Schmidt | Tod mit Meerblick | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 270 Seiten

Schmidt Tod mit Meerblick

Kriminalroman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-380-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 270 Seiten

ISBN: 978-3-96148-380-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der Nordsee-Mörder geht um im fesselnden Küstenkrimi »Tod mit Meerblick« von Erfolgsautor Andreas Schmidt - jetzt als eBook bei dotbooks. An der Nordsee-Küste ist die Welt noch in Ordnung? Kriminalkommissarin Wiebke Ulbricht hat gerade ihre Ausbildung abgeschlossen, als sie nach Husum versetzt wird - und merkt schnell, dass es in Nordfriesland mörderisch zugeht: In einem Strandkorb wird eine Leiche gefunden. Alles deutet auf einen Suizid hin, doch an den Händen des Toten fehlen Schmauchspuren. Noch dazu stammt die Tatwaffe eindeutig aus den Beständen einer deutschen Behörde, ohne dass sich klären lässt, wo sie zuletzt im Einsatz war. Wer ist der Unbekannte, den niemand zu vermissen scheint, warum musste er sterben ... und wieso übernimmt plötzlich das Bundeskriminalamt den Fall? Wiebke weiß, dass sie nun nicht mehr offiziell ermitteln darf - und setzt trotzdem alles daran, dem Täter auf die Spur zu kommen! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Lernen Sie in »Tod mit Meerblick« von Andreas Schmidt die mörderischen Seiten von Schleswig-Holstein und der eigentlich so idyllischen Gemeinde Nordstrand bei Husum kennen. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Andreas Schmidt, geboren 1969 in Wuppertal, begann als Redakteur der Schülerzeitung schon früh mit dem Schreiben. Später arbeitete er als Journalist für zahlreiche Zeitungen und andere Medien, bevor er begann, sich ganz der mörderischen Unterhaltung zu widmen: »Ich liebe den Krimi, weil er so facettenreich ist!« Bei dotbooks veröffentlichte Andreas Schmidt seine Trilogie rund um das Wuppertaler Ermittlerduo Seiler und Göbel (»Todeszug«, »Todeswasser«, »Todesschnitt«; die ersten beiden Bände sind auch als Sammelband erhältlich), den Wuppertal-Krimi »Blutiger Ritus« sowie die Kriminalromane »Der Kopf des Toten« und »Tod mit Meerblick«, die den Leser in den Westerwald und an die Nordsee entführen. Auf für ihn ungewöhnlichen Pfaden wandelt Andreas Schmidt in »Wenn aus Chaos Liebe wird«, einer beschwingten Komödie - und beweist, wie meisterhaft er auch diese Tonart beherrscht.
Schmidt Tod mit Meerblick jetzt bestellen!

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Kapitel 2


Sie war spät dran. Eigentlich war sie eine besonnene Autofahrerin, aber heute war nichts normal. Bente Harmsen fuhr schneller als gewohnt, als sie den Abzweig passierte, der in den Elisabeth-Sophien-Koog führte. Noch hingen Nebelschwaden über den sattgrünen Wiesen. Es würde noch ein, zwei Stunden dauern, bis die Sonne durch die tiefhängenden Wolken drang. Bente Harmsens Gedanken kreisten um Ubbo, ihren Mann. Wie so oft hatten sie sich gestritten. Ihm wuchs die Arbeit über den Kopf. Vielleicht hatten sie sich auch einfach zu viel zugemutet in den letzten Jahren. Ubbo Harmsen hatte den Hof seiner Eltern im Süden von Nordstrand übernommen, und weil inzwischen die Landwirtschaft kaum noch kostendeckend zu bewältigen war, hatten sie den Hof zu Ferienwohnungen umgebaut. Mit Touristen war mehr Geld zu verdienen als mit Kühen, hatte Ubbo damals festgestellt.

Natürlich hatte er einen Großteil der Umbauarbeiten in Eigenregie durchgeführt, schließlich war er technisch begabt. Und Geld hatten sie auch nicht zu verschenken, also hatte er es vermieden, viel für Handwerker auszugeben, die in der Regel nur Ärger machten, wie er fand.

Damals hatten sie durch einen befreundeten Gastwirt erfahren, dass die Strandkneipe Möwennest verkauft werden sollte. Der Freund wollte sich aus dem Geschäft zurückziehen und suchte nun einen Käufer. Er hatte den Harmsens das Bistro zu einem Vorzugspreis überlassen. Und das Möwennest war eine Goldgrube, denn bei gutem Wetter kehrten die Urlauber in Scharen in die kleine Gaststätte am Rand des Holmer Siels ein. An manchen Tagen kam sogar der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein ins Möwennest, um hier eine Tote Tante zu trinken. Er war hier geboren und bewohnte ein Ferienhaus auf Nordstrand.

