Buch, Deutsch, 94 Seiten, ENGLBR, Format (B × H): 135 mm x 210 mm, Gewicht: 155 g
Gedichte nebst einem Essay des Autors
Buch, Deutsch, 94 Seiten, ENGLBR, Format (B × H): 135 mm x 210 mm, Gewicht: 155 g
ISBN: 978-3-939927-07-5
Verlag: Eichenspinner Verlag
Seine Gedichte stecken voller Humor ohne spaßig zu sein, voller Gedanken ohne verkopft zu wirken, voller Rätsel ohne unverständlich zu werden. Hans Brinkmann ist politischer Lyriker fern ab von Parteilichkeiten, Gesellschaftsdichter mit Schalk im Nacken, Kunstbetrachter voller Selbstironie. Dabei gelingt ihm ein Ton, der auf tradierten Formen fußt und doch alles andere als angestaubt klingt. Verse, die mit allen Dichtertricks gewaschen sind: aufgebrochen wird das Versmaß bevor es klappert, abgeschliffen die Wörter zu scheinbarer Umgangssprache. Und immer wieder setzen sich die Gedichte mit Literaturen, Künsten und Philosophien anderer ins Verhältnis, – ob es nun plakativ durch eine Widmung angezeigt oder subtil im Text anzitiert wird. Die Kategorie „Vielleser“ ist für Brinkmann nachgerade untertrieben, er ist somit einer, der geduldig zuhören kann, aber nicht nur den Dichtern und Denkern, auch den Politikern und Passanten, den Fernsehsternchen und Werbefuzzis schaut er genau aufs Maul und spinnt schließlich ihre Worte und Wörter erhellend-amüsant weiter: „Wo trägt er die Leistung denn hin, / der Leistungsträger? Zum Leistungsempfänger? / Er trägt sie wie eine Blume im Knopfloch, / und singt ihr Lied wie ein Schnulzensänger.“ Doch nicht allein Gedichtband ist das Buch, über beinahe ein Drittel der Seiten erstreckt sich der Essay „Über nahe und ferne Wörter, Politik und Lyrik“. Überaus unterhaltsam gibt der Dichter darin Einblick in das Wie und Warum seiner Arbeit und liefert zugleich ein starkes Positionspapier zur Lyrik im Allgemeinen: Wo war sie je, wo steht sie denn, wo geht sie hin? Was kann das Gedicht, das andere nicht können? – Brinkmanns Texte gehören zum Besten, was diese Sprache derzeit an Lyrik zu bieten hat, die direkt in die Gesellschaft platzt, statt sich in ein beschauliches Poesieeckchen zurück zu ziehen. Das lässt sich anzweifeln – oder nachlesen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Fragment wovon?
Mitten im Leben stehe ich im Wald.
Vor lauter Bäumen stehe ich, die Vöglein schweigen.
Das Holz ist tot. Papier geduldig. Tinte kalt.
Der Wald heißt Himmelarsch und großes Meinungsgeigen.
Hier schreite durch, wer Fäuste in der Tasche ballt.
Muss denn das Trüffelschwein sich vor dem Moos verneigen?
Im Lodenmantel liegt Natur im Hinterhalt,
um plötzlich ihren Jagdschein vorzuzeigen.
Die aus dem Boden Geschossene grient.
Dass ich mir kein’n grünen Zweig um die Stirn winde,
scheint irre, weil gleichwohl fast militant. – Ach:
Wer sich eignen Verstandes noch gerne bedient,
kämpft um jeden Quadratzentimeter Hirnrinde
wie um einen Fußbreit Land.




