Buch, Deutsch, Band 28, 88 Seiten, Format (B × H): 110 mm x 176 mm
Reihe: keiper lyrik
Gedicht – keiper lyrik 28
Buch, Deutsch, Band 28, 88 Seiten, Format (B × H): 110 mm x 176 mm
Reihe: keiper lyrik
ISBN: 978-3-903322-87-5
Verlag: edition keiper
Mit Julia Costa meldet sich eine junge künstlerische Stimme zu Wort und Ton, die sich in mehrere Richtungen ausprobiert und dabei zunehmend ihr individuelles Profil entwickelt. Sie schreibt und performt Lyrik, spielt Gitarre, komponiert und singt. Schon ihr berufliches Engagement im Sozialbereich und als Bio-Gärtnerin lässt erkennen, dass Costas Denken und Handeln von Empathie und Verantwortung geprägt ist – von der Anteilnahme am Leben jener Menschen, die es schwerer haben als andere, aber auch von der behutsamen Wahrnehmung des Lebendigen an sich, etwa des Pflanzlichen und seiner wiederkehrenden Kreisläufe. Dies findet, wie könnte es anders sein, auch in ihrer künstlerischen Arbeit seinen Ausdruck.
Costas erste Buchveröffentlichung erzählt von einer Ankunft, vom allmählichen Fußfassen im Lauf eines Jahres an einem zunächst noch fremden, befremdlichen Ort. Wir erleben, wie ein namenloses Du um Ortsverbundenheit und Verwurzelung ringt, wie die innersten Antriebe und Beweggründe des Menschseins sich im Hier und Jetzt verwirklichen und die konkreten Umrisse eines Lebens annehmen wollen, auf das sich blicken und zurückblicken, von dem sich erzählen lässt. Dieses Ankommen fällt nicht leicht und ist von Zweifeln begleitet: »du hast hier noch keine Geschichten / und keine Gestalt«, heißt es zunächst; beides entsteht erst allmählich, bis sich irgendwann sagen lässt: »schau / das ist es, was du brauchst / hier / hier ist das Leben«.
Das Hier erweist sich als Möglichkeitsort, als Herausforderung, das traumatische Vergangene zurückzulassen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, seine eigene Geschichte zu schreiben und dabei auch die Teilhabe am großen Ganzen zurückzuerobern: »Dinge, die Kreise ziehen / du bist ein Teil davon / auch wenn du es vergessen hast«.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
erzähl deine Geschichte
sag: es war einmal
und beginn am Anfang
erzähl von deinen goldfarbenen Ideen
von deiner abblätternden Haut
von deinen Irrwegen
erzähl von den Menschen
von deinen Tagen unter ihnen
von ihren stacheligen Fragen
erzähl von deiner Sucht
nach Informationen
in einer Sprache
die du verstehst
egal, was geschieht
bleibe hier
versprich nicht vor deiner Zeit zu gehen
[…]
deine Ankunft in einer fremden Stadt
dein Warten auf Dokumente
die Erlaubnis hier zu sein
die Erlaubnis in einer Wohnung zu schlafen
die Erlaubnis in einem Supermarkt einzukaufen
die Erlaubnis einen Namen zu tragen
die Erlaubnis am Leben zu sein
die Erlaubnis zu arbeiten
einen Job zu suchen, bei dem du nicht leiden
oder dich erniedrigen musst
oder zumindest nicht sehr
[…]
nimm dieses Reißen aus deiner Brust
schreib es auf ein Formular
als wäre es dein Name
Dokumente
Meldezettel
Versicherungen
Kontodaten
Termine
Befehle
immer sollst du deine Geschichten erzählen
dabei willst du dich nicht erinnern
sie machen dich so müde
und die unwichtigen Dinge
Daten, Zivilstand, Kontostand
alles preisgeben
wem gehört dein Name?
deine Sprache?
dein Alter?
dein Geschlecht?
deine Adresse?
deine Sozialversicherungsnummer?
wem gehört der Boden
auf dem du anwachsen sollst?
was bist du gewesen
da wo du hergekommen bist?
was bist du im Innersten?
hast du Musik gemacht?
hast du Geschichten erzählt?
hast du dich um die Kinder gekümmert,
hast du sie unterrichtet?
hast du Häuser gebaut oder Instrumente
oder Schuhe oder Möbel
hast du Computer geflickt
oder Blumen verkauft?
bist du ein Mensch gewesen?
und was bist du jetzt?




