E-Book, Deutsch, 246 Seiten
Zimmermann Dem Himmel verbunden
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9697-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 246 Seiten
ISBN: 978-3-7562-9697-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich, Angela Zimmermann, wurde 1966 geboren, bin Mutter eines erwachsenen Sohnes und lebe heute mit meinem Mann in Dippoldiswalde / Deutschland. Nach mehrjähriger Tätigkeit in dem Beruf als Uhrmacherin widme ich mich nun dem Schreiben. Das Interesse dazu, war schon lange da, und 2011 fand ich endlich die Zeit und Ruhe, alles niederzuschreiben. Mit dem Erscheinen des ersten Romans 2014 im Verlag DeBehr begann eine Wende in meinem Leben. Insgesamt fünf weitere Romane sind im Telegonos-Verlag erschienen. Ich lote mit den Geschichten die Grenzen der menschlichen Existenz aus und befasse mich mit Erscheinungen, die über das normale Fassbare für uns hinausgehen.
Autoren/Hrsg.
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as letzte Kind wurde vor 10 Minuten aus unserer Einrichtung abgeholt und bevor ich in den Feierabend starten kann, habe ich noch einiges zu erledigen.
Ich laufe durch alle Räume des Kindergartens und schaue, ob die Fenster geschlossen sind. Ich bin heute allein hier im Haus und darf nichts übersehen.
Dann sammele ich in meinem Gruppenzimmer die verteilten Spielsachen ein und räume sie in die dafür vorgesehenen Körbe. Diese stelle ich in das große Regal und hebe die kleinen Stühle auf die Tische. Das mache ich, damit die Reinigungskraft, die morgens noch vor uns da ist, etwas Zeit einspart. Es ist eine ganz liebe Person und wenn es uns möglich ist, greifen wir ihr gern unter die Arme.
Ich schaue mich noch einmal um und nehme meine Tasche. So wie ich mit Freude zum Schichtbeginn den Kindergarten betrete, so froh bin ich, einen verdienten Feierabend zu genießen.
Zurzeit ist es sehr heiß und wir haben seit 2 Wochen fast täglich mehr als 30 Grad. So habe ich die letzten Tage jeden Abend auf meiner Terrasse verbracht, bei einem kalten Getränk und guter Musik.
Ich bin Single, aber momentan kann ich mir nichts anderes vorstellen. Die Kinder, die ich täglich betreue, füllen meine Leben vollkommen aus. Für diesen Beruf habe ich mich entschieden, weil ich Kinder über alles mag. Mit ihnen zu spielen und vieles beizubringen habe ich mir zur Aufgabe gemacht.
Mit den Gedanken an wieder einen schönen Abend, schließe ich die Haupttür, nachdem ich die Alarmanlage scharf geschaltet habe.
Weil ich die letzten zwei Stunden allein mit den Kindern war, hatte ich keine Zeit, aus einen der vielen Fenster zu schauen. Jetzt stehe ich auf dem Spielplatz vor dem Kindergarten, wo wir heute gerade mal eine Stunde mit den ihnen waren, weil es wieder zu heiß geworden ist. Zum Schutz der Kinder entschieden wir uns die Zeit in den klimatisierten Räumen zu verbringen.
Nun geht mein Blick hinauf zum Himmel und mir schwant Übles.
Eine fast schwarze Wolkenwand kommt genau aus der Richtung, wo der Heimweg entlang führt.
Warum bin ich nicht mit dem Auto gefahren? Gerade heute bin ich gelaufen und nun das nahende Unwetter.
Ungefähr fünfzehn Minuten brauche ich bis nach Hause, vielleicht zwölf, wenn ich mich beeile. Oder noch weniger, dann muss ich aber durch den Park laufen. Ungünstig bei den vielen hohen Bäumen. Man bekommt das doch schon als Kind gesagt, dass die Blitze gerade da einschlagen können und wir predigen es heute selbst den Kleinen.
