Bourdieu | Über den Staat | Buch | 978-3-518-29821-3 | www.sack.de

Buch, Deutsch, Band 2221, 723 Seiten, Format (B × H): 108 mm x 177 mm, Gewicht: 566 g

Reihe: suhrkamp taschenbücher wissenschaft

Bourdieu

Über den Staat

Vorlesungen am Collège de France 1989-1992
2. Auflage 2017
ISBN: 978-3-518-29821-3
Verlag: Suhrkamp Verlag

Vorlesungen am Collège de France 1989-1992

Buch, Deutsch, Band 2221, 723 Seiten, Format (B × H): 108 mm x 177 mm, Gewicht: 566 g

Reihe: suhrkamp taschenbücher wissenschaft

ISBN: 978-3-518-29821-3
Verlag: Suhrkamp Verlag


Kaum ein Wissenschaftler war politisch so engagiert wie Pierre Bourdieu. Umso mehr überrascht es, dass er dem Staat keine eigene Monographie gewidmet hat. Dass er sich dennoch intensiv mit dem Thema beschäftigte, belegen seine Vorlesungen am Collège de France, deren fulminanter Auftakt bildet. Bourdieu geht es sowohl um Fragen der Methodologie und Theorie bei der Untersuchung des Staates als Forschungsobjekt als auch um die historische Genese dieser Institution. Er analysiert zentrale Unterscheidungen wie die zwischen öffentlich und privat sowie den Einfluss der Massenmedien. ist eine große Synthese – und das eigentliche Hauptwerk Bourdieus zur politischen Soziologie.
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Weitere Infos & Material


