Buch, Deutsch, 192 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 190 mm
Reihe: knappocket
Roman
Buch, Deutsch, 192 Seiten, Format (B × H): 130 mm x 190 mm
Reihe: knappocket
ISBN: 978-3-907334-51-5
Verlag: Knapp Verlag
Manchmal führt eine Einladung in die Berge.
Manchmal zu sich selbst.
Und manchmal ist man nur mit.
Wo wir hinstarren
erzählt von Umwegen und unvorhergesehenem Trost. Eine Begegnung zweier Menschen, die nur vorübergehend dieselben Wege teilen und dabei mehr über sich erfahren, als ihnen lieb ist. Mit feinem Humor, leisem Trotz und einer Melancholie, die sich nicht schämt, beobachtet die Stimme dieser Geschichte eine Welt, die sich ständig verschiebt.
Ein Monat zwischen der Sächsischen Schweiz und den Schweizer Bergen, der anders beginnt als gedacht, und überraschender endet, als geplant. Zwei Menschen, die sich näherkommen, ohne einander wirklich zu kennen. Die eigenen Unsicherheiten, verschobenen Pläne, kleine Zumutungen und dieses merkwürdige Gefühl, dass etwas in Bewegung geraten ist, obwohl alle stillstehen, sind stille Begleiter einer Begegnung, die keine ist. Es ist mehr. Vielleicht ist es ein Familiendrama mit Aussicht in den Süden. Oder ist es eine Ode an das feine Glück, einen Blick länger auszuhalten, als man wollte? Reich an Komik, stark in der Beobachtung, subtil in der Kritik.
Es spielen unter anderen eine alleinerziehende Stimme, eine befristend anstellende Chefin, ein Bruder, der nichts kann, außer alles richtig zu machen, und eine Iris, die mehr sieht. Weitere Figuren und viele lustvoll unnötige Situationen reichern den Reigen an. Ach ja, da ist auch noch ein kluges Balg.
Das Autorenpaar Elisabeth Hart und Rhaban Straumann bringt ihre typisch große Liebe zur Sprache, zum Leben und zur Selbstironie zum Ausdruck; natürlich mit satirischen Zwischentönen, ohne Eitelkeit, höchst humorvoll, tiefsinnig und sprachlich auf den Punkt geschrieben. Es ist ihr zweites gemeinsames Buch und der erste Roman der satirisch Schauspielenden.
Zielgruppe
Für Leserinnen und Leser zeitgenössischer, literarisch-humorvoller Romane mit Sinn für feine Beobachtung, Sprachwitz und Selbstironie. Besonders geeignet für ein Publikum, das Geschichten über unerwartete Begegnungen, Zugehörigkeit, kleine Zumutungen und das leise Glück schätzt – mit deutsch-schweizerischem Blick, satirischen Zwischentönen und melancholischer Leichtigkeit.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Meine neue Chefin sitzt abseits der Gruppe und ruht in sich. Nach dem ersten «Grüezi midnand» der Retreat-Leitung drehte sich meine Chefin weg und suchte sich den bequemsten Sessel im Foyer aus. Dabei ließ sie sich provokativ viel Zeit und testete etliche Sitzgelegenheiten, manche mehrmals. Sie ist eine Sitzexpertin und lebt das aus. Kurz schienen die Kursleiterinnen irritiert, bald lächelten sie die Situation weg.
In mir wächst die Unruhe. In dieser sehr aufgeschlossenen und offen wirken wollenden Welt fragt niemand, ob wirklich alle Anwesenden das Schweizer Deutsch verstehen, geschweige denn einen Ostschweizer Dialekt. Da ich den Podcast einer Schweizer Künstlerin höre, weiß ich, dass es in diesem kleinen Land sehr viele verschiedene Dialekte und Sprachen gibt. Es mutet babylonisch an. Weshalb der Ausdruck «Ostschweizer Dialekt» schon mal gänzlich falsch ist. Ich bin verwirrt. Sonst fragen die Schweizerinnen und Schweizer immer, ob ich sie verstehe. Auf mein Ja, bei meinen bisherigen Berührungspunkten mit der Schweiz, sprechen und reden sie dann trotzdem auf Hochdeutsch weiter, was viele meiner Landsleute als Schweizer Dialekt missverstehen. Meine bequem sitzende Chefin und ich scheinen die einzigen Teilnehmenden zu sein, welche keinem der hiesigen Dialekte mächtig sind. Ich muss mich höllisch konzentrieren, um der Spur nach etwas zu verstehen, meine in sich zurückgezogene Chefin scheint es nicht zu interessieren. Sie sitzt im Ohrensessel und stellt sich taub. Wieder diktiere ich leise eine Sprachnachricht: «Bitte hol mich hier raus. Hier sprechen sie komisch.» Wieder lösche ich sie.
Auf der Fahrt hierher konnte man den Frühling ahnen, hier angekommen betont über uns eine von der Sonne beleuchtete Arena mit weißen Gipfeln die Pracht der Berglandschaft. Dazwischen herrscht Zwischensaison. Sie riecht anders als erwartet. Der Duft der Zwischensaison in den Bergen ist nicht so erfrischend, wie er sein könnte. Es duftet nicht nach Verschnaufpause, es riecht eher wie in einem Hotelzimmer, in dem schon für Jahrzehnte nicht mehr geraucht wurde, vorher dafür umso mehr. Graue Schneereste unterstreichen den Charakter der Zwischensaison. Der Ort könnte schön sein, hätte er die Zeit, in der die größten Bausünden begangen wurden, übersprungen. Das sind zwei, vielleicht drei Jahrzehnte, die, rückblickend auf das Vorhandene, architektonisch nicht sehr erbaulich waren. Das gilt keineswegs nur für die Ortschaften in den Bergen. Scheint was europäisch Verbindendes zu sein, weit verbreitet zumindest. Ein Anfang – Europa hat Verbindendes bitter nötig.




