Lin | Ein Mord mit Eclair | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 152 Seiten

Reihe: Ein Patisserie Krimi

Lin Ein Mord mit Eclair


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8412-3245-8
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 152 Seiten

Reihe: Ein Patisserie Krimi

ISBN: 978-3-8412-3245-8
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Clémence Damour wollte mit ihrem Hund nur einen entspannten Spaziergang durch den Park machen, als sie plötzlich eine schreckliche Entdeckung macht: Im Gebüsch liegt die Leiche eines Mannes - und neben ihm ein angebissenes Pistazien-Éclair aus ihrer eigenen Patisserie. Der Schock sitzt tief, als bald darauf einer ihrer Mitarbeiter ins Visier der Polizei gerät.

Entschlossen, die Unschuld ihres Angestellten zu beweisen, nimmt Clémence die Ermittlungen selbst in die Hand. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn ihr charmanter, aber nerviger Nachbar mischt sich ständig ein und bringt ihre Nachforschungen gehörig durcheinander ...



Harper Lin ist  USA Today-Bestsellerautorin mehrerer cosy Crime Serien.

Wenn sie nicht gerade liest oder Krimis schreibt, geht sie gerne zum Yoga, wandert oder backt mit Freunden und Familie. ?

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Kapitel 1


Clémence Damour war nach ihrer Weltreise seit einem Monat zurück in Paris und hatte sich wieder in den Rhythmus ihrer Heimatstadt eingefunden. Ihr war bewusst, welches Glück sie hatte, der typischen Routine aus Métro-Boulot-Dodo, also Pendeln-Arbeiten-Schlafen, zu entgehen – dem unglückseligen Schicksal unzähliger Pariser. Arbeitstage von elf Stunden waren nie ihr Ziel gewesen. Den Verdienst ihres Lebensunterhalts betrachtete sie nicht als Arbeit, sondern als Vergnügen.

Die Patisseriekette ihrer Familie, Damour, stellte einige der köstlichsten Desserts und Backwaren Frankreichs her. Neben dem Hauptgeschäft im sechzehnten Arrondissement betrieb das Unternehmen zwei weitere Filialen in Paris, die Clémence gelegentlich besuchte. Ihre Eltern befanden sich derzeit für etwa sechs Monate in Asien, und sie hütete nicht nur deren Wohnung und den Hund, sondern entwickelte auch zusammen mit dem Chef-Patissier, Sébastien Soulier, neue Rezepte.

Doch am Donnerstagnachmittag verspürte sie eine gewisse Müdigkeit. Weil ihr die Arbeit so viel Spaß machte, stand sie sieben Tage die Woche in der Backstube, ohne es überhaupt zu bemerken. Sébastien und sie experimentierten mit pikanten Eclairs für die Mittagskarte des hauseigenen salon de thé. Einige Versuche schmeckten fürchterlich. Also beschloss sie, Schluss zu machen, mit ihrem Hund Miffy in den Park zu gehen und die Sonne zu genießen.

Es war Frühling in Paris. Die Bäume an den Straßen und Boulevards standen in voller Blüte. Sie stieg mit Miffy die Stufen des Palais de Chaillot hinunter und schlenderte an den herrlichen Blumenbeeten, blühenden Laubbäumen und dem saftigen Gras entlang.

Der große Springbrunnen war angeschaltet, und Kinder klatschten freudig kreischend ihre Hände ins Wasser. Skateboarder vollführten Kunststücke, während die Touristen auf der Aussichtsplattform über ihnen ehrfürchtig Fotos vom Eiffelturm schossen.

Clémence überquerte die Seine und spazierte zum Champ de Mars, dem Park unterhalb des Tour Eiffel. Sie erreichten die duftenden Crêpe- und Waffelbuden, an denen Miffy so gern verweilte. Die Sonne stand hoch am Himmel, und ihnen blieb noch viel Zeit, das herrliche Wetter zu genießen. Man konnte nie wissen, wann sich in Paris die Sonne zeigte, und wenn sie es einmal tat, war die gesamte Stadt auf den Beinen.

Clémence sah sich für Miffy nach anderen Hunden um. Sie entdeckte einen flauschigen Zwergspitz und fragte sich, ob die Dame, die die Leine hielt, etwas dagegen hätte, wenn Miffy mit ihm spielte. Clémence ging auf die beiden zu, vorbei an Teenagern, die Selfies schossen, und Verkäufern, die illegal Schlüsselanhänger und Souvenirs vom Eiffelturm verkauften.

Auf ihrem Weg wurden sie von einem Jack-Russell-TerrierJack Russell Terrier mit einem roten Halstuch angebellt.

Arthur Dubois, ihr Nachbar, begrüßte sie mit einem angestrengten Lächeln. Er sah wie immer gut aus in seinem weißen Hemd und den Jeans. Sein kastanienbraunes Haar war ordentlich gekämmt, und die braunen Augen schienen sie neugierig zu mustern.

»Bonjour, Arthur«, sagte Clémence mit einem höflichen Lächeln. Sie war sich nicht sicher, ob sie ihrer Begrüßung bisous, die typischen Wangenküsse, hinzufügen sollte. Sie standen sich nicht besonders nah.

»Bonjour«, antwortete er steif.

