Ebert | Die Reisetante | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 621 Seiten

Ebert Die Reisetante

-von einer die loszog, die Welt zu entdecken-
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7392-1024-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

-von einer die loszog, die Welt zu entdecken-

E-Book, Deutsch, 621 Seiten

ISBN: 978-3-7392-1024-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Stephanie Ebert ist eine Reisende. Sie reist anders, individuell, alleine, ungeplant und lebt immer inmitten Einheimischer! Wann immer es geht sitzt sie im Flugzeug und befriedigt ihr Fernweh, dass ständig allgegenwärtig ist. Irgendwann reichen ihr 4 bis 6 Reisen im Jahr nicht mehr. Stephanie Ebert will raus! Länger, ohne kurzes Zeitlimit, ohne Druck, möchte sich treiben lassen. Drei Monate veranschlagt sie. Wie daraus ein ganzes Jahr wurde, erfahren Sie in diesem Buch. Sie ist auf der Reise ihres Lebens, legt 155.000 Flugkilometer zurück, verbringt viel Zeit in Bussen, Fähren und Zügen, ständig in engem Kontakt mit der Bevölkerung. Sie bereist in diesem Jahr 52 Länder auf 5 Kontinenten. In ihrem Buch beschreibt Stephanie Ebert nahezu jeden Tag authentisch, informativ und humorvoll, gibt tiefe Einblicke in Land und Leute, benennt ihre Ausgaben für Unterkünfte, Transportmittel und Visa.

Stephanie Ebert ist 45 Jahre alt und hat bis dato schon über 120 Länder individuell bereist. Sie hat für ihre einjährige Weltreise ihren Job gekündigt und eine Zeit lang alles hinter sich gelassen. Sie bezeichnet es heute als "Mutausbruch".
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vietnam


1600 km von „unten nach oben“ 

Route: Ho-Chi Minh – Hue – Hanoi

12 Tage

Als das Flugzeug um 1.00 Uhr in der Nacht in Kolkata abhebt, bin ich fast ein wenig erleichtert. Ich bin Indienmüde, glaub ich. Vier Stunden dauert es nun bis zu meiner Zwischenlandung in Kuala Lumpur. Klar, es gibt auch Direktflüge nach Vietnam, aber die sind meistens teurer und ich habe ja Zeit.

Kurz nach dem Start schlafe ich ein und werde durch einen extremen Knall und heftiges ruckeln wach. Panik steigt kurz auf, doch wir sind nur gelandet! Habe ich doch glatt vier Stunden durchgeschlafen, ich Glückskind. Das ich in Flugzeugen schlafen kann, ist wirklich ein Vorteil. Aber das geht nur auf Plätzen mit der Nummer A, dem Fensterplatz auf der linken Seite. Da kann man sich so schön an der Kabinenverkleidung anlehnen. Auf dem Fensterplatz der anderen Seite des Fliegers kann ich übrigens nicht schlafen. Mir tut dann immer die linke Seite so weh, komisch, auf A habe ich das nicht. Die Eigenarten eines Jeden sind manchmal nicht zu erklären, das ist dann halt einfach mal so!

   Am Flughafen in Kuala Lumpur kenne ich mich gut aus, schon oft bin ich in den letzten Jahren hier umgestiegen und einmal auch schon ausgestiegen um Malaysia zu bereisen. Ich weiß, dass es hier diese Fastfoodkette mit dem großen goldenen Buchstaben gibt. Ja, ich oute mich, ich liebe Fastfood, leider! Ich gönne mir endlich mal wieder ein Frühstück, das nicht scharf ist und voll meinem europäischen Geschmack trifft, auch gibt es hier wieder Rindfleisch, super!

Am Gate des Flugs von Kuala Lumpur nach Ho-Chi-Minh steigen auffallend viele Damen mit Kopftuch in den Flieger. An und für sich nichts Ungewöhnliches im muslimischen Malaysia, doch sind sie ohne einen einzigen Mann unterwegs. Im Flugzeug lerne ich sie besser kennen. Es sind Freundinnen, die sich einen Wochenendtrip nach Vietnam gönnen. Ich freue mich, dass die Welt offener wird...

 Ich fliege mit der Billigfluglinie AirAsia, meiner Lieblingsairline in Asien, mit der ich schon so oft unterwegs war. Leider ist eine Maschine im letzten Jahr über der Javasee abgestürzt, ein technischer Defekt und die daraufhin falschen Entscheidungen der Piloten führten zu der Katastrophe, bei der niemand überlebt hat. Komisch, das hat man immer im Hinterkopf. Trotzdem habe ich mich wieder für diese Airline entschieden. Günstig, pünktlich, freundlich und gut! Und abstürzen können natürlich alle Flugzeuge dieser Erde.