Studienjahr 1989-1990
* Vorlesung vom 18. Januar 1990: Ein undenkbarer Gegenstand, Der Staat als neutraler Ort, Die marxistische Tradition, Kalender und Struktur der Zeitlichkeit, Die staatlichen Kategorien, Die staatlichen Akte, Der Eigenheimmarkt und der Staat, Die Barre-Kommission zur Wohnungspolitik
* Vorlesung vom 25. Januar 1990: Theorie und Empirie, Staatliche Kommissionen und Inszenierungen, Die soziale Konstruktion öffentlicher Probleme, Der Staat als Standpunkt der Standpunkte, Die offizielle Heirat, Theorie und Theorieffekte, Die beiden Bedeutungen des Wortes »Staat«, Besonderes in Allgemeines verwandeln, Das obsequium, Die Institutionen als »organisiertes Vertrauen«, Genese des Staates. Schwierigkeiten des Unternehmens, Parenthese über das Lehren der Forschung in der Soziologie, Der Staat und der Soziologe
* Vorlesung vom 1. Februar 1990: Die Rhetorik des Offiziellen, Das Öffentliche und das Offizielle, Der universelle Andere und die Zensur, Der Künstler als Gesetzgeber, Genese des öffentlichen Diskurses, Öffentlicher Diskurs und Formgebung, Die öffentliche Meinung
* Vorlesung vom 8. Februar 1990: Die Konzentration der symbolischen Ressourcen, Soziologische Lektüre Franz Kafkas, Ein nicht zu bewältigendes Forschungsprogramm, Geschichte und Soziologie, The Political Systems of Empires von Shmuel Noah Eisenstadt, Zwei Bücher von Perry Anderson, Die Probleme der »drei Wege« nach Barrington Moore
* Vorlesung vom 15. Februar 1990: Das Offizielle und das Private, Soziologie und Geschichte: der genetische Strukturalismus, Genetische Geschichte des Staates, Spiel und Feld, Anachronismus und Illusion des Nominalen, Die beiden Gesichter des Staates
Studienjahr 1990-1991
* Vorlesung vom 10. Januar 1991: Historischer Ansatz und genetischer Ansatz, Forschungsstrategie, Die Wohnungspolitik, Interaktionen und strukturelle Beziehungen, Ein Effekt der Institutionalisierung: die Evidenz, Der »So-ist-es«-Effekt und die Schließung der Möglichkeiten, Der Raum der Möglichkeiten, Das Beispiel der Orthographie
* Vorlesung vom 17. Januar 1991: Zum weiteren Gang der Vorlesung, Die beiden Bedeutungen des Wortes Staat: Der Staat als Verwaltung, der Staat als Gebiet, Die Disziplinenteilung der historischen Arbeit als epistemologisches Hindernis, Modelle der Genese des Staates: 1. Norbert Elias
* Vorlesung vom 24. Januar 1991: Modelle der Genese des Staates: 2. Charles Tilly, Antwort auf eine Frage: Der Begriff der Erfindung unter strukturelem Zwang, Modelle der Genese des Staates: 3. Philip Corrigan und Derek Sayer, Die exemplarische Besonderheit Englands: Ökonomische Modernisierung und kulturelle Archaismen
* Vorlesung vom 31. Januar 1991: Antwort auf Fragen, Kulturelle Archaismen und ökonomische Transformationen, Kultur und nationale Einheit: Der Fall Japan, Bürokratie und intellektuelle Integration, Nationale Vereinheitlichung und kulturelle Herrschaft
* Vorlesung vom 7. Februar 1991: Die theoretischen Grundlagen einer Analyse der Staatsmacht, Die symbolische Macht: Kräfteverhältnisse und Sinnverhältnisse, Der Staat als Produzent von Klassifikationsprinzipien, Glaubenseffekt und kognitive Strukturen, Kohärenzeffekt der symbolischen Systeme des Staates, Eine staatliche Konstruktion: Der Stundenplan in der Schule, Die Produzenten der doxa
* Vorlesung vom 14. Februar 1991: Die Soziologie, eine esoterische Wissenschaft, die einen exoterischen Eindruck macht, Fachleute und Laien, Der Staat strukturiert die soziale Ordnung, Doxa, Orthodoxie, Heterodoxie, Verwandlung des Privaten in Öffentliches: Das Auftauchen des modernen Staates in Europa
* Vorlesung vom 21. Februar 1991: Logik der Genese und Emergenz des Staates: Das symbolische Kapital, Die Etappen des Konzentrationsprozesses des Kapitals, Der dynastische Staat, Der Staat, eine Macht über den Mächten, Konzentration und Enteignung der Kapitalsorten: Das Beispiel des Kapitals der physischen Gewalt, Bildung eines zentralen ökonomischen Kapitals und Konstruktion eines autonomen ökonomischen Raumes
