Buch, Englisch, Deutsch, 112 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 460 g
Buch, Englisch, Deutsch, 112 Seiten, PB, Format (B × H): 210 mm x 295 mm, Gewicht: 460 g
ISBN: 978-3-900508-32-6
Verlag: Camera Austria
EXTRA-TERRITORIA / GRAZ 2000 ist der Titel eines gemeinsamen Projektes von Seiichi Furuya, Róza El-Hassan und Milica Tomic, das in Zusammenhang mit der Video-Installation „I am Milica Tomic“ im Ausstellungsraum von CAMERA AUSTRIA entstanden ist. Ziel dieses Vorhaben ist es, aus einem vom politischen Geschehen oft abgekoppelten oder im white cube neutralisierten Kunstbetrieb die politische Dimension künstlerischer Anliegen an die Öffentlichkeit zu transportieren. Netzwerke, die sich in der temporären Zusammenarbeit mit anderen KünstlerInnen und TheoretikerInnen zeigen, sind für Milica Tomic und Róza El-Hassan ein zentrales Anliegen.
CAMERA AUSTRIA bildet als Zeitschrift mit der Bildung temporärer Gemeinschaften und Kooperationen solche Netzwerke ab. Als gleichsam „extraterritorialer“ Ort schafft die Zeitschrift Öffentlichkeit für künstlerische Positionen, mit der Diskussionsplattform ÖSTERREICH 2000 bieten wir weiterhin Raum für politische Positionierungen. Aber auch als Ausstellungsort wollen wir die Rolle des Mit-Produzenten einnehmen: Das Projekt EXTRA-TERRITORIA ist hier nur ein Beispiel; in naher Zukunft, spätestens mit der Eröffnung des Kunsthauses Graz 2003, werden wir unsere Ausstellungstätigkeit verstärken und unsere Fachbibliothek zur Unterstützung theoretischer und historischer Arbeit vor Ort zur Verfügung stellen können.
Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama, die wir in dieser Ausgabe von CAMERA AUSTRIA in einem Kontext konzeptueller Positionen der siebziger Jahre (Bas Jan Ader) und der neunziger Jahre (Dean Sameshima) vorstellen, bewegt sich mit ihren skulpturalen und filmischen Arbeiten in einem gleichsam extra-territorialen Raum. Nicht nur, indem sie bereits zu Beginn der sechziger Jahre politisch motivierte Happenings in den Straßen New Yorks initiierte, sondern auch, weil sie sich der damals gängigen Rezeptionsweise verweigerte. Erst aus heutiger Sicht werden die politischen Dimensionen und die im feministischen Diskurszusammenhang relevanten Aspekte ihrer Arbeit vermehrt wahrgenommen.
An dem niederländischen Künstler Bas Jan Ader interessierte uns weniger die Mythisierung seiner Biographie – seine Bedeutung liegt für uns vielmehr in der Durchkreuzung von Grundsätzen konzeptueller künstlerischer Verfahrensweisen. Über die Methodik der Konzeptkunst hinaus vermittelt sich in seinen Arbeiten eine romantische Idee des Künstlersubjekts. Bas Jan Ader hier vorzustellen war uns vor allen Dingen vor dem Hintergrund aktueller künstlerischer Positionen ein Anliegen, die auf das Methodenrepertoire der Konzeptkunst zurückgreifen, gleichzeitig aber auch mit einem bewusst subjektivistischen Ansatz operieren: Der kalifornische Künstler Dean Sameshima kann, wie Martin Prinzhorn in seinem Essay nachweist, auf diese Weise in seiner Arbeit sein hohes Bewusstsein für die Ästhetik der Werbefotografie mit der Beziehung zu Personen seines privaten Umfeldes in einer gleichsam „konzeptuellen Emotion“ verbinden.
Christopher Williams schließlich war es, der bei einem Vortrag zum Symposion über Fotografie 1995 über Bas Jan Ader gesprochen hat: Aus diesem Grund haben wir ihn gebeten, für die Titelseite des vorliegenden Heftes seine Arbeit „Bouquet, for Bas Jan Ader and Christopher D’Arcangelo“ zur Verfügung zu stellen: Auch so bilden sich Netzwerke, Beziehungen und über Jahre währendes gegenseitiges Interesse ab: Das genau ist es, was für uns den Hintergrund künstlerischer, vermittelnder und publizistischer Arbeit bildet.