Der Landeanflug führt über das Mekong Delta. Eine tolle Begrüßung wie ich finde. Am Immigrationsschalter werde ich nach meinem Visum gefragt. Ich habe die Information, dass Deutsche, wenn sie nicht länger als 15 Tage im Land bleiben, keines benötigen. Das stimmt auch, allerdings will der Officer mein Weiterflugticket sehen. Leider ist dieses Papier in meinem Koffer, so was Bescheuertes! Wie kann man wichtige Dokumente im Koffer aufbewahren? Ist mir noch nie passiert. Black out, ist mir wohl die Hitze in Indien zu Kopf gestiegen. Ich werde schließlich mit Polizeieskorte zum Gepäckband begleitet, ziehe natürlich alle Blicke auf mich, war ich ja auch schon die einzige Europäerin im Flugzeug. Als mein Koffer kommt und ich diesen öffne, fallen zuerst meine Stoffkuh Babette und das Glücksschwein heraus. Ich denke, jetzt führen sie dich ab, eine erwachsene Frau mit Stofftieren, aber sie lachen mich freundlich an, die netten Polizisten. So, Weiterflugticket vorzeigen und schnell weg, bevor ich doch noch festgenommen werde.

Ich lasse mich mit einem Taxi zu meinem Gästehaus fahren, bin müde, ist mir zu anstrengend einen Bus zu suchen, vor allem weil ich nicht weiß, wo ich aussteigen muss. Muss mal wieder erwähnen, dass ich keine 20 mehr bin. Auch hier ist es extrem heiß, 44 Grad zeigt das Thermometer im Wagen. Es ist die heißeste Zeit des Jahres und ich habe etwas Sorge in den nächsten Wochen einfach so wegzuschmelzen. Aber mein überflüssiges Körperfett, das darf gerne weg, ach wenn das doch so einfach wär!

Was mir auf der Fahrt sofort auffällt, es gibt Mülltonnen und Supermärkte, so richtig Große, nicht nur so kleine Büdchen, beides habe ich in Indien vermisst. Ich muss mir dringend was für meine Haare kaufen. Sie sind extrem trocken, meine Friseurin würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wahrscheinlich würde sie auch noch ihre Füße hinzunehmen, aber das hat Zeit bis morgen.

Mein Gästehaus liegt in einer kleinen Seitenstraße. Ohne die Hilfe der Taxifahrerin hätte ich es niemals gefunden. Die Besitzer sind freundlich, zeigen mir mehrere Zimmer und ich entscheide mich für eines mit Fenster. Fensterlose Zimmer sind in Asien übrigens etwas völlig normales. Das Zimmer ist ok, aber das Bad nur eine winzige Zelle. Ich kann mit meiner europäischen Figur nur quer auf dem Klo sitzen. Zudem gibt es keine abgetrennte Dusche, der Duschkopf hängt mitten im Raum an der Ecke, auch normal in Asien. Ich mag es nicht, wenn das Bad ständig unter Wasser steht, wenn man Handtücher, Klopapier und Co. vor dem Duschen erst einmal in Sicherheit bringen muss, aber so ist es halt. 

Am nächsten Tag erkunde ich die Stadt. Ich kann die Innenstadt problemlos zu Fuß erreichen. Endlich wieder Bürgersteige. Einzig über die Straße zu kommen ist eine Herausforderung, wegen den Motorrollern, die so typisch sind für das Land. Es soll etwa fünf Millionen davon alleine in Ho-Chi-Minh geben. Glaube ich sofort und ich lerne schnell, wer stehen bleibt hat verloren. Einfach zielstrebig weitergehen, auch wenn sich die Mopeds bedrohlich nähern, sie fahren um einen herum. Das tun sie auch auf den Bürgersteigen, jeder Zentimeter wird genutzt, wenn es ums Weiterkommen geht.

Ho-Chi-Minh-Stadt erhielt ihren Namen übrigens im Jahre 1976, nachdem Nord- und Südvietnam wiedervereinigt worden waren. Die Stadt wurde nach Ho Chi Minh benannt, welcher im September 1945 die Demokratische Republik Vietnam proklamierte und später die Führung des Landes als Staats- und Ministerpräsident übernahm. Nach der Teilung Vietnams als Folge des Indochinakrieges 1954, wurde er Präsident der Demokratischen Republik Vietnam. Vorher hieß die Stadt Saigon, aber auch heute noch wird dieser Name verwendet. Ich finde Saigon hört sich besser an. Das hat so was Fernes, Mystisches.