* Vorlesung vom 7. März 1991: Antwort auf Fragen: Konformismus und Konsens, Konzentrationsprozeß der Kapitalsorten: Die Widerstände, Die Vereinheitlichung des juridischen Marktes, Die Entstehung eines Interesses am Allgemeinen, Staatliche Perspektive und Totalisierung: Das Informationskapital, Konzentration des kulturellen Kapitals und Konstruktion der Nation, »Natürlicher Adel« und Staatsadel
* Vorlesung vom 14. März 1991: Abschweifung: Ein Gewaltakt im intellektuellen Feld, Das Doppelgesicht des Staates: Herrschaft und Integration, Jus loci und jus sanguinis, Die Vereinheitlichung des Marktes symbolischer Güter, Analogie zwischen religiösem Feld und kulturellem Feld
Studienjahr 1991-1992
* Vorlesung vom 3. Oktober 1991: Ein Modell der Transformationen des dynastischen Staates, Der Begriff der Reproduktionsstrategien, Der Begriff des Systems der Reproduktionsstrategien, Der dynastische Staat im Lichte der Reproduktionsstrategien, Das »Königshaus«, Die juridische und die praktische Logik des dynastischen Staates, Die Ziele der nächsten Vorlesung
* Vorlesung vom 10. Oktober 1991: Das Modell des Hauses gegen den historischen Finalismus, Worum es bei der historischen Erforschung des Staates geht, Die Widersprüche des dynastischen Staates, Eine dreiteilige Struktur
* Vorlesung vom 24. Oktober 1991: Die Logik der Vorlesung: Rekapitulation, Reproduktion der Familie und Reproduktion des Staates, Exkurs zur Geschichte des politischen Denkens, Die historische Arbeit der Juristen bei der Konstruktion des Staates, Differenzierung der Macht und strukturelle Korruption: Ein ökonomisches Modell
* Vorlesung vom 7. November 1991: Präambel: Die Schwierigkeiten der Kommunikation in den Sozialwissenschaften, Das Beispiel der institutionalisierten Korruption in China (1): Die ambivalente Macht der Unterbürokraten, Das Beispiel der institutionalisierten Korruption in China (2): Die »Reinen«, Das Beispiel der institutionali-
* Vorlesung vom 14. November 1991: Konstruktion der Republik und Konstruktion der Nation, Die Konstitution des Öffentlichen im Lichte der Vertragsidee des englischen Verfassungsrechts, Die Verwendung der königlichen Siegel: Die Kette der Garantien
* Vorlesung vom 21. November 1991: Antwort auf eine Frage zu der Opposition öffentlich/privat, Die Verwandlung des Privaten in Öffentliches: Ein nichtlinearer Prozeß, Die Genese des Metafeldes der Macht: Differenzierung und Trennung von dynastischer und bürokratischer Autorität, Ein Forschungsprogramm zur Französischen Revolution, Dynastisches gegen juridisches Prinzip: Der Fall der Lits de justice, Methodologische Abschweifung: Die Küche der politischen Theorien, Die Juristen gegen die Kirche: Die Autonomisierung einer Körperschaft
* Vorlesung vom 28. November 1991: Die Geschichte als Einsatz von Kämpfen, Das juridische Feld: Eine historische Annäherung, Ämter und Beamte, Der Staat als fictio juris, Das juridische Kapital als sprachliches Kapital und als praktische Problembeherrschung, Die Juristen gegen die Kirche: Die Autonomisierung einer Körperschaft
* Vorlesung vom 5. Dezember 1991: Programm einer Sozialgeschichte der politischen Ideen und des Staates, Das Interesse an der Interessenfreiheit, Die Juristen und das Universelle, Das (falsche) Problem der Französischen Revolution, Staat und Nation, Der Staat als »Zivilreligion«, Nationalität und Staatsbürgerschaft: Der Gegensatz zwischen dem französischen und dem deutschen Modell, Interessenkämpfe und Kämpfe zwischen Unbewußten in der politischen Debatte
* Vorlesung vom 12. Dezember 1991: Die Konstruktion des politischen Raumes: Das parlamentarische Spiel, Abschweifung: Das Fernsehen im neuen politischen Spiel, Vom Staat auf dem Papier zum realen Staat, Die Beherrschten domestizieren: Die Dialektik von Disziplin und Philanthropie, Die theoretische Dimension der Konstruktion des Staates, Abschließende Fragen


