Buch, Deutsch, Band 60, 754 Seiten, KART, Gewicht: 1203 g
Reihe: Analecta Romanica
Die französische Esskultur in Literatur und Gesellschaft des bürgerlichen Zeitalters
Buch, Deutsch, Band 60, 754 Seiten, KART, Gewicht: 1203 g
Reihe: Analecta Romanica
ISBN: 978-3-465-03102-4
Verlag: Vittorio Klostermann
Das 19. Jahrhundert gilt Kulturhistorikern als das goldene Zeitalter der französischen Esskultur, nicht zuletzt weil die bürgerliche Gesellschaft gastronomische Standards schafft, die bis heute zur weltweiten Vorrangstellung der französischen Tafelkultur beitragen. Das gute Essen, die 'bonne chère', wird in der postrevolutionären Gesellschaft mit dem modernen Begriff der 'gastronomie' bezeichnet (dt. etwa 'feine Esskultur') und avanciert zu einem Lebens- und Wissensbereich, dem nunmehr die doppelte Weihe einer 'art' und einer 'science', künstlerischer Ästhetik und wissenschaftlicher ratio verliehen wird. Diese Theoriebildung, die die Entstehung der neuen bürgerlichen Genusskultur mit ihren 'grands restaurants' und 'dîners priés' begleitet, schlägt sich in einer umfangreichen 'littérature gastronomique' nieder und drückt sich auch in der Erzählliteratur der Epoche aus, in der Romanciers wie Balzac, Flaubert, Zola und Maupassant dem modernen Gastromythos in zahllosen Mahlzeitenbeschreibungen Tribut zollen. Dabei beruht die enge Verbindung von 'littérature' und 'gastronomie' auch darauf, daß die Fachschriftsteller der Epoche (die 'auteurs gastronomes') meist dem Milieu der Literaten entstammen und die Romanciers wiederum jener privilegierten Feinschmeckergemeinde (der sog. 'société gourmande') angehören, über deren Tafelfreuden sie in ihren fiktionalen Essensszenen 'en connaissance de cause' zu berichten wissen. Die Kennzeichen dieser modernen Esskultur (etwa ihr distinktiver Charakter, ihre metaphorische Sprache, ihre androzentrische Ausrichtung und die unterschwellige Verquickung von 'gourmandise' und Erotik) werden von den Romanciers in z.T. identifikatorischer Haltung, z.T. aber auch in desillusionistischer Sicht abgebildet, indem sie den zeitgenössischen 'discours gastronomique' in ihre Werke aufnehmen und in spezifischer Weise weiterentwickeln, so daß die Mahlzeitenbeschreibungen der Erzählliteratur als literarischer Beitrag zur Diskussion über die französische 'gastronomie' gewertet werden können.
Zielgruppe
Romanisten, Kulturhistoriker, Literaturwissenschaftler