Zuerst besuche ich den Ben Thanh Markt, kaufe Kaffee und eine neue Hose, die aus Indien hatte ja nicht gehalten, was der Verkäufer versprochen hatte. Danach spaziere ich zum Bitexi Financial Tower, der moderne Wolkenkratzer ist dem Design einer Lotusblüte nachempfunden. Die Lotusblüte ist die Nationalblume Vietnams, auch bekannt als die "Blume der Morgenröte". Für Vietnamesen ist der Lotus das Symbol der Reinheit, des Engagement und des Optimismus für die Zukunft. Aber zurück zum Financial Tower, dort gibt es ein Skydeck. Der Tower ist 265 m hoch und aus der 49. Etage hat man einen wunderbaren Ausblick über die Megacity!

Anschließend laufe ich zum Saigon-River. Er wirkt erheblich sauberer als der Ganges, bzw. der Hugli in Indien. Ich bestelle mir an den Garküchen ein leckeres Essen. Da dort sehr viele Einheimische essen, hoffe ich, dass ich alles vertrage. Ich weiß nicht genau was ich esse, aber es ist unglaublich lecker und nicht so scharf wie in Indien. Dann entdecke ich die Notre-Dame-Basilika und erfahre, dass sie aus der französischen Kolonialzeit stammt, alle Materialien wurden ausschließlich aus Frankreich importiert.

Wegen der extremen Schwüle und der Hitze ist meine Stadterkundung per pedes wahnsinnig anstrengend. Ich bewege mich nur noch im Zeitlupentempo fort. Trotzdem erkunde ich die Innenstadt weiter. Das Opera House, die Independence Hall, die oben schon erwähnte Kathedrale und die Alte Post sind tolle Gebäude und sind die Anstrengung wert. Ho-Chi-Minh ist richtig modern, fast bin ich ein bisschen enttäuscht. Aber in den Nebenstraßen sieht man es dann doch, das echte Leben. Die Garküchen in den Hinterhöfen, deren Gäste auf Plastikhockern am Straßenrand sitzen, die Straßenhändler, die einem für kleines Geld ihr Handwerk verkaufen möchten, Friseure die Haare auf der Straße schneiden.

In einem Straßencafé treffe ich Touristen aus dem Westen. Sie sind genervt von der lauten Stadt. Finden alles irgendwie chaotisch und dreckig. Darüber kann ich nur lachen, klar ist es hier nicht wie in London, Berlin oder Paris. Wir sind in Asien. Aber im Vergleich zu Indien ist das hier ein Unterschied wie Tag und Nacht. Auch werde ich hier nicht oft angelabert und wenn, dann wünschen Sie noch einen schönen Aufenthalt in Vietnam, auch wenn man ein Verkaufsangebot ablehnt. Oft werde ich gefragt, ob ich nicht ein Motorbike ausleihen möchte. Es reizt mich, aber wenn ich runterfalle ist die Reise umgehend beendet. Ich verzichte. Am späten Nachmittag kehre ich in mein Gästehaus zurück. Pause!!! Die Hitze bringt mich noch um!

Im Internet buche ich später einen typischen Touri-Ausflug zum Mekong-Delta. Schon am nächsten Morgen geht es los. Unsere Reisegruppe ist ein buntgemischter Haufen mit Leuten aus Russland, Litauen, Indien, Malaysia, Südkorea und natürlich mir aus good old Germany. Drei Stunden braucht der Bus für die nur 67 Kilometer lange Strecke bis My Tho, wegen den Rollerfahrern kommen wir kaum vorwärts. Auf dem Weg besichtigen wir die Vinh Trang Pagoda. Der lachende Buddha gefällt mir.

 Wir erreichen das Ufer des Mekong. Niemand weiß übrigens wie lang der Fluss genau ist, denn es wird ständig über seine Quelle diskutiert. Sie liegt im tibetischen Hochland soviel ist klar, aber Forscher sind sich nicht einig wo genau er entspringt. So wird seine Länge mit ca. 4300 bis 4900 km angegeben. Er durchquert sechs Länder (Vietnam, Thailand, Kambodscha, China, Laos und Myanmar)...



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