Dennoch hatte Bente Harmsen die Übernahme des Bistros insgeheim schon mehrmals bereut. Der Laden war eine zusätzliche Belastung. Eigentlich war das Möwennest Ubbos Part; während sie die Ferienwohnungen im Hof der Schwiegereltern bewirtschaftete, kümmerte er sich um die Gaststätte. So hatten sie es zumindest vereinbart damals. Diese Kneipe auf Nordstrand war eine neue Chance für ihn, nachdem er die Arbeit in Husum verloren hatte – der Betrieb hatte dichtgemacht wegen der Finanzkrise. Und mit dreiundvierzig Jahren war es nicht leicht, einen neuen Job zu bekommen. So hatten sich die Harmsens erhofft, durch die Ferienwohnungen und das Möwennest ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften.

Doch leider erfüllte Bentes Mann seinen Part nicht. Er trank zu viel, schlief morgens zu lange und schaffte es erst in den Nachmittagsstunden, im Bistro aufzukreuzen. Bis dahin kümmerte sich Bente mit zwei Angestellten um das Möwennest und um die Ferienwohnungen. Ihr wuchs die Arbeit über den Kopf. Heute reisten zwei Familien an, die saubere Ferienwohnungen vorzufinden wünschten, doch augenblicklich sah es danach aus, als würde sie wieder bis mittags im Möwennest festhängen. Und das alles nur, weil Ubbo seinen Rausch ausschlief. Wie immer hatte er noch im Bett gelegen, als sie das Haus verlassen hatte. Sie hatte ihn zur Rede stellen wollen. Doch er hatte sie ausgelacht, im Bett einen fahren lassen und ihr demonstrativ den Rücken zugewandt, bevor er wieder eingeschlafen war.

So ging es einfach nicht weiter.

Bente Harmsen trat das Gaspedal tiefer durch. Der altersschwache Diesel dröhnte unter der Haube auf. Seit Tagen schon machte er seltsame Geräusche. Obwohl sie Ubbo darum gebeten hatte, sich den kleinen Lieferwagen einmal anzusehen, war natürlich nichts passiert. Und nun hoffte sie, dass ihr Auto sie nicht im Stich ließ. Eine Panne konnte sie weder zeitlich noch finanziell verkraften.

Bente warf einen Blick in den Innenspiegel. Das Make-up vermochte die dunklen Ringe unter den Augen kaum zu kaschieren. Bente achtete dennoch auf ein gepflegtes Äußeres. Sie sah eine typisch friesische Frau im Spiegel: blond, blaue Augen, etwas blasser Teint. Alt war sie geworden, obwohl sie die vierzig erst im letzten Jahr überschritten hatte. Die viele Arbeit ging nicht spurlos an ihr vorüber, und auch der ständige Ärger mit Ubbo hinterließ seine Spuren. Erste Falten um Augen und Mundwinkel gruben sich in die ansonsten makellose Haut. Kein Wunder, dass Ubbo sie kaum noch beachtete, dachte sie seufzend, als sie den Blick wieder nach vorn auf die Straße richtete.

Ein starker Westwind blies ins Landesinnere und zerrte an der kantigen Karosserie des Lieferwagens. Bente umklammerte das Lenkrad fester, um nicht von der Landstraße abzukommen. Nachdem sie den Aussichtspunkt am Deich passiert hatte, folgte eine langgezogene Rechtskurve. Dann tauchte das Möwennest vor dem Wagen auf. Sie drosselte das Tempo, als sie auf den unbefestigten Parkplatz abbog, und parkte hinter dem kleinen Backsteinbau. Nachdem der Motor mit einem letzten Schütteln erstorben war, umfing sie Stille. Nur der Wind pfiff um die rostige Karosserie.

Bente stieß die Fahrertür auf und angelte nach dem Korb, den sie im Fußraum vor dem Beifahrersitz deponiert hatte. Darin befanden sich die Einkäufe für das Café. Brötchen, Konserven und einige Ansichtskarten. Der Wind nahm ihr fast die Luft zum Atmen, und dennoch genoss sie die würzige Brise, die von der nahen Nordsee heranwehte, als sie abschloss. Dies war ihre Heimat, hier war sie geboren und hier würde sie wohl auch sterben.

Nordfriesland war für sie mehr als nur ein siebzig Kilometer breiter Fleck zwischen Nord- und Ostsee auf der Landkarte. Bente liebte die Einsamkeit hier draußen und vergaß für ein paar Minuten die Hektik und die Sorgen, die ihren Alltag plagten. Ärger mit der Bank, der Brief vom Finanzamt letzte Woche, der sie nächtelang um den Schlaf gebracht hatte, alles rückte hier draußen in unendlich weite Ferne. Bente atmete tief durch, schloss die Augen und lächelte wehmütig. Alles könnte so einfach sein.

