitswert. Nur die Urlaube wurden gemeinsam verbracht, wobei sie deutlich spürte, dass ihre Eltern in dieser Zeit hauptsächlich die eigene Ruhe für sich beanspruchten.
Neidisch hatte sie am Strand zu den anderen Familien geschielt und beobachtet, wie ausgelassen die Väter mit ihren Kindern Ball spielten oder Sandburgen bauten. Und beim Neid war es bis heute geblieben. Wann immer ihr eine schwangere Frau begegnete, versetzte es ihr einen tiefen Stich im Herzen und die Sehnsucht nach einer intakten Familie reifte in Sekundenschnelle.
Manchmal hatte sie auch über eine künstliche Befruchtung nachgedacht oder Adoption, aber letztlich verwarf sie diesen Gedanken wieder. Ihre Eltern hätten so eine Entscheidung wahrscheinlich niemals akzeptiert.
Und wieder spürte sie das innere Aufbegehren, die Fesseln des Alltags abzustreifen und zu fliehen. Weg von hier, einfach nur weg.
Nach einigen Minuten hatte sie ihr Ziel erreicht und drückte auf die Klingel. Ein Summen ertönte und das schmiedeeiserne Tor öffnete sich.
„Kathi, du bist aber spät dran!“
Ihre Mutter, Evelin, eilte ihr entgegen, küsste sie flüchtig rechts und links auf die Wange und musterte ihr Outfit. „Hast du wirklich nichts Besseres auftreiben können? Die Bluse macht dich älter, als du tatsächlich bist, wir haben schließlich einige Junggesellen an Bord. Und warum versteckst du deine schlanken Beine hinter so viel Stoff? Wenn du dir einen Mann angeln möchtest, solltest du schon etwas aufreizender wirken. Köpfchen und Stil, so lautet die Devise.“
„Mutter, jetzt ist aber gut. Ich fühle mich ausgesprochen wohl, in der Kleidung. Wie geht es euch?“
Ein erneuter, missbilligender Blick verweilte auf Katharinas Haarpracht. „Liebes, wenn du kein Geld für einen Frisörbesuch aufbringen kannst, dann ich leihe dir gern etwas. Du siehst heut alles andere als bezaubernd aus.“
„Danke für die Blumen. Wo finde ich eigentlich Papa?“
„Er hat sich mit zwei seiner Kollegen in den Salon zurückgezogen. Dein Vater kann die Fachsimpelei einfach nicht lassen.“ Frustriert rollte Evelin die Augen.
„Auch gut. Dann schaue ich mich erst einmal um, wer alles unter den Gästen zu finden ist.“
„Dein Studienfreund und Kollege nebst Gattin ist bereits hier. Die Dame ist unter seinem Niveau, aber wem sage ich das. Katharina, ich werde an der Front gebraucht. Du kommst doch klar?“
„Aber sicher, Mutter.“
Evelin eilte davon und ließ ihre Tochter einfach so stehen. Katharina zuckte nur mit den Schultern und schlenderte durch den üppig blühenden Garten. Ein Hoch auf den engagierten und gut bezahlten Gärtner. Hier und da ergatterte sie ein freundliches Nicken, aber die Gäste unterbrachen selten ihre Gespräche, um sie persönlich zu begrüßen.
Angestrengt hielt sie nach David, ihrem Kollegen, Ausschau, denn sie wollte ihm unbedingt das Videomaterial zeigen. Er war ihr Vertrauter und bester Freund, schon seit dem Studium. David hatte nie einen Hehl daraus gemacht, sich unsterblich in Katharina verliebt zu haben. Aber sie ließ ihn abblitzen. In ihren Augen war er definitiv zu brav und zu lieb, um sich eine erotische Beziehung mit ihm vorstellen zu können.
Enttäuscht darüber, heiratete er sehr jung, doch seine erste Ehe scheiterte. Nach seiner Scheidung ging Katharina ein paar Mal mit ihm aus. Aber es fühlte sich irgendwie falsch an, diese innige Freundschaft wegen eines Liebesaktes zu zerstören. Okay, sie waren bereits kurz davor, sich einander hinzugeben, aber sie hatte gerade noch rechtzeitig die Reißleine gezogen.
