Buch, Deutsch, Band 13, 220 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 215 mm
Reihe: unbegrenzt haltbar
Gedichte
Buch, Deutsch, Band 13, 220 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 215 mm
Reihe: unbegrenzt haltbar
ISBN: 978-3-03850-108-4
Verlag: NIMBUS
Als im Herbst 1930 im altehrwu¨rdigen Zu¨rcher Verlag Orell Fu¨ssli ein schmaler Gedichtband mit dem Titel «Lächeln auf dem Asphalt» erschien, war das Erstaunen vielerorts groß; hier hatte jemand keine Scheu, als Asphalt-Literat abgetan zu werden, sondern nahm das Stichwort gleich in den Buchtitel auf – nicht plakativ, sondern versonnen lächelnd. Seine Verse ließen den Themenkreis der Naturlyrik, der die Schweizer Dichtung bisher dominiert hatte, leichthin beiseite und sprachen auf einfache Art vom urbanen Alltagsleben, unprätentiös, ja spröde im Ton, zart in der Empfindung. Und der Band war eingefasst von einem Um schlag, der das kippende Luftbild einer Stadt mit der Silhouette eines jungen Mannes montierte. Der Graphiker, der das gestaltet hatte, hieß Max Bill.
Dies war die Art, wie Albert Ehrismann mit 22 Jahren debu¨tierte, und er erzielte einen Überraschungserfolg damit; eine zweite Auflage wurde gedruckt und der Zu¨rcher Stadtrat sah sich veranlasst, einen Literaturfonds ins Leben zu rufen, um dem Dichter einen dreimonatigen Aufenthalt in Berlin zu ermöglichen. Wer glaubte, den Autor damit vereinnahmt zu haben, irrte jedoch. Als Ehrismann 1932 seiner militärischen Dienstpflicht nachkommen sollte, weigerte er sich und verwies auf seinen Pazifismus. Die Strafe folgte auf dem Fuß: acht Wochen Gefängnis, Ehrverlust, Auferlegung der Gerichtskosten. Hinter Gittern schrieb Ehrismann seinen zweiten Gedichtband: «Schiffern und Kapitänen». 1932 erschien er bei Oprecht mit Originalgraphiken von Eugen Fru¨h und typographischer Gestaltung von Max Bill, bis heute eine der schönsten Lyrik publikation der Schweiz. Ab diesem Markstein war klar: Ehrismann war der Erneuerer der Schweizer Lyrik auf ihrem Weg in die Moderne.
Sein nächster Band folgte erst 1939: «Sterne von unten». Im gleichen Jahr entfesselte Hitler den 2. Weltkrieg. Das veränderte die Gewissenslage: Ehrismann wurde Soldat, leistete Aktivdienst und erlitt bei einer Übung eine schwere Verletzung.
In seinem Schaffen zeigte er sich davon jedoch unberu¨hrt und entfaltete weiter seinen Stil: poetisch und humanistisch, engagiert und introvertiert, spielerisch und melacholisch. Aus diesem Werk hat Thomas Du¨tsch eine Auswahl getroffen, die etwas Besonderes wieder zugänglich macht.
Autoren/Hrsg.
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Unter der Lampe
Ist einer schlaflos
Zwischen zwei und vier,
So steh er auf und wandere
Zu mir.
Auch ich bin wach.
Der Stift in meiner Hand
Formt die Geschichte eines
Der nicht Ruhe fand.
Vielleicht bist du das,
Vielleicht bin es ich.
Doch zwischen zwei und vier
Erwart ich dich.
Komm ungesäumt,
Sonst kommst du wohl zu spät
Ein Falter stirbt,
Der in den Tag gerät.
Stirb Lampe!
Denn nun schlägt es vier.
So ist denn keiner schlaflos
Ausser mir …?
Aus: «Lächeln auf dem Asphalt»




