Anton / Angermair / Bellaire | Getrennt & Vereint | Buch | 978-3-948974-23-7 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 297 mm, Gewicht: 900 g

Anton / Angermair / Bellaire

Getrennt & Vereint

Die Münchner Arbeiterbewegung im Kampf um die Republik 1919–1922
Neuerscheinung
ISBN: 978-3-948974-23-7
Verlag: Schiermeier, Franz

Die Münchner Arbeiterbewegung im Kampf um die Republik 1919–1922

Buch, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 297 mm, Gewicht: 900 g

ISBN: 978-3-948974-23-7
Verlag: Schiermeier, Franz


Die Weimarer Republik steht bis heute fu¨r die Gefährdungen der Demokratie. Bereits in den ersten Jahren ihres Bestehens,
die sich an die revolutionäre Umbruchphase anschlossen, war sie vielfältigen Angriffen und Gefährdungen ausgesetzt.
Dabei spielte Mu¨nchen eine zentrale Rolle, deren Bedeutung weit u¨ber Bayern hinausreichte. Das „Archiv der Mu¨nchner
Arbeiterbewegung e. V.“ widmet sich mit seinem Projekt dem Kampf der Arbeiterschaft gegen die nationalistischen Feinde
der Republik.

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Grußwort von Anton Biebl
Kulturreferent der Landeshauptstadt München

Die dritte Ausstellung des Archivs der Münchner Arbeiterbewegung zur Münchner Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert ist den überaus turbulenten und für viele Zeitgenoss*innen zutiefst verstörenden Verhältnissen ­Anfang der 1920er Jahre gewidmet. Sie behandelt die politischen Entwicklungen und Konfrontationen, ja gewaltsamen Eskalationen, und auch die ­sozialen und kulturellen Dimensionen.

Zwischen der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik im Mai 1919 durch marodierende Freikorps und Truppen der sozialdemokratisch ­geführten Reichsregierung und dem Zusammenschluss der Mehrheits-SPD und der in München seit 1920 dominanten Unabhängigen Sozialdemokra­tischen Partei 1922 liegen dramatische Jahre. Wir haben es hier mit einer ­Phase eskalierender Gewalt und zugespitzter politischer Konfrontation zu tun. Mit einer Zeit, in der rechtsstaatliche Grundwerte durch eine auf dem rechten Auge blinde Justiz und Polizei zunehmend ausgehöhlt und dramatisch entwertet wurden. Die eklatante Handlungsschwäche und Bewegungsstarre
der politischen Gremien auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene waren erschütternd.

Die Reichswehr, im Verbund mit rechtsnationalen Verbänden bis hin zur NSDAP, war in München ein Brandbeschleuniger für politischen Extremismus und Straßengewalt. Politische Morde an Demokraten und Umsturzversuche von rechts (Kapp-Putsch, Hitler-Ludendorff-Putsch) sind kennzeichnend für die kritische, ja höchst einsturzgefährdete Lage der jungen Republik.

Die galoppierende Inflation stürzte große Teile des Bürgertums und der ­Arbeiterschaft in Not und Elend. Dies verstärkte die politische Radikalisierung. Was wir heute als fake news bezeichnen, hat die Entwicklungen zudem ­beschleunigt: lügenhafte Behauptungen und Unterstellungen – sei es gegen die Siegerstaaten des Ersten Weltkriegs, die mit dem Versailler Vertrag die ­internationale Schwächung und Ausplünderung Deutschlands praktizierten, sei es gegen sozialdemokratische und liberaldemokratische Politiker, denen mit perfide und antisemitisch hinterlegten Unterstellungen die Schuld an
der Kriegsniederlage zugeschrieben wurde (Dolchstoßlegende).

Die Ausstellung arbeitet die spezifischen Konfrontationen in München heraus: Dominanz der Reichswehr (hervorgegangen aus dem kaiserlichen Heer),
der konservativ-nationalistischen Kräfte im Staatsapparat, der sogenannten vaterländischen Verbände, von den Einwohnerwehren bis zu den National­sozialisten unter der Führung Hitlers. Ihnen stand in München eine gespaltene Arbeiterbewegung gegenüber, eine dominante USPD mit einer geschwächten MSPD, aber erstarkten Gewerkschaften, dazu eine sich erst entwickelnde KPD, zumeist in Konfrontation zur Sozialdemokratie. Der Zusammenschluss von USPD und MSPD 1922 markiert eine Konsolidierung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung in München.

Die Ausstellung richtet den Blick auf eine wichtige, prägende Phase unserer Stadtgeschichte. Sie zeigt die elementare Bedeutung eines stabilen politischen Ordnungsrahmens, aber auch eines freiheitlich-demokratischen Werte­systems, das von der Stadtgesellschaft in ihrer ganzen Breite getragen und dauerhaft geschützt, bewahrt und immer wieder weiterentwickelt wird. Denn andernfalls – auch das lässt die Ausstellung erahnen – ist die Gefahr von unkontrollierbaren Katastrophen wie sie mit dem Jahr 1933 verbunden sind, evident.



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