Buch, Deutsch, 110 Seiten, Format (B × H): 160 mm x 220 mm
Ein Psychodrama/Kammerspiel
Buch, Deutsch, 110 Seiten, Format (B × H): 160 mm x 220 mm
ISBN: 978-3-947737-18-5
Verlag: edition ginga
David und Julia werden von Julias eifersüchtigem Ex-Freund in einer einsamen Hütte eingesperrt. Der Winter steht bevor und niemand weiß, dass sie hier sind. Rettung können sie frühestens in vier Monaten erwarten. Und schnell wird ihnen klar, dass hier oben noch ganz andere Gefahren drohen als ein eifersüchtiger Ex: Verletzung, Krankheit, Hunger, Kälte, Durst, Inselkoller...
Ein Psychodrama/Kammerspiel und vielleicht der perfekte Stresstest für eine junge Beziehung.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
David stolperte den steinigen Weg entlang. Immer wieder schaute er zum Himmel, dann wieder den steilen Hang hinunter. Eine Schnapsidee war das gewesen, im Herbst in die Berge zu fahren!
Plötzlich tauchte vor ihm eine Gestalt auf. Endlich! Er rannte weiter, stürzte beinahe, fing sich gerade noch ab und erreichte den Fremden schließlich. Es war ein Mann um die Sechzig. Er trug tarnfarbene Kleidung, was hier in den Bergen eher auffällig und albern wirkte. Unter einer Mütze, die an Fidel Castro erinnerte, schaute volles graues Haar hervor. Vermutlich ein Städter, der sich hier ebenso verloren fühlte wie er selbst. Egal. Zumindest schien der die Ruhe wegzuhaben, denn er schlenderte gelassen den schmalen Weg entlang. Fehlte nur noch, dass er begann, ein fröhliches Wanderlied zu pfeifen. David beneidete ihn.
„Haben Sie diese Frau gesehen?“, keuchte er, als der Fremde ihn erreicht hatte, und rammte ihm das Foto von Julia geradezu ins Gesicht.
„Kenn' ich nicht.“
„Aber Sie haben doch gar nicht hingesehen!“, rief David und wedelte mit dem Foto.
„Kenn' ich nicht“, wiederholte der Fremde.
„Hören Sie, meine Freundin ist verschwunden. Es wird dunkel. Und kalt. Und...“
Der Mann wollte weitergehen. David packte ihn kurz am Ärmel. Der Fremde drehte sich um und die Gelassenheit war plötzlich aus seinem Gesicht verschwunden. Stattdessen funkelte er David wütend an.
„Entschuldigung, aber meine Freundin ist verschwunden...“
„Hab' ich mitbekommen.“
„Bitte! Meine Freundin ist... Vielleicht liegt sie irgendwo, verletzt und hilflos. Haben Sie sie gesehen? Ich flehe sie an.“
„Vergiss sie, mein Junge. Vergiss sie einfach.“
David schnappte nach Luft. „Sie haben sie gesehen! Sie wissen, wo sie ist! Sagen Sie mir, wo sie ist, zum Teufel! Oder... oder die Bergwacht wird Sie morgen da unten aufsammeln können! Oder das, was von Ihnen noch übrig ist!“
„Sieh lieber nach, was von deiner Freundin noch übrig ist“, erwiderte der Fremde regungslos und deutete in die Richtung, aus der er gekommen war.




