Bessa / Hübner | Urubus | Buch | 978-3-88747-386-0 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 110 Seiten, Format (B × H): 128 mm x 202 mm, Gewicht: 194 g

Bessa / Hübner

Urubus

Erzählungen
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-88747-386-0
Verlag: Transit Buchverlag GmbH

Erzählungen

Buch, Deutsch, 110 Seiten, Format (B × H): 128 mm x 202 mm, Gewicht: 194 g

ISBN: 978-3-88747-386-0
Verlag: Transit Buchverlag GmbH


Straßenkinder, die auf einer Müllhalde leben, ein Busfahrer, der überfallen wird und dafür bezahlen muss, eine ältere Dame, die ein Leben mit dem falschen Partner bereut, ein Transvestit, der sich unglücklich verliebt, ein Hausmeister an der Copacabana, der im entscheidenden Moment versagt; ein Bäcker trauert einer verpassten Liebesgeschichte hinterher, schafft es noch nicht einmal bei der Beerdigung seiner Angebeteten, ihr in Briefform seine Liebe zu gestehen, ein Rentner erträgt die Einsamkeit in seiner Wohnung an der Copacabana nicht mehr, bricht mit seinem Rollator aus der Wohnanlage aus. Es sind individuelle Episoden, die die brasilianische Autorin Carla Bessa in ihrem großartigen Band »Urubus« (›Aasgeier‹) erzählt. Auf den ersten Blick sind es Einzelschicksale, die sich auf den zweiten Blick allerdings zu einem großen Ganzen fügen, das exemplarisch Teile der brasilianischen Gesellschaft porträtiert. 
Dabei erweist sie sich als Meisterin der Beschreibung von Details. Nur einen Augenblick lang erscheinen Dinge bedeutungslos, im nächsten entwickeln sie sich zum bedeutsamen Motiv, so das mysteriöse Päckchen und seine Besitzerin, die als kaum beachtete Passantin oder als Fahrgast auftaucht, bevor ihr Schicksal ins Zentrum rückt. Somit kreuzen sich auch die Wege von Bessas Figuren immer wieder, wie in einem geheimnisvollen Reigen…

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Es war wirklich früh, sehr früh, der Platz menschenleer, die Laternen noch an von der Nacht, um diese Zeit hält sich keiner draußen auf außer Alte und Straßenräuber. Nicht mal die Sonne. Und diese beiden dort, graue Schattengestalten am frühen Morgen, die Kaffee trinken und Dame spielen. Dori hebt den Arm, zeigt, welcher Stein genommen werden muss, da sieht er auf einmal ein menschliches Wesen über den Platz laufen, da hinten da am Rand und an der Bushaltestelle stehenbleiben. Eine Frau, starr vor Schreck steht sie am Bordstein wie am Abgrund ihrer selbst, in den Händen ein großes Bündel, in den Augen eine noch größere Angst. Bei ihrem Anblick hält Dori in der Bewegung inne, der ausgestreckte Finger in der Luft gabelt eine urplötzliche Sehnsucht nach seiner ersten großen Liebe auf, die er am Ende nie erobert hat. Nicht auf ihn, auf einen anderen war die Wahl gefallen. Die Erinnerung taucht auf, ohne dass er weiß, woher, wie aus dem Nichts, er erblasst. Der Freund pustet mit gespitztem Mund in den heißen Kaffee, geht es dir gut, Dorival? Aber sicher, alles gut, sei nicht albern und spiel, da war nur so eine blitzartige Empfindung. Wo? Na, in meinem Kopf! Und während der eine sich bemüht sich konzentriert um nicht zu zittern, um nicht gegen die Steine zu stoßen, verliert sich der andere in ein Paar dunkler, tief blickender Augen, eine Sekunde später sind sie ins Innere des Busses verschwunden. Die Stimme des Freundes reißt ihn heraus, fertig, du bist dran. Dori macht seinen Zug und als er wieder zum Bus blickt, fährt der los, fährt zwei Jungen vor der Nase weg. Zwei dürren Kerlchen, verdreckt, verhungert sehen sie aus, wie sie da barfuß auf der anderen Straßenseite stehen und gucken.«


Bessa, Carla
Carla Bessa wurde 1967 in Rio de Janeiro geboren. Sie studierte Schauspiel in der Universität von Rio de Janeiro und an der Casa de Artes de Laranjeiras. 1991 kam sie nach Deutschland und arbeitete zunächst im Theaterbereich. Seit 2013 ist sie als Literaturübersetzerin und Autorin tätig.
Sie übersetzte u. a. Max Frisch, Christa Wolf und Ingeborg Bachman, sowie Kinder- und Jugendliteratur für brasilianische Verlage.
»Urubus«, ein außergewöhnlich raffiniertes und originelles Werk, wurde in Brasilien gleich zweifach mit den renommierten Literaturpreisen ­Prêmio Jabuti (1. Platz) und dem Prêmio Literário Biblioteca Nacional (2. Platz) ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Berlin.

Hübner, Lea
Seit 2004 selbstständige Übersetzerin für Spanisch und Portugiesisch, befasse sie sich mit Verschiedenstem, vom Dokument über Essay, Ausstellungskatalog bis Lyrik und aktuell mit der Übersetzung von Graphic Novels aus Spanien und Brasilien und der Erschließung eines hier noch wenig bekannten Comic-Universums.

Carla Bessa wurde 1967 in Rio de Janeiro geboren. Sie studierte Schauspiel in der Universität von Rio de Janeiro und an der Casa de Artes de Laranjeiras. 1991 kam sie nach Deutschland und arbeitete zunächst im Theaterbereich. Seit 2013 ist sie als Literaturübersetzerin und Autorin tätig.
Sie übersetzte u. a. Max Frisch, Christa Wolf und Ingeborg Bachman, sowie Kinder- und Jugendliteratur für brasilianische Verlage. »Urubus«, ein außergewöhnlich raffiniertes und originelles Werk, wurde in Brasilien gleich zweifach mit den renommierten Literaturpreisen ­Prêmio Jabuti (1. Platz) und dem Prêmio Literário Biblioteca Nacional (2. Platz) ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Berlin.



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