Buch, Deutsch, Band 64, 486 Seiten
Reihe: Analecta Romanica
Studien zur Poetik Alberto Savinios. Zugl. Habil.-Schr.
Buch, Deutsch, Band 64, 486 Seiten
Reihe: Analecta Romanica
ISBN: 978-3-465-03156-7
Verlag: Vittorio Klostermann
'Es gibt keinen italienischen Schriftsteller, der den Italienern fremder wäre als Savinio.' Diese Aussage des enthusiastischen Savinio-Lesers Leonardo Sciascia aus dem Jahre 1976 gilt heute nicht mehr. Der Schriftsteller, Maler und Komponist Alberto Savinio (Athen 1891- Rom 1952), mit bürgerlichem Namen Andrea De Chirico, wird in Italien heute als einer der faszinierendsten Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrachtet. Es ist an der Zeit, diesen höchst originellen Vertreter der italienischen Moderne auch in Deutschland zu entdecken. Savinio, der mit seinem älteren Bruder Giorgio De Chirico das Konzept der 'arte metafisica' entwickelt und damit eine wichtige Variante der europäischen Kunst der Moderne geschaffen hat, ist lange Zeit als Surrealist vereinnahmt worden, nicht zuletzt durch André Breton. Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass ihm diese Zuordnung nicht gerecht wird. Das bestätigt auch diese Arbeit, die repräsentativen Texten Savinios gewidmet ist: den frühen ästhetischen Schriften aus den Jahren 1914 bis 1921, dem um 1920 entstandenen Roman 'Tragedia dell'infanzia', dem 1925 für Pirandellos 'Teatro d'Arte' konzipierten Theaterstück 'Capitano Ulisse' sowie der Erzählung 'Il signor Münster' aus der Sammlung 'Casa 'la Vita' (1943).
Die Analyse dieser Texte belegt die eminente Bedeutung, die der 'negativen Philosophie' Schopenhauers und vor allem Nietzsches für das Denken und die Poetik Savinios zukommt, dessen Werk von der für die Moderne konstitutiven Erfahrung der 'entgötterten Welt' und 'leeren Transzendenz' geprägt ist. Die Auseinandersetzung mit der hieraus resultierenden 'Melancholie der Moderne' und das Streben nach ihrer Überwindung stellen das zentrale Thema des melancholischen Ironikers Savinio dar. In detaillierten Einzeluntersuchungen arbeitet die Studie die Funktion des medizinisch-philosophischen Melancholie-Diskurses für die Konstituierung seiner literarischen Welt heraus. Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Verwendung des Mythischen durch Savinio, in der seine Theorie der 'memoria' ihre künstlerische Umsetzung findet. Mit dieser Thematisierung der Erinnerung schließt Savinio an die Theorie des kulturellen Gedächtnisses und damit an einen weiteren zentralen Diskurs der Moderne an.
Zielgruppe
Romanisten, Literaturwissenschaftler




