Buch, Deutsch, 265 Seiten, Format (B × H): 115 mm x 188 mm, Gewicht: 275 g
und andere Geschichten aus Thailand
Buch, Deutsch, 265 Seiten, Format (B × H): 115 mm x 188 mm, Gewicht: 275 g
ISBN: 978-3-9815471-4-6
Verlag: Tipani
Die Stadt Chiang Mai im Norden Thailands ist der faszinierendste Ort auf der Welt - nicht zuletzt wegen des Essens dort.
Haben Sie jemals eine Termite gegessen oder den Duft eines frittierten Hühnerkopfes oder eines Austern-Omelettes auf einem Markt geschnuppert? Haben Sie schon einmal einen Schwarzfärber getroffen oder Harpunenfischer in Baumwipfeln gesehen? Haben Sie sich jemals gefragt, warum ein riesiger, stagnierender, zehn Kilometer langer und ansonsten völlig nutzloser Kanal um den südlichen Rand von Chiang Mai verläuft?
Dieses Buch gibt Ihnen Einblicke in die spannende Welt des für uns durchaus nicht so alltäglichen Lebens in Chiang Mai und Thailand: Es erzählt unterhaltsam von der Esskultur, von Insekten, Bratwürsten, Nudeln, Pilzen und der Fischzucht und vom Leben in Chiang Mai - aber auch Geschichtliches und Sagenhaftes von Geistern und alten Bräuchen aus einem Land, das uns Europäern in den letzten Jahrzehnten immer vertrauter wird.
Erhältlich über www.tipani.de
Weitere Infos & Material
Inhalt
15 Die Guten, die Schlechten und die Hässlichen: zu viele Insekten
33 Der verborgene Mittlere Osten: Muslimisches Essen in Chiang Mai
51 Auf dem Markt
68 Essbare Fliegen
85 Schwarzes Gold: Trüffel aus Chiang Mai
96 Schlange durch den Garten: Die Fisch-Szene von Chiang Mai
121 Ein Frühstück, das das Leben verändert
135 Tanzende Shrimps
146 Bratwürste im Sinn
152 Schon wieder Bratwürste im Sinn: Teil 2
162 Ein zarter Grünton: Avocado-Saison
170 Essenstherapie
190 Austernomeletts
209 Pizza-Restaurant
216 Die größte Show auf Erden: Schweinefleisch-Nudeln
Andere Geschichten
227 Kleine Ingwerlilie: Die vergessenen Wasserwege von Chiang Mai
235 Die Harpunenfischer in den Baumwipfeln von Chiang Mai
239 Treffen mit dem Geist von Mutter Nak
250 Einfach vorangehen
254 Die Schwarzfärber
258 Der Leichenverbrenner
262 Der Fährmann der Barmädchen
Chiang Mai ist die Hauptstadt des alten Königreiches Lanna, was so viel bedeutet wie „das Königreich von einer Million Reisfeldern“. Kein Wunder, dass Reis sehr oft auf dem Speiseplan steht.
Reis ist hier sehr wichtig und bildet die Grundlage der meisten Mahlzeiten. Die Redewendung, mit der sich die meisten Thailänder täglich grüßen, lässt sich mit „hast du schon Reis gegessen?“ übersetzen. Sogar bei dem Alten am lokalen Markt - von hier, wo ich gerade sitze, einfach die Straße weiter -, der kiloweise getrockneten Reis in Säcken verkauft, kann man aus unglaublichen vierundzwanzig verschiedenen Sorten wählen. Sie variieren zwischen reinweißen, vollständig runden kleinen Kügelchen, die zur Herstellung des weichen, herzhaften Klebreises verwendet werden, und schmutzig aussehenden, dünnen, langen braunen Körnern, die man vermutlich Menschen serviert, die man nicht besonders mag.
Die unglaubliche Reisauswahl ist nur die Spitze eines ziemlich überwältigenden Eisberges an Lebensmitteln. In einer westlichen Gesellschaft, die von den übermächtigen Supermarktketten dominiert wird, legt man sehr leicht die Gewohnheit ab, täglich frische Lebensmittel zu kaufen. Bevor man sich versieht, schlurft man die Gänge auf und ab und erledigt seinen „Wocheneinkauf“.
Als ich das erste Mal hierher kam, hat mich die lebendige Kultur des Frischmarktes erschlagen - so wie ein Lastwagen, der einen Supermarkt beliefert. Es war überwältigend; von der Frische, der Menge, der Fremdartigkeit, der Hitze, den Gerüchen und der schieren Vielfalt der Lebensmittel wird es einem fast ein wenig schwindlig.
Wenn ich jetzt schnell zu meinem lokalen Markt gehe, kann ich nicht nur zwischen vierundzwanzig Reissorten wählen, sondern auch zwischen achtundzwanzig verschiedenen frischen Kräutern, die diesen Morgen an Bauernhöfen in der Nachbarschaft geerntet wurden. Es gibt vier verschiedene Bananensorten, Schalen mit frischen Erdbeeren, die in der Nähe oben in den Bergen wachsen, elf verschiedene Kochwurst-Sorten, sechs verschiedene Sorten von frischen Krabben, gegrillten Wels in fünf verschiedenen Größen, heimische Avocados in der Größe eines Menschenkopfes, frische Currys, Saucen, Suppen und Berge von Obst und Gemüse, von denen einige außerhalb Südostasiens gänzlich unbekannt sind.
Aber die Dinge ändern sich. Als ich das erste Mal hierher kam, musste ich extra Ausflüge machen, um frische Milch und getrocknete Nudeln zu kaufen. Sie galten als seltsames, ausländisches Zeug, das niemand außer ein paar verrückten Leuten aus dem Westen wollte. Jetzt sind sie an jeder Straßenecke in 7-Eleven-Läden vorrätig. Es gibt auch riesige Einkaufszentren, Käsegeschäfte, französische Cafés, Austernbars, Weinkeller, italienische Feinkostgeschäfte, Running Sushi, Groß-Supermärkte und Super-Großmärkte. Inzwischen haben wir auch die volle Auswahl an Fast-Food-Restaurants; KFC, Pizza Hut, Burger King und McDonald’s. Es ist sogar ein Chiang Mai Hard Rock Café in Planung. Im Grunde hat Chiang Mai alles, vom gegrillten Ochsenfrosch und einer Auswahl von achtundzwanzig frischen Kräutern bis zu Egg McMuffins. Momentan ist es die Lebensmittelhauptstadt der Welt.
Aber kann es so bleiben? Können die kleinen lokalen Lebensmittelmärkte mit der Stärke der internationalen Supermarktketten konkurrieren? Werden die Menschen weiterhin gegrillten Wels kaufen wollen, wenn sie für ein bisschen mehr einen Filet-O-Fish-Burger von McDonald’s haben können? Wie lange noch werden die einsamen alten Schwarzfärber durch die Gassen von Chiang Mai radeln und lächelnde Bergvolkfrauen pfannengerührte Grillen verkaufen?
Die Dinge scheinen sich in Chiang Mai so schnell zu verändern, dass mich das Gefühl beschleicht, einige von ihnen seien dabei, leise zu verschwinden. Deswegen - bevor es passiert, wenn es passiert - kommt hier ein kleiner Einblick, wie man momentan in Chiang Mai lebt und isst.