Gefährlich? Wenn ich schnell genug bin, könnte ich es schaffen und höre nicht auf meine innere Stimme, die augenscheinlich etwas dagegen hat. Ich verbanne sie ganz nach hinten in den Kopf, entscheide mich für den Park und laufe los. Wenige Minuten später bekomme ich schon die ersten Tropfen ab. Einen Schirm habe ich natürlich nicht, warum auch, es hat tagelang nicht geregnet. Er liegt in meinem Auto, wo man ihn am wenigsten braucht.
Ich würde mir am liebsten in den Hintern beißen. Warum bin ich heute früh nur auf Arbeit gelaufen.
Ganz einfach. Es war zu heiß und ich bin zeitig aufgestanden. Die Hitze und der Schweiß auf meinem Körper haben mich aus dem Bett getrieben. Ich hatte so viel Zeit wie lange nicht mehr. Eine wohltuende Dusche und ich fühlte mich wie ein neuer Mensch. Mit einer Tasse Kaffee und einem Croissant habe ich den Sonnenaufgang auf meiner Terrasse genossen. Die klare Morgenluft und das Zwitschern der Vögel nehme ich ansonsten gar nicht wahr. Aufstehen, kurzes Frühstück und mit dem Auto auf Arbeit. So sieht es eigentlich tagtäglich aus.
Heute wurde mir klar, was ich so alles verpasse. Wie den kleinen Spatz, der anscheinend so hungrig war, dass er ganz nahe an meinen Füßen ein paar Krümel von dem Croissant aufpickte.
Zudem flog mein Blick über den Garten, der nicht zu groß ist und darüber bin ich froh, denn ich habe wenig Zeit mich darum zu kümmern. Die Rosen blühen in voller Pracht und an den Hortensien sind so viele Blütenbälle, dass man sie kaum noch zählen kann. All das habe ich meinen Eltern zu verdanken. Plötzlich kamen Gedanken in mir hoch und mein Herz wurde schwer und ich musste an das Unglück vor zwölf Monaten denken. Da sind sie durch einen Autounfall viel zu früh gestorben. Ich habe das hübsche und sehr gepflegte Haus geerbt und bin nach zehn Jahren wieder in mein ehemaliges Heim eingezogen. Zwischendurch hatte ich eine kleine Wohnung, nur ein paar Straßen weiter.
Ich sollte wohl öfter an ihnen gedenken. Wie schnell ist das Jahr vergangen und der Alltag hat mich wie gehabt in sich gefangen. Viel Arbeit kann von dem Schmerz ablenken, aber irgendwie öffnet sich immer wieder mal das tiefe Loch und du drohst abermals einzustürzen. Meine Freundin Thea ist bis heute stets diejenige gewesen, die mir zurück auf die Beine geholfen hat. Wir haben uns im Kindergarten kennengelernt und in den letzten acht Jahre sind wir zu besten Freundinnen geworden.
Heute früh war ich gehalten allein klarzukommen. Thea hat Frühschicht und somit ist sie schon auf Arbeit.
Die angenehme Morgenfrische brachte mich letztendlich dazu, das Auto stehen zu lassen. Zu einem konnte ich den Kopf freibekommen, die Gedanken an meine Eltern wieder in den Erinnerungen ablegen und zudem hatte ich keine Einkäufe zu erledigen.
Ein unbehagliches Gefühl und ein quietschendes Geräusch holt mich zurück in die Gegenwart. Der Weg ist inzwischen schon mit Wasserlachen übersät und ich selbst bin bis auf die Haut durchnässt. Die Sandalen fühlen sich aufgequollen an und es drückt bei jedem Schritt Wasser durch meine Zehen. Ich bleibe stehen und ziehe sie kurzer Hand aus. Die kleinen Kieselsteine unter den Fußsohlen piksen zwar etwas, aber ich habe es nicht mehr weit. Die Bäume lichten sich schon und ich erkenne die Laternenlichter von der Straße, auf die ich zulaufe.
