Neckel / Hofstätter / Hohmann

Neckel, S: Die globale Finanzklasse



1. Auflage 2018, 250 Seiten, Großformatiges Paperback. Klappenbroschur, Format (B × H): 154 mm x 228 mm, Gewicht: 416 g
ISBN: 978-3-593-50900-6
Verlag: Campus Verlag GmbH


Exklusivität durch Offenheit
Auf den internationalen Finanzmärkten hat sich eine neue globale Klasse gebildet. Dieses Buch zeigt am Beispiel der Finanzzentren Frankfurt am Main und Sydney, wie in der Finanzklasse gemeinsame Formen ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals entstehen. Typisch für den Habitus dieser Finanzklasse ist neben den üblichen Statussymbolen ein demonstrativer Gestus von kultureller Offenheit, Diversität, Weltläufigkeit und Toleranz, in dem sich eine kosmopolitische Selbstdarstellung mit ökonomischen Interessen verbindet. Ein neuer Modus sozialer Grenzziehung wird sichtbar, der paradox erscheint: Exklusivität durch Einschluss, Abschottung durch Öffnung.
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Inhalt1 Einleitung: Soziale Prozesse in der globalen Finanzindustrie 9Theorie und Methode 172 Forschungsstand und theoretischer Bezugsrahmen 192.1 Globale Klasse 19Transnational Capitalist Class - Die Globalisierung des Managements 21Exkurs: Transnationale Mobilität von Bankvorständen in Deutschland und weltweit 23Finanzialisierung 272.2 Globale Finanzmärkte 292.3 Theoretisches Modell: Die Verbindung von Markt und Klasse 322.4 Global Cities 343 Fragestellungen, Untersuchungsziele, Methoden 373.1 Untersuchungsziele und Forschungsdesign 38Makro-Ebene: Global Cities als Lokalitäten des globalen Klassenbildungsprozesses 40Mikro-Ebene: Karriereverläufe und Arbeitspraktiken im globalen Finanzwesen 41Meso-Ebene: Kulturelle Muster der globalen Finanzklasse 413.2 Sampling, Datenerhebung und Auswertungsmethoden 42Die Auswahl der Global Cities Frankfurt und Sydney 42Feldzugang und Sampling der Interviews 44Die Interviews 48Fokussierte Ethnographie 48Empirische Analyse 514 Frankfurt und Sydney als Global Cities 534.1 Der Finanzplatz Frankfurt 55Bevölkerungs- und Beschäftigungsstruktur 55Historische Entwicklung des Finanzplatzes Frankfurt 57Institutionelle Struktur 59Die Bedeutung des Frankfurter Finanzplatzes im nationalen und europäischen Kontext 62Stadtentwicklung in der Global City Frankfurt 644.2 Der Finanzplatz Sydney 65Bevölkerungs- und Beschäftigungsstruktur 65Historische Entwicklung 68Institutionelle Struktur 69Die Bedeutung des Finanzplatzes Sydney im australischen Kontext 72Stadtentwicklung in der Global City Sydney 744.2 Vergleich 765 Globaler Markt - globale Klasse: Professionelle Praktiken und Karrieren 855.1 Karrieren im globalen Markt: Das Berufsleben der Financial Professionals 86Berufseinstieg 86Ausbildung, Aspiration und vorherige Arbeitserfahrung 86Class counts - Einstellungspraxis in der älteren Kohorte 95Die neue Meritokratie? Einstellungspraktiken der Gegenwart 102Fort- und Weiterbildung 109Zeugnisse und Abschlüsse 109Globalität bei der Arbeit lernen: Internationaler Austausch und Entsendungen 113Follow the money - Wechsel zwischen Firmen 121Exit options - Ausstiege und Karriereende 1325.2 Spannungsfelder in der beruflichen Alltagspraxis 137Digitale Arbeitspraxis und globale Kommunikation 137Kultureller und technologischer Wandel 141Unternehmens- versus Marktorientierung 146Geschlecht und Ethnizität 1495.3 Karrieren im Finanzwesen: Bildungswege einer globalen Klasse 157Soziales, kulturelles und ökonomisches Kapital 159Doxa und Habitus 1616 Kulturelle Muster der globalen Finanzklasse in Frankfurt und Sydney 1656.1 Repra?sentation 168Frankfurt 168Peripherie und Zentrum 168Skyline-Architektur 169Leitbild Nachhaltigkeit 172Stadt des Euro 173Repräsentative Geschäftspraktiken 174Sydney 176Peripherie und Zentrum 176Geschichtsbewusstsein und Nähe zur Politik 179Der Körper als Repräsentationsfläche 183Sauberkeit und andere Selbstverständlichkeiten 1876.2 Exklusivita?t 188Frankfurt 188Architektur und Gebäudepolitik 188Business Clubs und vornehmes Wohnen 188Exklusivität als implizites Wissen 190Sydney 192Food Courts und Shopping Malls im Financial District 192Distanz durch Architektur 196Exklusive Wohnviertel in Global Sydney 1976.3 Aspiration 198Frankfurt 198Die Inszenierung eines globalen Frankfurt 198Symbolordnung und aspirative Praktiken im Bankenviertel 200Statussymbole und Konsumnormen 204Sydney 206Vorbild New York 206Networking after Work 2086.4 Durchla?ssigkeit 210Frankfurt 210Das Bahnhofsviertel 210Financial Professionals: Kulturelle Allesfresser 213Die Dekategorisierung sozialer Praktiken 215Sydney 216Endogenisierung der Sozialkritik 216Storytelling am Barangaroo 217Historisierung von Protest 2196.5 Zusammenschau 222Selbstrepräsentation und Sauberkeit 222Inszenierte Transparenz 223Gelebte Affirmation 224Inklusive Exklusion 2247 Schluss: Die globale Klasse der Financial Professionals 227Literatur 235


