Grosser | Identität und Rolle | Buch | 978-3-531-12222-9 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 252 Seiten, Format (B × H): 152 mm x 229 mm, Gewicht: 376 g

Grosser

Identität und Rolle

Kontext, Konzept und Wirkungsgeschichte der Genieästhetik bei Novalis
1991
ISBN: 978-3-531-12222-9
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Kontext, Konzept und Wirkungsgeschichte der Genieästhetik bei Novalis

Buch, Deutsch, 252 Seiten, Format (B × H): 152 mm x 229 mm, Gewicht: 376 g

ISBN: 978-3-531-12222-9
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften


Die bislang unberücksichtigt gebliebene Vorstellung von einer "synthetischen Person", die einen "inneren Plural" ausbildet und so "in mehreren Personen zerteilt, doch auch eine zu sein vermag", steht im Zentrum der frühromantischen Genieästhetik des Novalis. Diese in der Auseinandersetzung mit Fichte entwickelte Denkfigur ist eng verzahnt mit der Salonkultur und literarischen Gruppenbildung um 1800, aber auch mit der naturphilosophischen Enzyklopädistik und der poetischen Praxis. Mit ihr erweist sich Novalis - überdie Vermittler Dilthey und Simmel - als Vorläufer moderner, rollensoziologisch differenzierter Identitätskonzepte. Als genauer Beobachter der Entwicklungsdynamik und Komplexitätssteigerung der Moderne erscheint er zugleich auch als Anwalt einer reflektierten Pluaralität, deren Akzeptanz gerade in der aktuellen Diskussion um die Postmoderne den zentralen Fluchtpunkt eines zeitadäquaten Seltbstverständnisses bildet.

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I Ästhetische Synthesen. Die Parallelität denkfiguraler Transformationen in der Theoriebildung der 1790er Jahre.- 1. Die Aufwertung der Ästhetik zum Erkenntnis- und Reflexionsmedium im ausgehenden 18. Jahrhundert.- 2. Kants transzendentaler Ansatz eines „sensus communis Aestheticus“ und die empirische Heterogenität der zeitgenössischen Geschmacksbildung.- 3. Die ‘spieltheoretische’ Hypostasierung der Ästhetik und die innere Zerrissenheit von Subjekt und Gesellschaft bei Friedrich Schiller.- 4. Friedrich Hölderlins Ansätze zu einer ästhetischen Aufhebung der „Trennungen, in denen wir denken und existieren“.- 5. Das „älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ und die Ästhetik als letztmöglicher Ort einer „gleiche[n] Ausbildung aller Kräfte“.- II „Genie ist vielleicht nichts als Resultat eines [.] innern Plurals“. Die genieästhetische Konzeption bei Novalis und ihr transformationsgeschichtlicher Stellenwert.- 1. Der Versuch, „besser [zu] Fichtisiren [.] als Fichte“. Der Ausgangspunkt der frühromantischen Geniekonzeption.- 2. „Ich bin Du“. Die interpersonelle Perspektivierung des empirischen Ich.- 3. „Pluralism ist unser innerstes Wesen“. Die Adäquation von „innerer“ und „äußerer“ Welt.- 4. „Kann man Genie seyn und werden wollen?“ Die Wechselnegation der Bestimmungen von Aufklärung und ‘Sturm und Drang’.- 5. Das Genie als „Person, die aus Personen besteht“. Die quasi-figurale Fassung des genialischen „innern Plurals“.- 6. „Ausgeartetes Ich — ausgeartete Welt. Wiederherstellung“. Der geschichtsphilosophische Bezugsrahmen des Geniekonzeptes.- 7. „Das Genie überhaupt ist poetisch“. Die Zeitidiosynkrasie des dichterischen Intelligenztypus.- 8. „Jeder Mensch ist eine kleineGesellschaft“. Die esoterische Kreisbildung der Frühromantiker und die exoterische Salonöffentlichkeit.- 9. Exkurs: Friedrich Daniel Schleiermachers „Versuch einer Theorie des geselligen Betragens“.- III „Genie ist d[as] synthesirende Princip“. Enzyklopädieprojekt und poetische Praxis bei Novalis.- 1. „Auch ein heterogenes Geschäft schadet nicht“. Die Berufsausbildung Hardenbergs als wissenssoziologische Grundlage seiner enzyklopädischen Entwürfe.- 2. „In Wissenschaften und Künsten wird man eine gewaltige Gährung gewahr“. Die Enzyklopädistik und die wissenschaftsgeschichtlichen Dynamisierungsansätze der Moderne.- 3. „Das System hebt alle fremde Verbindung möglichst auf und bewirkt neue, eigne Verbindungen“. Das ‘systemlose System’ und die Heterogenität der Gegenwart.- 4. „Systematik. Encyclopaedik. Profetik“. Die geschichtsphilosophische Dialektik der enzyklopädischen Zeitausrichtung.- 5. „Individuen vereinigen das Heterogène“. Das rollenplurale Geniekonzept als Hintergrundfolie des Enzyklopädieprojektes.- 6. „.so lößt der Dichter alle Bande auf“. Die poetische Transformation der Enzyklopädistik.- 7. Die „unendlichen [.] gleichzeitigen Empfindungen eines zusammenstimmenden Pluralis“. Die kompositorische Grundanlage der „Lehrlinge zu Sais“.- IV ‘Plurale Identität’. Historische Voraussetzungen, unterschwellige Wirkungsgeschichte und aktuelle Bedeutung einer frühromantischen Denkfigur.- 1. Das ausgehende 18. Jahrhundert als Schlüsselphase der Moderne. Gesellschaftliche, politische und kulturelle Entwicklungsansätze.- 2. „Im Pluralis wird das Meiste erst real“. Die postmoderne Aktualisierung der Frühromantik.- 3. Frühromantische Ästhetik und moderne Rollensoziologie. Stationen einerverschütteten Wirkungsgeschichte.- Zusammenfassung.- Abkürzungsverzeichnis.



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