Spilker | Alexa hat gesagt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

Spilker Alexa hat gesagt


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7568-3083-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

ISBN: 978-3-7568-3083-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von Knall auf Fall wird Karl zum Witwer, doch er kommt mit dem Umstand - allein zu sein - überhaupt nicht zurecht. Immerhin war er mit seiner Gundi 38 Jahre verheiratet und das lässt sich nicht so einfach abschalten. Um ihm das Alleinsein zu erleichtern, schenkt ihm sein bester Freund und Nachbar Kalle einen interaktiven Sprachassistenten. Karl ist begeistert. Er lernt die betuchte und extravagante Kosi kennen und begleitet sie auf eine Flusskreuzfahrt, die ihren Beginn in St. Petersburg nimmt und auch dort wieder endet. Karl verliebt sich in Kosi und wird ohne sein Wissen als Transportmittel für einen Diamantenschmuggel missbraucht.

Lutz Spilker wurde am 17.2. des Jahres 1955 in Duisburg geboren. Bevor er zum Schreiben von Romanen fand, verließen bisher unzählige Kurzgeschichten, Kolumnen und Versdichtungen seine Feder. In seinen Büchern befasst er sich vorrangig mit dem menschlichen Bewusstsein und der damit verbundenen Wahrnehmung. Seine Grenzen sind nicht die, welche mit der Endlichkeit des Denkens, des Handelns und des Lebens begrenzt werden, sondern jene, die der empirischen Denkform noch nicht unterliegen. Es sind die Möglichkeiten des Machbaren, die Dinge, welche sich allein in der Vorstellung eines jeden Menschen darstellen und aufgrund der Flüchtigkeit des Geistes unbewiesen bleiben. Die Erkenntnis besitzt ihre Gültigkeit lediglich bis zur Erlangung einer neuen und die passiert zu jeder weiteren Sekunde. Die Welt von Lutz Spilker beginnt dort, wo zu Beginn allen Seins nichts Fassbares war, als leerer Raum. Kein Vorne, kein Hinten, kein Oben und kein Unten. Kein Glaube, kein Wissen, keine Moral, keine Gesetze und keine Grenzen. Nichts. In Lutz Spilkers Romanen passieren heimtückische Morde ebenso wie die Zauber eines Märchens. Seine Bücher sind oftmals Thriller, Krimi, Abenteuer, Science Fiction, Fantasy und selbst Love-Story in einem. »Ich liebe die Sprache: Sie vermag zu streicheln, zu liebkosen und zu Tränen zu rühren. Doch sie kann ebenso stachelig sein, wie der Dorn einer Rose und mit nur einem Hieb zerschmettern.«
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Leben in die Bude


Es läutete an der Türe. Karl lag zwar noch im Bett, aber er war schon wach. Die vergangenen Stunden gingen ihm immer wieder im Kopf umher. Ohne seine Gundi zu erwachen, war für ihn fremd. Schlaftrunken schwang er seine Beine aus dem Bett, zog seinen Bademantel über und ging zur Wohnungstüre.

Nach dem letzten Einbruch in der Nachbarschaft hatten sich Gundi und er angewöhnt erst nachzuschauen, wer vor der Türe stand. Also schaute Karl aus reiner Vorsicht durch den Türspion, sah seinen Kumpel Kalle und öffnete ihm. Eigentlich drückte er bloß die Klinke runter, damit sich die Türe öffnen ließ, denn im selben Augenblick verschwand er im Bad und rief Kalle von dort aus zu, dass er gleich da wäre und er währenddessen in der Küche Platz nehmen kann.

»Ich bin gleich da!«, tönte es aus dem Badezimmer. »Du kannst aber schon mal Kaffee kochen … nimm einen Löffel mehr, du wirst es sicher brauchen!«, hörte er wieder aus dem Bad.

Kalle spürte diese eigenartige Bewegungslosigkeit, die sich immer dann zeigte, wenn Gundi nicht da war. Mal war sie im Supermarkt einkaufen, machte mit ihren Freundinnen einen Schaufensterbummel oder saß mit ihnen in einem kleinen Café, wo sie nach Herzenslust plaudern konnte. All das wird nie mehr das Fall sein, denn nun war sie für immer und alle Zeiten aus dem Leben geschieden. Aber diese Starre, die jedes Mal entstand, wenn sie nicht da war, die konnte auch Kalle deutlich spüren.