Brühmann, Horst
Horst Brühmann, geboren 1951 in Borken, studierte Philosophie, Politik- und Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main. Er war als Lehrbeauftragter an der Universität in Frankfurt am Main und als Lektor im wissenschaftlichen Lektorat u. a. im Suhrkamp Verlag tätig. Außerdem arbeitete er als Übersetzer für wissenschaftliche Texte. Er starb am 24. Februar 2022 in Frankfurt.

Bourdieu, Pierre
Pierre Bourdieu, am 1. August 1930 in Denguin (Pyrénées Atlantiques) geboren, besuchte dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte Lycée Louis-le-Grand nach Paris. Nachdem er die Eliteschule der École Normale Supérieure durchlaufen hatte, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der Faculté des lettres in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales. Im selben Jahr begann er, die Reihe Le sens commun beim Verlag Éditions de Minuit herauszugeben und erhielt einen Lehrauftrag an der Ècole Normale Supérieure. Es folgten Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Seit 1975 gibt er die Forschungsreihe Actes de la recherche en sciences sociales heraus. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France. 1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique. 1997 wurde ihm der Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen verliehen.

In seinen ersten ethnologischen Arbeiten untersuchte Bourdieu die Gesellschaft der Kabylen in Algerien. Die in der empirischen ethnologischen Forschung gemachten Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine 1972 vorgelegte Esquisse d'une théorie de la pratique (dt. Entwurf einer Theorie der Praxis, 1979). In seinem wohl bekanntesten Buch La distinction (1979, dt. Die feinen Unterschiede, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewußtsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen. Mit Le sens pratique (dt. Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft, 1987) folgte 1980 eine ausführliche Reflexion über die konkreten Bedingungen der Wissenschaft, in der Bourdieu das Verhältnis von Theorie und Praxis neu zu denken versucht. Ziel dieser Analysen ist es, die »Objektivierung zu objektivieren« und einen Fortschritt der Erkenntnis in der Sozialwissenschaft dadurch zu ermöglichen, daß sie ihre praktischen Bedingungen kritisch hinterfragt.

Seit dem Beginn der 90er Jahre engagiert sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer »Internationalen der Intellektuellen« auf, deren Ziel darin besteht, das Prestige und die Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte in die Waagschale zu werfen. Die im selben Jahr gegründete Zeitschrift Liber soll dazu ein unabhängiges Forum bieten. Seine politischen Aktivitäten zielen darauf ab, eine Versammlung der "Sozialstände in Europa" einzuberufen, die den europäischen Einigungsprozeß kontrollieren und begleiten soll.

Pierre Bourdieu stirbt am 23. Januar 2002 in Paris.

Pierre Bourdieu, am 1. August 1930 in Denguin (Pyrénées Atlantiques) geboren, besuchte dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte Lycée Louis-le-Grand nach Paris. Nachdem er die Eliteschule der École Normale Supérieure durchlaufen hatte, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der Faculté des lettres in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales. Im selben Jahr begann er, die Reihe Le sens commun beim Verlag Éditions de Minuit herauszugeben und erhielt einen Lehrauftrag an der Ècole Normale Supérieure . Es folgten Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Seit 1975 gibt er die Forschungsreihe Actes de la recherche en sciences sociales heraus. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France . 1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique . 1997 wurde ihm der Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen verliehen.
In seinen ersten ethnologischen Arbeiten untersuchte Bourdieu die Gesellschaft der Kabylen in Algerien. Die in der empirischen ethnologischen Forschung gemachten Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine 1972 vorgelegte Esquisse d'une théorie de la pratique (dt. Entwurf einer Theorie der Praxis, 1979). In seinem wohl bekanntesten Buch La distinction (1979, dt. Die feinen Unterschiede, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewußtsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen. Mit Le sens pratique (dt. Sozialer Sinn. Kritik der theoretischenVernunft, 1987) folgte 1980 eine ausführliche Reflexion über die konkreten Bedingungen der Wissenschaft, in der Bourdieu das Verhältnis von Theorie und Praxis neu zu denken versucht. Ziel dieser Analysen ist es, die »Objektivierung zu objektivieren« und einen Fortschritt der Erkenntnis in der Sozialwissenschaft dadurch zu ermöglichen, daß sie ihre praktischen Bedingungen kritisch hinterfragt.
Seit dem Beginn der 90er Jahre engagiert sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer »Internationalen der Intellektuellen« auf, deren Ziel darin besteht, das Prestige und die Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte in die Waagschale zu werfen. Die im selben Jahr gegründete Zeitschrift Liber soll dazu ein unabhängiges Forum bieten. Seine politischen Aktivitäten zielen darauf ab, eine Versammlung der "Sozialstände in Europa" einzuberufen, die den europäischen Einigungsprozeß kontrollieren und begleiten soll.
Pierre Bourdieu stirbt am 23. Januar 2002 in Paris.


Horst Brühmann, geboren 1951 in Borken, studierte Philosophie, Politik- und Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main. Er war als Lehrbeauftragter an der Universität in Frankfurt am Main und als Lektor im wissenschaftlichen Lektorat u. a. im Suhrkamp Verlag tätig. Außerdem arbeitete er als Übersetzer für wissenschaftliche Texte. Er starb am 24. Februar 2022 in Frankfurt.



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