Ein Blitz zuckt in den immer dunkler werdenden Wolken und ich werde automatisch schneller, ohne auf meine Füße zu achten.
Aber ich werde abgelenkt, denn es kommt mir jemand entgegen. Ein junger Mann, den Kopf eingezogen, als würde das gegen den immer stärker werdenden Regen helfen und ebenso durchnässt wie ich, jedoch läuft er wesentlich langsamer.
Fast auf gleicher Höhe, hebt er seinen Kopf an und unsere Blicke treffen sich. Er lächelt mich verschmitzt an und ich kann mir denken warum. Seine Augen schweifen kurz über meinen ganzen Körper. Das T-Shirt klebt an meiner Haut und zeigt wahrscheinlich alles, was sonst verborgen ist. Ich mach mir darüber keine weiteren Gedanken, denn ich bin an seinen leuchtenden Augen gefesselt. Für einen Moment bleibt die Zeit stehen und es sind nur noch zwei Schritte, bis wir aneinander vorbeigehen.
Dann nur noch einer und ich werde ihn vielleicht nie wiedersehen. Soll ich ihn ansprechen? Nein, er ist sicher vergeben. So ein wunderschönes Exemplar von einem Mann ist bestimmt nicht mehr zu haben. Am Ende mach ich mich nur lächerlich, aber faszinierend ist der Typ schon. Außerdem sollte ich mich sputen, denn die Temperatur ist schnell gesunken und ich fange an zu zittern.
Weiter komme ich jedoch mit meinen Gedanken nicht. Ich höre plötzlich ein Knistern in der Luft und ehe ich überlegen kann, woher es kommt, folgt ein lauter Knall.
Ich nehme noch wahr, dass wir beide uns direkt gegenüberstehen, als es mir die Füße unter dem Körper wegreißt. Wie ich falle, merke ich nicht mehr, denn es ist nur noch schwarz um mich herum und eine unheimliche und angstmachende Stille hüllt mich ein.
Langsam spüre ich meinen Körper wieder. Die Augen kann ich nicht öffnen, die Lider sind zu schwer, aber die Finger lassen sich minimal bewegen. Ich bemühe mich, die Kontrolle über meinen Körper zurückzugewinnen, jedoch bleibt es vorerst ein Versuch.
„Hallo Süße. Hörst du mich?“, fragt jemand und ich erkenne sofort die Stimme meiner besten Freundin Thea.
Ich hebe die Hand leicht an, um ihr zu zeigen, dass ich sie wahrgenommen habe. Mehr ist nicht möglich, ich habe einfach keine Kraft.
„Es wird alles wieder gut“, redet sie sanft weiter und löst unendlich viele Fragen in mir aus.
Was wird wieder gut? Wo bin ich? Was ist passiert? Und warum kann ich mich kaum bewegen? Ein weiterer Versuch, nochmals meine Augen zu öffnen, klappt diesmal, wenn auch nur ein wenig. Über mir erkenne ich eine weiße Decke und nach einigen Sekunden drehe ich ein winziges Stück, weil es mir unheimlich schwerfällt, meinen Kopf zur Seite. Alles scheint irgendwie steril. Wo bin ich nur?
Ich versuche, zur anderen Seite zu schauen, und sehe Thea. Ganz starr liege ich da, mein Körper fühlt sich wie ein Stein an. Neben mir sitzt Thea und ihr Blick sieht besorgt aus. Langsam wird mir klar, wo ich anscheinend bin.
Warum bin ich im Krankenhaus? Was ist passiert? Hatte ich einen Unfall?
Ich suche in meinem Kopf nach Antworten, aber da ist alles durcheinander, was mir sofort Angst macht. Ich sehe Fetzen von Bildern, die ich nicht richtig zu deuten vermag. Kann mir Thea helfen?
„Wo bin...