Wenig später heiratete David in aller Stille eine Patientin. Das galt unter Kollegen als verpönt, aber Katharina konnte es David nicht verübeln. Sie hatte ihn zurückgewiesen, ein weiteres Mal, und ihn damit zutiefst verletzt. Hin und wieder fing sie einen seiner sehnsüchtigen Blicke ein. Ja, er liebte sie noch immer und zeigte offen seine Schwäche für sie. Vielleicht war David doch die Liebe ihres Lebens und sie hatte die vielen Chancen, eine eigene Familie zu gründen, sinnlos verstreichen lassen.
Endlich hatte sie David gefunden. Verloren stand er unter dem Dach des Pavillons im hinteren Teil des großzügig angelegten Gartens. Glücklicherweise war von seiner Gattin weit und breit nichts zu sehen, also pirschte sie sich an ihn heran.
„Na du, auch hier?“ Lächelnd blickte sie zu ihm auf. Sein müder Blick streifte ihr Gesicht und hellte sich augenblicklich auf. David sah genauso abgearbeitet aus wie sie selbst.
„Eigentlich würde ich viel lieber auf der eigenen Couch liegen, Psychiater hin oder her, aber Vanessa wollte unbedingt wieder einmal unter Menschen. Sie muss im Mittelpunkt stehen, muss unablässig bewundert werden … na du weißt ja, wie sie ist. Dir hätte die Couch auch besser gestanden, so erschöpft, wie du ausschaust.“
„Danke für das Kompliment, David.“ Katharina lachte. „Du kannst es wunderbar umschreiben, wenn selbst das Make-up die Augenringe nicht mehr verbergen kann.“
„Trotzdem bist du noch immer eine Augenweide.“
„Lass das bloß nicht deine Gattin hören. Aber ich möchte dich etwas fragen.“
„Deine Frage kommt zu spät. Ich bin leider schon vergeben, wie dir sicher aufgefallen ist.“
Sie knuffte ihn in die Seite. „Das ist mir in der Tat schon aufgefallen. Aber jetzt Spaß beiseite. Ich habe eine Mail aus Russland bekommen, jemand bittet um meine Hilfe. Es geht um seltsame Vorfälle innerhalb eines Hospitals und ich denke, es handelt sich um ein gefaktes Video. Vorher möchte ich dennoch deine Meinung einholen.“
Sie fischte das Handy aus ihrer Tasche, tippte auf dem Display herum und hielt David das Video unter die Nase. „Und, was sagst du?“
Er neigte seinen Kopf und sah sie an. „Kaum vorstellbar, welche Zustände dort herrschen. Sollst du Spenden sammeln?“
„Keine Ahnung, aber was denkst du über diesen Patienten?“
„Wenn er nicht schon vorher wahnsinnig war, so hat er spätestens in diesen vier Wänden seinen Verstand verloren.“
„Da stimme ich dir zu, aber wieso kann er schweben?“
„Wie … schweben?“
„Hast du das denn nicht gesehen?“ Erneut spielte sie das Video ab.
„Ach das meinst du. Ja, es sieht tatsächlich so aus, als ob der Mann in der Luft levitiert. Aber ich bezweifle die Echtheit. Für Kameras reicht das Geld, aber nicht für anständige Zimmer und Betten? Wirklich seltsam.“
„Also bist du auch der Meinung, dass diese Leute sich dort nur wichtigmachen wollen und es geht dabei um etwas ganz anderes?“
„Mit Sicherheit. Lass uns doch das Material gemeinsam in der Klinik noch einmal sichten, dort steht uns zumindest ein größerer Monitor zur Verfügung. Du hast zwar morgen frei, aber wenn du eine halbe Stunde dafür opfern würdest, wäre das klasse. Du kannst mir ja während meiner Mittagspause einen Besuch abstatten.“
„Kann ich machen, der Tag ist sowieso nicht verplant. Mich interessieren vor allen Dingen die Beweggründe, weshalb ausgerechnet mir diese Mail zugeschickt wurde.“
„Tja, dein guter Ruf eilt dir voraus und du...




