Buch, Deutsch, 176 Seiten, Format (B × H): 139 mm x 232 mm, Gewicht: 331 g
Aus Gesprächen zusammengestellt von Vladimir Glozer
Buch, Deutsch, 176 Seiten, Format (B × H): 139 mm x 232 mm, Gewicht: 331 g
ISBN: 978-3-86971-023-5
Verlag: Galiani, Verlag
Auf nicht einmal 15 qm lebte das junge Ehepaar, auf einem Flur mit Charms’ asketischem Vater, der wegen seines Anschlags auf den Zaren dereinst beinahe exekutiert worden war. Ein stetiger Strom von Besuchern zog zu jeder Tages- und Nachtzeit durch das kleine Zimmer. Dort »vergötterte man Daniil. Weil er alle zum Lachen brachte.« Nachts sprang Charms auf, um den Kamin rosa zu malen, oder er überredete Marina zu einer imaginären Rattenjagd. Es wurde gefeiert, getrauert, gehungert, geliebt und gelacht. Oft genug hing der Haussegen schief: Charms war ein großer Frauenheld und hatte unzählige Affären – auch eine mit der Schwester seiner Ehefrau … Er wurde unvermittelt verhaftet, Freunde paukten ihn raus. Dann kam der Krieg, die Belagerung St. Petersburgs (Leningrad), und er wurde wieder verhaftet. Marina versuchte, ihn zu kontaktieren und zu besuchen – schließlich kam die Nachricht von seinem Tod. Vor Hunger entkräftet und von ihrer Heimat bitter enttäuscht, gehörte Marina Malitsch zu den Letzten, die aus Leningrad evakuiert wurden. Es begann eine Odyssee. Von den Nationalsozialisten wurde sie als Zwangsarbeiterin nach Deutschland deportiert und floh nach Frankreich. In Nizza traf sie zum ersten Mal seit ihrer Kindheit ihre Mutter. Und verliebte sich prompt in ihren Stiefvater.
Die Erinnerungen Marina Durnowos spiegeln unsentimental, authentisch und packend die ungeheure Lebenslust und -kunst der russischen Avantgarde in einer Zeit bitterster Armut und schlimmster staatlicher Repressionen – sowie das bewegte Leben einer außergewöhnlichen Frau.