1 Einleitung: Soziale Prozesse in der globalen FinanzindustrieSeit der Finanzkrise 2008 ist die Welt des Börsenhandels und des Investmentbankings, der Aktienwerte, Hedgefonds und Großbanken in den Mittelpunkt öffentlicher Debatten und politischer Kontroversen gerückt. Die Aufmerksamkeit, die der bisweilen opaken Finanzwelt mitsamt ihres Sonderwissens und ihrer Statussymbole seither zuteilwird, erscheint nicht verwunderlich, wenn man die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen bedenkt, die sich mit den Finanzmärkten heute verbinden. Als Wirtschaftssektor betrachtet, sind die Finanzmärkte zu einem globalen Leitmarkt aufgestiegen, der die höchsten Renditen erbringt und den Branchen aus der 'Realwirtschaft' die Kennziffern und Konjunkturen vorgibt. Obgleich die Dominanz des Finanzsektors 2008 eine "systemische Desintegration der Wirtschaft" (vgl. Mayntz 2014: 4) ausgelöst hat, ist nicht zu erwarten, dass der weiteren "Finanzialisierung" (Krippner 2005) der Ökonomie künftig Grenzen gesetzt werden. Auch weiterhin werden die Finanzmärkte eine Schlüsselrolle bei der Globalisierung der Wirtschaft spielen. Freie Kapitalströme sind eine Voraussetzung des weltweiten Finanzgeschäfts, weshalb Aktienhandel, Investmentbanken und Kapitalanleger stets schon Fürsprecher der Globalisierung waren. Auch stellen sich die Finanzmärkte aufgrund ihrer Operationsweise heute per se als globale Märkte dar. Um Risiken zu verringern und Profite zu maximieren, diversifizieren Anleger in der Regel ihr Portfolio, werden Investitionen auf möglichst unterschiedliche Märkte verteilt. Dies erzeugt unzählige Verbindungen zwischen Märkten überall auf der Welt und zieht eine globale Orientierung des Finanzsektors im Ganzen nach sich (vgl. Shiller 2003; Windolf 2008).Gesellschaftlich haben die Finanzmärkte eine massive Vertiefung sozialer Ungleichheit in praktisch allen OECD-Ländern hervorgebracht. Die hohen Profite im Finanzgeschäft ließen eine Klasse von Superreichen entstehen. Zudem bildete sich aus der international vernetzten Schar der Banker, Finanzmakler, Broker und Fondsmanager die neue Sozialkategorie der "working rich" (Sayer 2017: 253), die zu den Hauptgewinnern des Aufstiegs des Finanzwesens zählt. Zum Verlierer des Finanzhandels sind hingegen die öffentlichen Kassen geworden. Die Regierungen der Europäischen Union mussten 1,6 Billionen Euro einsetzen, um 2008 das Finanzsystem zu stabilisieren. Deutsche Steuerzahler haben, wie die Bundesbank 2015 verlautbaren ließ, 236 Milliarden Euro für die Bankenrettung aufbringen müssen. Die Schuldenkrise, aus dem Crash von 2008 und der Euro-Rettung hervorgegangen, ließ überall in der Welt die Staaten in Abhängigkeit von den Kreditbedingungen der Finanzmärkte geraten, was eine neue Form der Verbindung von ökonomischer und politischer Macht in den Händen der Finanzbranche zum Vorschein brachte (vgl. Vogl 2015).Ursächlich mit der Finanzökonomie verbunden ist die Durchsetzung des Shareholder Value als Leitlinie der Unternehmenskontrolle, seit die Bereitstellung von Risikokapital immer stärker über die Finanzmärkte erfolgt. Dies hatte zahlreiche sozialpolitische Folgen. Der Anleger-Kapitalismus der Finanzmärkte ließ wenig übrig von der Zähmung des Profitstrebens durch eine koordinierte Marktwirtschaft, die auf der Kompromissbildung zwischen Kapital und Arbeit beruht. Ihr Pendant fand die Entfesselung der Finanzmärkte denn auch in der Deregulation des Arbeitsmarktes und einem Umbau des Sozialsystems. Die finanzdominierte Ökonomie verlor dadurch die Fähigkeit, soziale Belastungen, die aus der "Ungleichheit der Märkte" (Neckel 2015) resultieren, durch wohlfahrtsstaatliche Maßnahmen abmildern zu können. In der Folge ging mit dem Anwachsen des Wohlstands bei den Spitzeneinkommen eine Prekarisierung der Lebenslagen von Bevölkerungsgruppen bis hinein in die Mittelschichten einher.Dass zugleich der Finanzelite, seit der Occupy Wall Street-Bewegung 2011/12 als "das Eine Prozent" bezeichnet, zum öffentlichen Vorwurf gemacht w


Hohmann, Marco
Sighard Neckel ist Professor für Gesellschaftsanalyse und sozialen Wandel an der Universität Hamburg. Lukas Hofstätter, Soziologe, hat in Frankfurt am Main und Sydney zur globalen Klassenbildung promoviert. Marco Hohmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Soziologie der Universität Hamburg.


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