Greifenstein / Schulz-Parthu | Tödlicher Glühwein | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 244 Seiten

Greifenstein / Schulz-Parthu Tödlicher Glühwein

21 Weihnachtskrimis aus der Pfalz
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-942291-93-4
Verlag: TZ-Verlag & Print GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

21 Weihnachtskrimis aus der Pfalz

E-Book, Deutsch, 244 Seiten

ISBN: 978-3-942291-93-4
Verlag: TZ-Verlag & Print GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Stille Nacht, heilige Nacht? Von wegen! Harmonie und Frieden unterm Weihnachtsbaum? Wers glaubt, wird selig! In ihren Weihnachtskrimis aus der Pfalz zeigen 21 Autorinnen und Autoren, dass auch zwischen dem ersten Advent und Silvester alte Rechnungen beglichen und neue aufgemacht werden.
Da trifft sich eine Freundesclique zum letzten Mal zu ihrer traditionellen Burgenwanderung - mit viel Glühwein! - im Pfälzerwald, in Groß-Bundenbach lebt zur Wintersonnwende ein altes Ritual wieder auf, während eine alte Dame im Spätzug ausgerechnet von einem Nikolaus überfallen wird und ein Ehemann in Barbelroth Haus und Garten in ein Weihnachtswahnsinnsland verwandelt. Psychologisch fein austarierte Tatabläufe treffen auf spontane Befreiungsschläge und manchmal auf die Falschen …
Die Tatorte sind Barbelroth, Flomersheim, Frankenthal, Groß-Bundenbach, Landau (4), Ludwigshafen (3), Neustadt (2), Nußdorf (2), der Pfälzerwald bei Leinsweiler, Speyer (2) und die Südpfalz (3).

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Wie ein Stich ins Herz Claudia Platz


Vor Schreck klemmte sie ein bisschen Haut im Reißverschluss des Rockes ein und konnte nur mit Mühe einen Schrei unterdrücken. Schweiß brach aus allen Poren. Die Umkleidekabine begann sich zu drehen, die Wände schienen auf sie einzustürzen, der Vorhang drohte sie zu ersticken. Sie zitterte, schaffte es aber irgendwie die Haut zu befreien. Zurück blieb ein kleiner violetter Abdruck. Sie plumpste auf die schmale Ablage, lehnte sich mit geschlossenen Augen gegen die Wand, atmete schwer.

Seine Stimme hätte sie unter Tausenden erkannt. An jedem Ort der Welt, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Nur hatte sie niemals damit gerechnet, ihm je wieder zu begegnen. Schon gar nicht heute und ausgerechnet in einer Umkleide in der Rhein-Galerie Ludwigshafen. Sie bedauerte, dass der Laden auf Musikbeschallung verzichtete – anders als die Supermärkte, die während der Weihnachtszeit gern ihre Kunden mit sentimentaler Musik berieselten.

Alles hätte sie ertragen, nur um diese Stimme nicht hören müssen. Selbst George Michaels Pop-Schmodder-Song „Last Christmas“. So aber überwanden seine Worte mühelos die Trennwände der Kabine, schwappten in ihr Ohr, drangen tief in sie hinein. Jedes einzelne war dabei wie ein Stich ins Herz.

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Ihr Magen rebellierte. Sie war kurz davor, sich zu übergeben. „Reiß dich zusammen“, flüsterte sie sich zu. „Konzentriere dich aufs Atmen. Langsam ein und wieder aus, ein und wieder aus, bis du die Entspannung im Solarplexus spürst“, betete sie mantragleich, so wie sie es im Meditationskurs gelernt hatte. Heute klappte die Übung nicht. Ihr Magen lag wie ein Klotz in ihrem Bauch. Schuld daran war er, dort draußen vor dem Vorhang, nur wenige Schritte von ihr entfernt.

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Brummbärchen? Wie albern war das denn! Und gänzlich unpassend. Ein weiterer Schwall Magensäure schoss ihre Speiseröhre hoch, brannte in der Kehle. Er hatte so gar nichts Knuddeliges an sich, nicht wie der gutmütige Bärenmarkenteddy. Er war ein Raubtier, das mit einem Lächeln seine Fänge tief in seine Beute schlug und sie bis auf die Knochen abnagte.

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Das stimmte – leider. Sie schluckte mehrmals. Atmete weiter tief in den Bauch. Wenn dieses Gesäusel nicht bald aufhörte, kotzte sie wirklich. Mit zittrigen Fingern leerte sie eine Plastiktüte aus, beugte sich nach vorn und hielt den leeren Beutel unters Kinn. Sicher war sicher. Vielleicht sollte sie besser direkt in die Tüte pusten, so wie sie es im Fernsehen immer machten, wenn jemand hysterisch reagierte. Aber sie hyperventilierte ja nicht, sondern fühlte sich einfach nur hundeelend.

