Unger | G. F. Unger 2326 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2326, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

Unger G. F. Unger 2326

Die Camerons
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-8084-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Camerons

E-Book, Deutsch, Band 2326, 64 Seiten

Reihe: G.F.Unger

ISBN: 978-3-7517-8084-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich kam ich ganz zufällig nach Lockwood. Es lag auf meinem Weg nach Süden zur Grenze. Ich hatte in Santa Fe die erstbeste Postkutsche genommen, um möglichst schnell von dort wegkommen zu können. Denn sonst hätte ich auch noch die beiden Harris-Brüder Slim und Curly erschießen müssen, die in die Stadt gekommen waren, um ihren Bruder Wade zu rächen. Aber ich wollte keinen neuen Revolverkampf mit zwei rachedurstigen Hitzköpfen. Und so kniff ich und machte mich aus dem Staub. Ich holte nicht mal meine Siebensachen aus dem Hotel, sondern stieg im letzten Moment in die abfahrende Postkutsche zur Grenze. Nun, liebe Leserinnen und Leser meiner Geschichte, ich, Clay Cameron, kam also nach Lockwood, weil dort die Postkutsche etwas Aufenthalt hatte. Eine Stunde hatten wir Fahrgäste Zeit, um uns die Beine zu vertreten, einen Drink zu nehmen oder etwas zu essen. Und diese Stunde genügte, um mein Leben völlig zu verändern ...

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Die Camerons

Eigentlich kam ich ganz zufällig nach Lockwood. Es lag auf meinem Weg nach Süden zur Grenze. Ich hatte in Santa Fe die erstbeste Postkutsche genommen, um möglichst schnell von dort wegkommen zu können. Denn sonst hätte ich auch noch die beiden Harris-Brüder Slim und Curly erschießen müssen, die in die Stadt gekommen waren, um ihren Bruder Wade zu rächen. Aber ich wollte keinen neuen Revolverkampf mit zwei rachedurstigen Hitzköpfen. Und so kniff ich und machte mich aus dem Staub.

Ich holte nicht mal meine Siebensachen aus dem Hotel, sondern stieg im letzten Moment in die abfahrende Postkutsche zur Grenze.

Nun, liebe Leserinnen und Leser meiner Geschichte, ich, Clay Cameron, kam also nach Lockwood, weil dort die Postkutsche etwas Aufenthalt hatte.

Eine Stunde hatten wir Fahrgäste Zeit, um uns die Beine zu vertreten, einen Drink zu nehmen oder etwas zu essen. Und diese Stunde genügte, um mein Leben völlig zu verändern ...

Ich ging in den Store, um mir Unterwäsche, ein Hemd und einige andere Dinge zu kaufen, die ich bei meiner raschen Abreise im Hotel gelassen hatte und für die ich Ersatz brauchte.

Das kostete mich mehr als zwanzig Dollar. Aber ich hatte ja genug Geld in den Taschen und auch im Geldgürtel, den ich auf dem bloßen Leib trug.

Denn ich war ein Spieler. Und ein Spieler ohne Spielkapital ist eine Null.

Natürlich bin ich nicht immer ein Spieler gewesen. Eigentlich war ich schon fast alles – und eines war ich bestimmt stets: ein Abenteurer und Glücksjäger.

Aber das waren alle Camerons. Das lag uns im Blut. Und sogar unsere Schwester Hester war da nicht anders als ihre vier Brüder.

Nun, ich kaufte also ein.

Die junge Frau, die mich bediente, gefiel mir sehr. Mit der hätte ich gerne etwas angefangen, und ich sah in ihren Augen, dass auch ich ihr gefiel. Mein Instinkt hatte mich da noch nie getäuscht. Bei Frauen hatte ich stets Glück. Das war nun mal so. Dabei war ich gewiss kein schöner Mann. Aber ein Mann, ganz im Gegensatz zu Frauen, der muss wohl auch nicht schön sein. Schönlinge taugen zumeist nicht viel.

Die junge Frau hinter dem Ladentisch wartete auf meinen Versuch. Ja, ich spürte auch das. Doch ich ließ es bleiben. Denn bald fuhr die Postkutsche weiter.