Karl war noch immer im Badezimmer. Offenbar bewegte er sich langsamer als sonst. Wozu sollte er sich auch beeilen? Schließlich war außer ihm niemand anwesend, der den Raum beansprucht. Sein Unterbewusstsein hatte diesen Zustand bereits realisiert, nun fehlte noch der Rest. Eigentlich sah Karl noch recht passabel aus. Musternd beäugte er sich wieder im Spiegel.

Ihm fiel auf, dass er es nie tat, als Gundi noch lebte. Erkannte sein Unterbewusstsein schon wieder eine neue Situation und ließ den Rest von Karl darüber im Unklaren?

Sonst war der allmorgendliche Gang ins Bad mehr eine ›Husch-Husch-Aktion‹ und rekrutierte aus der Annahme, dass dort noch jemand hinein will. Jetzt konnte er sich Zeit lassen und das tat er auch. Den Tag mit Hetze zu beginnen, soll nicht gut für den Kreislauf sein, hatte er mal gehört.

Wahrscheinlich las es Gundi vor, als sie noch lebte. Da saß sie oftmals stundenlang vor dem PC-Bildschirm und schmökerte nach irgendwelchen Kochrezepten, Gesundheitsberichten und anderen aktuellen Reportagen, um sich auf dem Laufenden zu halten. Ja, sie war stets informiert und mit den angesagtesten Trends auf du und du. Ob Outfit oder Frisur, ob Haushalt oder Umwelt … Gundi wusste Bescheid. Sie war ein Tausendsassa.

Und diese Lebhaftigkeit war schlagartig weg. Das war es, was Kalle merkte.

»Es ist so still …!«, rief er aus der Küche in Richtung Badezimmer.

»Ich kann dich nicht verstehen«, ertönte es aus dem gekachelten Raum. »Ich bin noch im Bad – aber ich bin gleich da!«

»Kein Radio, kein Fernsehen … wie auf einem Friedhof …«, sagte Kalle zu sich und hielt sich im selben Moment die Hand vor den Mund, weil er sein – hie und da vorlautes – Mundwerk mal wieder nicht halten konnte. Manchmal verwischten sich seine Wahrnehmungen und die Grenzen zwischen Flapsigkeit und Geschmacklosigkeit gehen dann ineinander über. Innerlich hoffte er, dass Karl seine Worte nicht mitbekommen hat, doch sicher konnte er sich dessen nicht sein. Danach fragen konnte er ihn aber auch nicht … Kalle saß nicht zum ersten Mal in einer Zwickmühle.

»Was sagtest du? Es wäre hier so still, weil kein Radio läuft? Wozu soll ein Radio dudeln, wenn ich noch im Badezimmer bin? Ich höre hier sowieso nicht alles!«, klang es lautstark aus Karls Richtung. Kalle fiel ein Stein vom Herzen. Er war spürbar erleichtert.

Der Kaffee war mittlerweile fertig. Die Küche war ihm ohnehin nicht fremd. Er saß schon manches Mal dort und wusste, was sich hinter jeder Türe befand. Er schenkte sich eine Tasse ein, lehnte sich in den Türrahmen und lauschte unfreiwillig dem Treiben im Raum schräg gegenüber.

Direkt hinter der Wohnungstüre begann der Flur und von dort trennten sich die Räume. Gleich rechts lag die Küche und dahinter fand man das Schlafzimmer. Dem gegenüber befindet sich das Bad und daneben ging es ins Wohnzimmer. Kein Raum ist über einen anderen erreichbar; der Flur war der Dreh- und Angelpunkt. Kalles Wohnung gestaltete sich – wie erwähnt – ebenso, bloß spiegelverkehrt.

Sobald Karl das Badezimmer verlassen würde, müsste er, um das Schlafzimmer zu erreichen, über den Flur gehen. Es sei denn, dass er es vorziehen würde, weiterhin im Bademantel zu erscheinen. Oder er hätte seine Sachen zum Anziehen bereits mit ins Bad genommen oder, oder, oder.

Eigentlich ist Karl ein ordentlicher Kerl. Kein Spießer, aber auch kein Schlendrian. Kein Erbsenzähler, aber auch keine Trantüte. Er gehört zu den Leuten, die im Bus aufstehen und einem anderen seinen Sitzplatz anbieten, wenn es die Situation erfordert … ein Typ eben, auf dem man sich verlassen kann. Und wenn er sagt, dass er irgendwann wieder aus dem Bad kommt, dann wird es auch so sein.