An der Strandkneipe angekommen, fummelte sie umständlich den Schlüssel ins Schloss, schaltete die Alarmanlage ab und trat schließlich ein.

Der Geruch von abgestandenem Bier und kaltem Rauch hing schwer im Raum. Die Finger ihrer freien Hand wischten über die Wand neben der Tür; suchten und fanden den Lichtschalter. Feiner Sand knirschte unter den Sohlen ihrer Schuhe. Bente schob den Korb auf den kleinen Tresen und blickte sich im Gastraum um. Am Boden lag noch Sand, den der Wind durch die tagsüber offen stehende Schiebetür hereingetragen hatte. Die Tische wiesen unansehnliche Flecken auf, wo gestern Tassen und Gläser gestanden hatten. Die Putzfrau hatte schlampig gearbeitet – dafür würde Bente sie später zur Rede stellen. Zunächst musste sie alles für den kommenden Tag vorbereiten. Gegen elf würden die ersten Gäste erscheinen. Bis dahin musste der Laden blitzblank sein.

Bente betrat die Küche und schaltete erst einmal das Radio ein. Der kleine Apparat war auf die Frequenz von Radio Schleswig-Holstein eingestellt. Gleich gab es die ersten Nachrichten des neuen Tages aus der Region. Aber hier geschah selten etwas, hier war die Welt noch in Ordnung, dachte sie, während sie sich langsam beruhigte. Laut schallte die Musik aus den kleinen Lautsprechern, Bente sang ebenso laut, aber schief, mit und machte sich an die Arbeit. Zunächst wischte sie die Tische mit einem feuchten Tuch ab, dann kehrte sie den feinen Sand zusammen. Beiläufig glitt Bentes Blick durch die große Glasfront in den Freiluftteil. Dort hatten sie eine kleine Strandidylle mit Meerblick geschaffen. Es gab tonnenweise Sand, Tische, Bänke und Strandkörbe für die Gäste, die hier, windgeschützt hinter zwei Meter hohen Glasscheiben, auch bei unwirtlichem Wetter den Blick auf das Holmer Siel genießen konnten. Weiter hinten gab es einen kleinen Spielplatz für die jungen Gäste – sogar ein Abenteuerschiff aus Brettern hatte Ubbo aufgebaut. Eine Piratenflagge flatterte im Ostwind.

Dennoch war etwas anders. Bente verengte die Augen zu Schlitzen, als sie hinausblickte. In einem der Strandkörbe saß jemand. Sofort schlug ihr das Herz bis zum Hals. Wie war der Mann hierhergekommen? Der Bereich hinter dem Bistro war durch die Glaswände abgetrennt. Das Möwennest selber war über Nacht verschlossen und mit der Alarmanlage gesichert gewesen. Und dennoch war es dem Mann gelungen, sich Zutritt zu einem der Strandkörbe zu verschaffen. Außer dem rechten Arm und einem dunklen Haarbüschel sah Bente nicht viel von ihm, denn der Korb war mit Blickrichtung auf das Siel ausgerichtet. Der Mann schien zu schlafen. Der Oberkörper hing zur rechten Seite, ein Arm nach unten.

In Bente schrillten sämtliche Alarmglocken, und plötzlich sehnte sie Ubbo herbei. Eine Mischung aus Wut und Ohnmacht übermannte sie, als sie wie in Trance durch den Raum schritt, die Verriegelung der Schiebetür löste und die Glasfront öffnete. Ein scharfer Wind wehte ihr ins erhitzte Gesicht.

Zögernd setzte sie einen Fuß ins Freie.

Ihre Schuhe versanken im Sand. Vorsichtig näherte sie sich dem Strandkorb, in dem der Fremde saß. Wie gebannt starrte sie auf den metallenen Gegenstand, der unter seiner Hand im Sand lag. Plötzlich wusste sie, dass der Mann nicht schlief. Die Hand wirkte wie aus Wachs, die Adern auf dem behaarten Handrücken wie die knorrigen Äste einer alten Eiche. Das alles registrierte sie binnen weniger Sekunden. Ihr Herzschlag beschleunigte sich. Sie rang nach Luft, spürte den dicken Kloß, der sich in ihrer Kehle bildete. Alles, schrie es tief in ihr, alles, nur das nicht.

Bitte nicht.

Sie wollte zurückweichen, doch ihre Gliedmaßen schienen ihr nicht mehr zu gehören. Sie war wie gelähmt, war gezwungen, die bizarre Szenerie zu betrachten. Bente spannte die Muskeln...



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