Letzten Monat hätten sie sich beinahe angefreundet, als Arthur sie bewusstlos auf der Straße gefunden hatte. Clémence hatte herausgefunden, wer die Hausmeisterin des Gebäudes, in dem sie beide wohnten, getötet hatte. Gelegentlich schimmerte Nettigkeit durch seine arrogante Fassade hindurch, aber das war immer noch so selten wie ein Franzose, der keinen Käse mochte.

Der Terrier und Miffy sprangen herum und wedelten aufgeregt mit den Ruten. Die Hunde hatten sich angefreundet, seit Arthurs Familie eine Zeit lang auf Miffy aufgepasst hatte. Wäre Arthur nicht so unsympathisch, würde Clémence öfter einen gemeinsamen Spaziergang vorschlagen.

Nachdem Clémence Kommissar Cyril St. Clair geholfen hatte, den Mörder zu entlarven, war vor ihrer Wohnungstür ein großer Strauß wunderschöner rosafarbener und roter Rosen abgelegt worden. Leider war keine Nachricht beigefügt gewesen, aber sie hatte Arthur dahinter vermutet. Doch als sie ihn darauf angesprochen hatte, hatte er das vehement verneint.

»Warum sollte ich dir Blumen schenken?«, fragte er abfällig.

Clémence bereute ihre Frage sofort. Wahrscheinlich dachte er, sie würde ihm ein Interesse an ihr unterstellen. Dabei hatte Clémence die Wahrheit über das Debakel aufgedeckt, unter dem seine Familie so gelitten hatte. Außerdem war sie niedergeschlagen und beinahe getötet worden. War das nicht Grund genug, jemandem Blumen zu schenken?

»Hat sie jemand aus deiner Familie vor meine Tür gelegt?«, hatte Clémence gefragt.

»Nicht dass ich wüsste.«

Wenn sie nicht von den Dubois’ stammten, von wem dann? Jedenfalls hatte ihr Arthurs Art nicht gefallen, und sie hielt sich lieber von ihm fern.

Aber hier war er nun mit seinem Terrier und ging neben ihr her.

»Wie heißt dein Hund eigentlich?«, fragte sie.

»Nach all den Jahren kennst du seinen Namen nicht?«

Clémence wurde allmählich wütend. Sie bemühte sich wirklich, höflich zu bleiben, aber er machte es ihr wie immer schwer.

»Ich war zwei Jahre weg«, sagte sie. »Ich habe deinen Hund noch nicht oft gesehen.«

»Er heißt Youki«, antwortete er.

»Aha.«

Clémence hätte den Spaziergang am liebsten abgebrochen, aber Miffy und Youki amüsierten sich prächtig. Immerhin war sie mit der Absicht in den Park gekommen, Miffy andere Hunde treffen zu lassen.

»Wie geht die Doktorarbeit voran?«, fragte sie, um das unangenehme Schweigen zu brechen.

»Gut.«

»Was ist das Thema?«

»Makroökonomie«, sagte er. »Aber nichts, was du verstehen würdest, es ist ziemlich kompliziert.«

Clémence warf ihm im Stillen einige Flüche an den Kopf. War ihm eigentlich bewusst, wie unhöflich er war?

Nach außen hin reagierte sie nicht auf die Bemerkung, aber sie machte sich auch nicht die Mühe, weiter Konversation zu betreiben. Sobald Miffy ausreichend Zeit mit Youki verbracht hatte, wollte sie sich entfernen.

Nach noch mehr peinlichem Schweigen ergriff Arthur schließlich das Wort. »Gibt es neue Macaron-Sorten bei Damour?«

»Ja«, antwortete sie. »Wir haben Kirschblüte ganz frisch im Sortiment und …«

Plötzlich lief Youki auf zwei Jungs zu, die sich ein Frisbee zuwarfen. Arthur verlor die Leine und rannte dem Hund hinterher.

Miffy wollte ebenfalls mitspielen. Sie bellte aufgeregt, aber Clémence hielt die Leine fest.

»Bleib hier, Miffy. Wir warten auf die beiden.«

Schließlich konnte sie jetzt nicht einfach verschwinden. Außerdem sah es ziemlich lustig aus, wie Arthur Youki hinterherjagte.

Clémence beobachtete die beiden lachend, aber als sie zu Miffy hinunterblickte, stellte sie fest, dass der Hund an der langen Leine bis zu einem Busch gelaufen war.

»Miffy?«

Ihr Hund schnüffelte an einem Eclair, das auf dem Boden lag. Daneben ragten Schuhe aus dem Busch.

Glänzende braune Männerschuhe.

»Was zum …?«

Clémence zog Miffy zurück und spähte in den Busch. Die Hose schien aus hochwertigem Stoff zu sein, und auch die Schuhe waren teuer; es konnte kein Obdachloser sein.

»Monsieur?«, rief sie. »Ist alles in Ordnung?«

Der Mann antwortete nicht.

Miffy schnüffelte immer noch am Eclair auf dem Boden, leckte jedoch nicht daran.

»Miffy, hör auf!«

Clémence blickte sich nach Arthur um, der mit Youki in ihre Richtung kam.

»Ich glaube, der Mann braucht Hilfe!«, rief sie ihm zu.

Arthur rannte zu ihnen und schob die Äste des Buschs auseinander. Darin lag ein Mann Mitte bis Ende vierzig, mit dunkelbraunem Haar und einer Schildpattbrille. Er trug Anzug und eine Krawatte – die Kleidung eines typischen Parisers, der in dieser Gegend arbeitete.

Arthur fühlte seinen Puls. Er verzog das Gesicht und trat einen Schritt...



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