Berlin, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Sie gibt sich als »Gabriele von Gabrilow, Klaviervirtuosin aus Petersburg« aus, die Dame mit der Federkrause, die sich bei Familie Kreitlein einmietet. Dabei ist sie Bezieherin einer Gnadenpension von 35 Mark und speist im vegetarischen Restaurant Thalia. Auch wenn sie am anderen Ende der Stadt Klavierstunden für 60 Pfennige gibt, das Geld für die Straßenbahn einspart und ihre Schuhe ruiniert – es reicht nie, mehrmals im Monat muss sie einen Hungertag einlegen.
Die Scharlacherkrankung des kleinen Kreitlein erweist sich für sie, die zusehends abmagert, als glückliche Fügung. Vier Wochen kann sie bei freier Kost und Logis mit dem Kind in Quarantäne verbringen. Und mit jedem Abend, an dem dieser junge Arzt das Zimmer betritt, bricht noch ein ganz anderer bei ihr Hunger durch und befördert sie in eine Seligkeit, die niemals enden dürfte.
Vicki Baum, die 1917 selbst Hunger und Elend in Berlin erlebt hat, erzählt ironisch und doch mit großer Sensibilität eine herzzerreißende Geschichte über eine alleinstehende Frau, die die Wahrheit nicht aushält und sich in ihrer Not das Leben erfindet.
Baum
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Baum, Vicki
Vicki Baum, geboren 1888 als Tochter einer jüdisch-bürgerlichen Familie in Wien, gestorben 1960 in Hollywood. Neben ihren Engagements als Harfenistin (bis 1916) war sie bereits als Schriftstellerin tätig und verfasste feuilletonistische und literarische Texte; zweimal wurde ihr von Thomas Mann ein Literaturpreis zugesprochen. Mit Menschen im Hotel (1929) gelang ihr der internationale Durchbruch. 1932 emigrierte sie in die USA, von 1940 an publizierte sie auf Englisch. Ihre Bücher, in Deutschland vom NS-Regime als »Asphaltliteratur« verfemt und verbrannt, wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach verfilmt.