Buch, Deutsch, 168 Seiten, Format (B × H): 124 mm x 208 mm, Gewicht: 195 g
Reihe: Nautilus Flugschrift
Für eine kollektive Datenpolitik
Buch, Deutsch, 168 Seiten, Format (B × H): 124 mm x 208 mm, Gewicht: 195 g
Reihe: Nautilus Flugschrift
ISBN: 978-3-96054-480-7
Verlag: Edition Nautilus
Überwachung und Datenerfassung genießen keinen guten Ruf. Ob durch staatliche Akteure oder Digitalunternehmen – sobald Informationen u¨ber uns gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden, denkt man schnell an das Angstregime der Stasi, autoritäre Überwachungsdystopien, die Allmacht der Tech-Konzerne.
Auch auf der Linken haben wir Datenschutz und Privatsphäre hochgehalten, eine strenge Regulierung der Konzerne gefordert und »Meine Daten gehören mir!« gerufen. Doch privacy und Datenschutz sind bu¨rgerliche Kategorien, die letztlich ein Privateigentum im Digitalen konstituieren. Statt uns die Potentiale des digitalen Wandels fu¨r ein radikal solidarisches Projekt anzueignen, sind wir in die Falle einer konservativen Kritik und der Vorstellung einzelner isolierter Datenbesitzer:innen getappt.
Timo Daum fordert stattdessen, Überwachung positiv zu denken – als Produktivkraft, als Form der Sorge, als Möglichkeit guten Regierens. Denn Überwachung kann auch bedeuten, Vermieter und Eigentu¨mer an Preistreiberei zu hindern, Raser im Straßenverkehr auszumachen, Finanz- und Steuerverbrechen aufzudecken – oder den Grundstein fu¨r ein postkapitalistisches, bedarfsorientiertes Wirtschaften zu legen.
Von einem Lob der Überwachung zu sprechen, ist keine geschichtsvergessene Romantisierung autoritärer Systeme, sondern der Versuch, uns die technischen Möglichkeiten, die der Überwachungskapitalismus geschaffen hat, fu¨r eine Zukunft ohne Kapitalismus anzueignen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Überwachung kommt von oben – was also ist »Unterwachung«? Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann beschreibt mit dem Begriff das Phänomen, dass in Organisationen Fu¨hrung nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben erfolgt. Die Chefetage ist auf Informationenvon unten angewiesen, um Entscheidungen treffen und Anweisungen geben zu können. Auf diese Weise kann der Unterbau eines Unternehmens erheblichen Einfluss auf seine Fu¨hrungskräfte ausu¨ben. Ich meine hier mit »Unterwachung« etwas anderes, nämlich Überwachung von unten statt von oben, Gegenu¨berwachung
zur Korrektur der Überwachungsasymmetrie. »Unterwachung« ist die Überwachung der Besserverdienenden, der Hochmotorisierten, der Privilegierten, der Briefkastenfirmeninhaber, der Fiskalparadiesanleger, der Steuerhinterzieher und der Besitzer von privaten Seegrundstu¨cken hinter hohen Hecken. »Unterwachung« ist Aufbegehren gegen die legalen und illegalen Aktivitäten der Herrschenden und ein Plädoyer fu¨r die Offenlegung ihrer Aktivitäten und Geschäfte, Aktiva und Passiva, Einkommen und Vermögen. »Unterwachung« bedeutet eine lu¨ckenlose Überwachung von Einkommen, Vermögen und Besitz der Herrschenden. Wir wollen wissen, wie viel ihr verdient, wie viel Vermögen und Besitz ihr euer Eigen nennt! Geschockt? Guess what: Das ist heute schon der Alltag der meisten (armen) Menschen. Wer keinen SUV, keine Yacht, keine Zweitwohnung, kein Konto in der Schweiz hat, der braucht diese »Unterwachung« nicht zu fu¨rchten.