Ich zahlte also und trat wieder hinaus mit meinen Einkäufen, die ich in einem Leinenbeutel trug.

Und als ich noch überlegte, ob ich einen Drink nehmen oder schnell ein Steak essen sollte, da kam ein verrückter Bursche auf einem Maultier in die Stadt geritten. Er brüllte einen Jauchzer nach dem anderen heraus, hielt vor dem Claim- und Erzprüf-Office an, schwang sich aus dem Sattel und vollführte erst noch auf der staubigen Straße einen wilden Indianertanz.

Dabei brüllte er immer wieder: »Leckt mich alle am Arsch! Die ganze Welt kann mich jetzt kreuzweise! Denn ich habe es gefunden, gefunden, gefunden! Ich fand das Goldene Vlies! Ich entriss es dem mächtigen Drachen aus der Erde!«

Nach diesem wirren Gebrüll verschwand er im Claim Office und schleppte einen Sack mit hinein, den er die ganze Zeit in der Rechten schwang wie eine Trophäe.

Sein Gebrüll wurde in der um die Mittagszeit so stillen Stadt überall gehört. Die Leute begannen, zu laufen. Von überall her kamen sie – aus den Läden, den Saloons, Hotels und Häusern. Und sogar aus der Filiale der Santa Fe Bank kam ein Mann angelaufen, der wahrscheinlich der hiesige Filialmanager war.

Sie alle versammelten sich vor dem Office, dessen Tür offenbar von innen verschlossen oder verriegelt wurde, sodass niemand hinter dem brüllenden Burschen hineinkonnte.

Ich wurde neugierig.

Die junge Frau, die mich bediente, war hinter mir ebenfalls auf die Straße getreten.

Nun sagte sie zu mir: »Das ist Mulberry Sam, ein alter, erfahrener Silbersucher. Wenn der sich so gebärdet, dann muss er endlich die große Silberader gefunden haben, nach der sie hier schon seit Jahren suchen. Silber! Und wenn das so ist, dann werden sie Lockwood vielleicht in Silver City umtaufen.«

Ich sah zur Seite auf sie.

Ihre Stimme gefiel mir. Es war eine etwas kehlige, aber dennoch melodisch klingende Stimme, eine Frauenstimme, die mir verriet, dass ihre Besitzerin vom Leben auf dieser Erde schon eine Menge gelernt hatte und einige Höhen und Tiefen sie prägten. Frauen ihrer Sorte besaßen Lebenserfahrung und eine gewisse Weisheit schon in jungen Jahren.

Auch ihre grünen Augen gefielen mir. Und jetzt im Sonnenlicht leuchtete ihr schwarzes Haar sehr viel stärker als drinnen.

Es war gepflegtes Haar. Sie war eine Frau, die sich pflegte. Und weil sie dicht neben mir verhalten hatte, roch ich auch ihren Duft. Es war ein besonderer Duft, den selbst die Gerüche des Stores nicht tilgen konnten.

Oh ja, sie gefiel mir immer besser.

Als wir uns so ansahen, lächelte sie ein wenig. Um ihre Mundwinkel waren nun ein paar Linien oder winzige Kerben. Dieser Mund kannte also schon den Ausdruck von Bitterkeit.

Ich lächelte zurück, und so war plötzlich ein Einverständnis zwischen uns, das keiner Worte mehr bedurfte.

»Mein Name ist Cameron, Clay Cameron«, sprach ich dann, als hätte sie mich nach meinem Namen gefragt.

Sie lächelte. »Und mein Name steht an der Ladentür«, sagte sie.

Ich wandte mich um und konnte ihren Namen lesen: Elsa Higgins' Store.

Als ich sie wieder ansah, lächelte sie nachdenklich.

Dann sprach sie: »Jetzt werden Sie wohl in Lockwood bleiben, Mister Cameron?«

Ich staunte und fragte: »Warum sollte ich das tun?«

Sie deutete hinüber zum Erzprüf- und Claimbüro, wo sich die versammelte Menge inzwischen noch vergrößert hatte und immer ungeduldiger wartete.

