Gedichte
Buch, Deutsch, 86 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 210 mm, Gewicht: 130 g
ISBN: 978-3-947654-07-9
Verlag: Hille, Ch
Als ich im Jahr 2007 zum ersten Mal eine Skulpturenausstellung besuchte, waren es die Frauenfiguren der Künstlerin Malgorzata Chodakowska, die mir begegneten. Ihre sprechende Schönheit hat mich unmittelbar berührt, doch erst über zehn Jahre später, als ich einen Kalender mit Frau Chodakowskas Brunnenfiguren geschenkt bekam, entwickelte sich zwischen den Skulpturen und mir ein Gespräch. Es ist die Innerlichkeit der Figuren, die für mich von der Kraft eines um Tiefe ringenden Lebens und Liebens erzählt.
Im Erahnen des Geheimnisses der Auferstehung scheinen die Frauen Furcht und Lebensangst zu überblühen.
Ihre verwundbare Schönheit wirkt durchschienen von der lebendigen Möglichkeit alles Fragmentarische der menschlichen Existenz vollenden zu lassen, einmal doch.
Alexandra Grüttner-Wilke
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Wunden verbinden
Vorwort zum Lyrik-Band von Alexandra Grüttner-Wilke
Wie mit Verwundungen nicht nur überleben, sondern wirklich leben? Vor diese Frage stellen Alexandra Grüttner-Wilkes Gedichte. Das Leben schlägt unweigerlich Wunden. Behutsam und geduldig wollen sie verbunden werden. Aber ihnen erwachsen nicht nur Schmerzen. Wunden können Gemeinschaft stiften. In seinem Buch über die Freundschaft schreibt Georges Bataille: „Die Kommunikation erfordert einen Fehler, einen ‚Riß‘; sie tritt, wie der Tod, durch einen Fehler in der Rüstung ein. Sie erfordert eine Koinzidenz von zwei Rissen, in mir selbst und im anderen.“1 Wunden verbinden, auch in diesem Sinn.
Die Liebe gibt Wunden eine glückhafte Wendung. Sie kommt in überraschenden Spielarten zu Wort. Liebe, Freundschaft, Zuneigung hinterlassen Spuren. So wie der Namenlose in Marseille, ein Stadtengel, der Vertrauen schenkt, einen Schlafplatz und das erste Gebet. Doch die Liebe bleibt eine riskante Angelegenheit. Nichts macht so verletzlich wie die Liebe. Daher gilt es den Raum auszuloten zwischen Einsamkeit und Hingabe. Den Pfad finden, „sterngezackt“.
Zuvorkommen willst Du dem Verlust
davonkommen
doch noch
mit heiler Haut
Wer der Liebe ausweicht und auf Sicherheit setzt, verleiht einem Bumerang Schwung – mit verstärkter Kraft fällt er zurück. So sind die Gedichte bevölkert von Betenden und Trauernden, Schamgebeutelten und Schuldigen, von Schwangeren, Frühlingsgestalten und Liebenden aller Art. Wunden verbinden. So auch jene Wunde, die in der Bitte an den Geliebten zur Verbindung und mit dieser Bitte zugleich selbst heilsam verbunden wird:
Komm mir bis auf vier Fingerkuppen nah
und bleib
veratme meine Bangigkeit
atme sie aus
berühre mich
und
bitte
bleib
Verletzlich sein und doch berührbar bleiben, davon erzählen die Gedichte, die Sie in diesem Band zu lesen bekommen.
Hildegund Keul