Wenn sich Kalle nun den zweiten Kaffee holen würde und der dann anfängt zu wirken, wird’s furchtbar eng, wenn der Knabe nicht bald aus dem Bad kommt.

Das sich im untersten Bereich der Badezimmertüre befindende Lüftungsgitter lässt auch erkennen, ob das Licht im Raum ein- oder ausgeschaltet ist.

In der Sekunde ging es aus und die Türe öffnete sich. Karl schlappte in Richtung Schlafzimmer. Seinen Bademantel trug er über dem Arm. Er sah Kalle kurz an und bemerkte, dass er sich bloß was anderes anziehen will und dann sofort da sein. Karl vermittelte noch immer diesen Eindruck der Verzweiflung und der Ausweglosigkeit.

Gerade holte Kalle Luft, weil er etwas in Richtung Schlafzimmer brüllen wollte, da kam Karl auch schon um die Ecke. Fast hätte sich Kalle an seiner eigenen Atmung verschluckt.

Natürlich sprühte Karl nicht gerade vor Lebensfreude, wie sollte er auch. Schließlich war Gundis Tod noch nicht mal eine Woche her und er und sie waren – bis auf wenige Ausnahmen – jeden Tag zusammen … fast 40 Jahre lang. Das kann man nicht so einfach wegstecken, wie eine Magenverstimmung.

Karl nahm sich auch einen Kaffee, setzte sich und schaute ebenso miesepetrig in den Kaffee, wie er es am Vortag schon mit dem Wein tat.

»Sie fehlt dir …«, gab Kalle zu verstehen und rieb seinem Kumpel freundschaftlich über die Schulter. Karl nickte bloß. Heftig nickte er, als wollte er die Frage unaufhörlich bejahen.

»Hast du schon mal an ein Haustier gedacht … ein Hund, 'ne Katze oder 'n Wellensittich, dann kommt auch wieder Leben in die Bude …?«, schlug Kalle vor. Plötzlich hob Karl seinen Kopf, schaute Kalle mit eisernem Blick an und tobte los, dass man Gundi doch nicht mit einem verlausten Köter, einer Miezekatze oder einem gefiederten Flötenspieler vergleichen könnte. Sie war schließlich seine Frau und nicht sein Zeitvertreib. Mit ihr wäre er letztlich durch dick und dünn gegangen, habe mit ihr die mageren und die fetten Jahre kennengelernt und stand in jeder Lage zu ihr …

»Das hattest du wohl alles vergessen!«, schmetterte er Kalle gegen den Kopf. Kalle wusste im ersten Augenblick nicht, was er machen sollte. Offenbar hatte er eine falsche Taste gedrückt, die Karl nicht ansatzweise auf andere Gedanken brachte. Vielleicht wäre es besser, ihn erst einmal allein zu lassen, damit er mit der Situation selbst fertig werden und sich den neuen Umständen annähern kann.

Klar.

Wenn Gundi die Stabilität seines Lebens war, schlingert er jetzt wie ein kraftloser Brummkreisel umher und muss erst wieder zu neuer Festigkeit finden. Das kostet eine Menge Kraft. Kalle will ihm dabei nur helfen, die geänderten Gegebenheiten besser in den Griff zu bekommen. Doch augenblicklich reagiert Karl überaus gereizt und macht einen teilweise aggressiven, wie auch apathischen Eindruck. Das ist für Kalle zwar schwer hinzunehmen, aber nachvollziehbar Er hatte Gundi auch als liebenswerten Menschen kennengelernt.

Kalle trank seinen Tasse leer, legte seine Hand erneut auf Karls Schulter und drehte sich zum Gehen der Türe entgegen.

»Du weißt, wo du mich findest?!«, sagt er in Karls Richtung und machte diese Geste mit dem abgespreizten kleinen Finger und dem Daumen in Höhe des Ohrs und ging. Karl hörte nur noch die Wohnungstüre schließen und starrte weiter in seinen Kaffee.

Finanziell musste er sich keine Gedanken machen. Dahingehend war alles bestens geregelt. In diesen Dingen stellten Gundi und er bereits früh genug die richtigen Weichen. Sie hatten keine Verpflichtungen und führten so gesehen ein beneidenswertes Leben … und dann passierte das, womit überhaupt niemand gerechnet hat.

Kalle und er stritten sich schon öfter. Es gehörte irgendwie dazu. Manchmal zankten sie wegen einer Nichtigkeit,...



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