Buch, Englisch, Deutsch, 176 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 733 g
Buch, Englisch, Deutsch, 176 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 733 g
ISBN: 978-3-900508-31-9
Verlag: Camera Austria
„Was wir tun“ ist der Titel des Beitrages, den der niederländische Künstler Gerald Van Der Kaap für CAMERA AUSTRIA Nr. 70 zusammengestellt hat. Eine Montage von Texten (ausgewählt von Jacob Groot) ergänzt die Bildarbeiten: Texte, die gesellschaftliches, politisches Handeln dezidiert in die Hand des (verantwortungsvoll agierenden) Einzelnen legen wollen. Die künstlerischen Strategien Van Der Kaaps waren zu jeder Zeit auf Öffentlichkeit ausgerichtet: Das Herausgeben von Zeitschriften, Betreiben von Radio- und Fernsehstationen, die Untersuchungen des internationalen Börsenmarktes, seine Arbeit als VJ und Veranstalter von Musik/Bild-Ereignissen hat er stets parallel mit der Herstellung, Bearbeitung und Distribution von Bildern verfolgt. „This“, ein Bild aus 1988, wurde von ihm als Titel dieses Heftes vorgeschlagen.
CAMERA AUSTRIA Nr. 70 schließt an die von Jörg Schlick gestaltete Ausgabe Nr. 69 an: Mit diesem Heft haben wir nicht nur auf die jüngsten politischen Entwicklungen in Österreich reagiert, diese Entscheidung bedeutete auch, die Arbeit an einem schon vorgeplanten Heft zurückzustellen. In der vorliegenden Ausgabe von CAMERA AUSTRIA finden Sie nun jene Beiträge, an denen wir seit einigen Monaten arbeiten und die wir nach dem Einschnitt, den Nr. 69 signalisierte, fertiggestellt haben. Wir wollen nicht „zur Tagesordnung“ übergehen, sondern mit der in CAMERA AUSTRIA Nr. 69 angekündigten und mit dieser Ausgabe eingerichteten Plattform den kritischen Diskurs fortsetzen und die kulturpolitische Debatte, wie sie die österreichische Gegenwart und die internationalen Reaktionen darauf fordern, im Zusammenhang der kritischen Debatte internationaler Gegenwartskunst wahrnehmen.(…)
Der Beitrag von Hans-Peter Feldmann ist im Zusammenhang mit der Vergabe des CAMERA AUSTRIA-Preises der Stadt Graz für internationale zeitgenössische Fotografie 1999 an den Künstler entstanden. Seit 1968 untersucht Hans-Peter Feldmann fotografische Bilder – Bildklischees, die unsere Vorstellungs- und Wahrnehmungswelt definieren, analysiert er unser kollektives Bild-Gedächtnis, betreibt er seine Kunst als nonverbale, visuelle Wissenschaft. (…)
Auch der amerikanische Künstler Sean Snyder widmet sich in seiner Arbeit archivarischen Fotoprojekten. Sein Untersuchungsgegenstand sind urbane Strukturen im Spannungsfeld von visuellen Standards und ihrer kritischen Reflektion. In seiner Stadtfotografie geht es um die Sichtbarmachung globaler (städtebaulicher) Leitlinien unter lokalen Bedingungen. (…)
Thomas Ruff hat sich in seiner Arbeit wiederholt an fotografischen Bildgattungen orientiert, die sich an eine breite Öffentlichkeit wenden bzw. durch den öffentlichen Gebrauch über die rein bildhafte Darstellung hinausgehend in den gesellschaftlichen Raum eingeschrieben sind: Porträts, Ansichtskarten, Fahndungsbilder etc. In seiner neuesten Serie „Nudes“ bearbeitet er Bilder, die eine private Sphäre suggerieren – amateurhafte, pornografische Aufnahmen –, die jedoch auch als öffentlich verfügbares Material längst keinen Schrecken mehr zu provozieren vermögen. (…)
ÖSTERREICH 2000: Angesichts des von der Freiheitlichen Partei seit langem angekündigten Kulturkampfes befürchten wir, dass die Reduktion von Komplexität zum Leitmotiv einer neuen kulturpolitischen Linie in Österreich werden könnte. Mit CAMERA AUSTRIA Nr. 69 haben wir Zäsur sichtbar gemacht, gleichzeitig wollen wir verdeutlichen, dass wir in unserer Zeitschrift den Raum beanspruchen und bieten wollen, die kultur- und gesellschaftspolitischen Veränderungen zu bearbeiten, eine kulturpolitische Debatte zu initiieren, die sich der Problematik des Umgangs mit einer Politikform stellt, die in die Definitionsphäre von Kunst und Kultur einzugreifen droht, ja, die über Kultur eine neue (nationale) Identität zu formen beabsichtigt – eine Politikform, für die wir Kulturschaffenden erst eine Sprache im Umgang finden müssen.
Dass Kommentar und Stellungnahme zur politischen Situation nicht nur uns ein Anliegen ist, haben uns die überwältigenden Reaktionen gezeigt, die uns in der Redaktion nach der Auslieferung des letzten Heftes vor knapp einem Monat erreicht haben, und die sich keineswegs nur auf Österreich beschränkt haben. Weit mehr als 200 KünstlerInnen und AutorInnen haben uns Beiträge übermittelt bzw. angekündigt. Unser Korrespondent Rolf Sachsse z.B. hat seine für diese Ausgabe vorgesehene „Marginalie zur Fotografie“ zurückgestellt und spontan einen neuen Text – „The Video Man“ – zur Mediatisierung Jörg Haiders verfasst.
Die Form für eine politische Plattform bleibt zunächst offen. Wir haben uns dazu entschlossen, in diesem Heft auf über 40 Seiten einen ersten Ausschnitt der eingegangenen Diskussionsbeiträge zu publizieren; wir hoffen, dass sich in den folgenden Heften eine Feindifferenzierung ergibt und sich wichtige zu verhandelnde Fragen herauskristallisieren. Es ist unser Anliegen, dass die Debatte über spontane und bloße Solidaritätsbekundungen hinausgeht, wir uns in unserer Analyse nicht nur auf die österreichische Situation beschränken, sondern generell das Verhälnis von Kunst und Politik bzw. die Rolle des Künstlers als politisches Subjekt stärker reflektieren. Kunst – als komplexer Prozess von Bedeutungszuweisungen – bietet eine Vielzahl möglicher Interpretationen an, die in der Öffentlichkeit, am Ort des Politischen, zur Debatte stehen. Diese Debatte ermöglicht das Austragen von Konflikten, in denen die Ordnungen, Normvorstellungen, Sicherheiten, mit denen wir uns umgeben, ebenso wie Differenzen und Freiräume immer wieder neu zu verhandeln sind.
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei all denjenigen, die uns Beiträge geschickt haben, die wir z. T. in dieser ersten Runde nicht berücksichtigen konnten – wir werden uns bemühen, mit Ihnen allen den Austausch zu suchen. Wir hoffen weiterhin auf Ihre rege Teilnahme an einer kritischen Debatte.