»Das da wird Sie hier festhalten, Mister Cameron. Silber! Wenn dieser Mulberry Sam wirklich den großen Fund gemacht haben sollte, dann verändert sich hier die Welt binnen weniger Tage. Und in einigen Wochen wird aus diesem kleinen Nest Lockwood ein zweites Sodom und Gomorrha geworden sein. Und das ist die grüne Weide, auf der Spieler wie Sie so gerne grasen.«

Ich staunte noch mehr und fragte: »Und Sie halten mich für einen Spieler?«

»Sind Sie keiner?« So fragte sie zurück.

»Und wenn?« Nun war ich wieder an der Reihe mit unserem Wortgeplänkel.

Ihr Lächeln war nachsichtig und wirkte fast weise. Aber sie war viel zu jung, um die Weisheit einer älteren Frau zu besitzen. Heiliger Rauch, wie rau mochten ihre Wege gewesen sein! Sie kannte die Welt und die Menschen, auch Burschen meiner Sorte. Ihr konnte man nichts vormachen.

Und hier besaß sie einen kleinen Store. Wie passte das zusammen?

Sie beantwortete meine Frage nun endlich mit den Worten: »... dann kommt es darauf an, was für ein Spieler Sie sind.«

»Aha«, machte ich nur.

Dann entstand vor dem Claim Office Bewegung.

Denn Mulberry Sam kam mit seinem Beutelsack heraus, griff immer wieder hinein und holte die Silbererzbrocken heraus, warf sie wie Steine in die Menge. Und einen warf er zu uns herüber. Er rollte mir fast bis vor die Füße. Ich hob ihn auf. Er war fast so groß und auch so geformt wie ein Kinderschuh.

Ich kannte mich aus. Ja, das war Silbererz mit einigen Beimischungen. Und es stammte aus einer Ader, aus der es losgebrochen wurde. Und der Kern dieser Ader war reines Silber. Alles andere musste man ausscheiden. Denn wo man Silber fand, da gab es zumeist auch goldhaltigen Pyrit und Bleiglanz.

Mir war klar, dass Mulberry Sam der Entdecker einer Silberader war, die er nun im Claimbüro auf seinen Namen registrieren ließ.

Normalerweise war er ein gemachter Mann.

Ich schätzte die Einwohnerzahl von Lockwood auf kaum mehr als hundert Seelen. Dazu kamen noch einige Besucher, die hier Einkäufe machten oder auf der Durchreise waren.

Aber in wenigen Tagen hatte die Stadt gewiss mehr als tausend Einwohner und Gäste. Der Silberfund würde sich wie ein Lauffeuer verbreiten, welches vom Wind über die Prärie gejagt wurde.

Elsa Higgins sah es richtig. Ein Spieler wie ich, der suchte solch eine Weide. Hier würde eine Art Explosion stattfinden. Und aus dem Nest Lockwood würde ein Sodom oder Gomorrha werden, auch ein Babylon.

Ich kannte diese Entwicklungen. Dies war nicht der erste Ort, in dem ich einen Boom erlebte.

Ich sagte zu Elsa: »Ja, das Erz muss aus einer Ader losgebrochen worden sein. Hier bricht ein Run los. Und aus Ihrem Store können Sie einen großen General Store machen. Wollen Sie?«

Sie sah mich staunend an.

»Dann bräuchte ich einen ganzen Wagenzug voller Waren jeder Art und Sorte«, sprach sie schließlich mit einem Klang von Sarkasmus in der Stimme. »Da müsste ich einen Einsatz von etwa zehntausend Dollar bringen, nicht wahr, Mister Spieler?«

»Nennen Sie mich lieber einfach nur Clay, Elsa.« Ich grinste. »Denn ich weiß nun, dass wir Partner werden.«

Nun wurden ihre grünen Katzenaugen schmal, und sie wirkte sehr spröde und fast schon biestig.

»So, werden wir das?« Sie fragte es kühl. »Wieso denn?«

»Weil Sie hier den Store besitzen, welcher ausbaufähig ist. Sie können...



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