Nebenan wurde es ruhig. Der gallige Geschmack in ihrem Mund ließ nach, die Übelkeit klang ab. Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln, liefen warm die Wangen hinunter, schmeckten salzig. Sie schniefte, wischte sie mit dem Handrücken ab. Ausgerechnet hier in der Pfalz musste sie auf ihn treffen. Konnte der Scheißkerl denn nicht endlich Vergangenheit sein? Auf Nimmerwiedersehen verschwinden und sie in Ruhe lassen? In ihrer Handtasche fand sie ein Taschentuch, schnäuzte sich leise.

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Schatzimausi? Würg! Sie knüllte das Papiertuch zu einem festen Ball. Ihr Herz stolperte, kam aus dem Takt, schlug hart gegen ihre Rippen. Die Nachwehen ihres überwunden geglaubten Liebeskummers. Dieser Mistkerl hatte sie zutiefst verletzt und sie dumme Pute hegte trotzdem noch Gefühle für ihn. Jede Träne seinetwegen war eine zu viel. ‚Tickst du noch richtig?’, ärgerte sie sich über sich selbst. Doch die Erinnerung ließ sich nicht so einfach verbannen. Zehn herrliche Monate hatten sie in Wetzlar miteinander verbracht, von denen sich jeder einzelne Tag in ihre Gehirnrinde eingebrannt hatte. Tage voller Leichtigkeit, Liebe, Leidenschaft. Kein Mann zuvor hatte ihm das Wasser reichen können. Keiner nach ihm würde es je wieder vermögen.

Sein markantes Gesicht mit den Robert-Redford-Augen und dem süßen Grübchen am Kinn tauchte vor ihr auf. Sie sah sein Lausbubenlächeln und bekam Puddingknie. ‚Denk nicht an ihn, sondern an etwas wirklich Schönes!’ Endlich verschwand sein Konterfei. Eine weiße Winterlandschaft tauchte vor ihr auf. Unberührter Schnee. Skifahren täte jetzt gut. Eine Schussfahrt ins Tal!

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Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf. Ein wohliger Schauer lief über ihren Rücken. Wie hatte sie dieses Lachen geliebt. Es brachte jedes Mal die Schmetterlinge in ihrem Bauch zum Flattern – auch jetzt wieder. Und erst seine zärtlichen Hände, die verlangenden Küsse … Sie wollte sich nicht mehr erinnern. Schluss, aus, vorbei!

Wie oft hatte sie diesen Satz von ihm gehört. Anfangs zumindest. Da war er ja auch äußerst spendabel gewesen. Es änderte sich erst, als er in finanzielle Schieflage geriet, angeblich durch Fehlspekulationen seiner Bank. Er bat sie um ein Darlehen – nur zur kurzzeitigen Überbrückung, wie er versicherte. Sie gab gern. Half ihm erst mit fünftausend, dann mit zehntausend, schließlich mit zwanzigtausend Euro aus der Patsche. Wie doof kann ein Mensch nur sein! Aber hinterher ist man immer schlauer.

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Er fuhr also noch immer dieselbe Masche. Etwas mehr Einfallsreichtum hätte sie ihm schon zugetraut. Aber er hielt sich eben an Bewährtes. Never change a running system!, lautete sein Wahlspruch.

Sie wusste genau, was Silvester geschehen wird: Schlag Zwölf würde er sich mit der anderen verloben. Dann mit Champagner auf ihr neues, gemeinsames Leben anstoßen und ihr den Ring an den Finger stecken, der teuer aussah, aber nur eine billige Imitation war.

Ihr Kleid war damals jadegrün gewesen, die Farbe hatte ihre Augen wie Smaragde leuchten lassen. Sein Verrat brannte weiter, fraß sich tiefer in ihre Seele. Ihr Herz stach. Am liebsten hätte sie ihm ihre Verzweiflung ins Gesicht geschrien, alles zurückgefordert. Aber dafür fehlte ihr der Mumm. Stattdessen bohrte sie ihre Nägel tief in die Handflächen und entspannte die Finger erst, als der Schmerz unerträglich wurde.

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Besser nicht!, schoss es ihr durch den Kopf. Vertrauen war für ihn eine einseitige Angelegenheit und auf den weiblichen Part seiner Beziehungen beschränkt. Ohne Gewissensbisse missbrauchte...



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