Heß / Kloft | Der Mauerfall - 20 Jahre danach | Buch | 978-3-89801-045-0 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 256 Seiten, GB, Format (B × H): 132 mm x 205 mm, Gewicht: 500 g

Heß / Kloft

Der Mauerfall - 20 Jahre danach


1. Erstauflage 2009
ISBN: 978-3-89801-045-0
Verlag: Rhein-Mosel-Verlag

Buch, Deutsch, 256 Seiten, GB, Format (B × H): 132 mm x 205 mm, Gewicht: 500 g

ISBN: 978-3-89801-045-0
Verlag: Rhein-Mosel-Verlag


Die Thüringer Bundestagsabgeordnete Petra Heß und der rheinland-pfälzische Autor Christoph Kloft haben für diese Anthologie prominente Künstler, Politiker und Sportler, aber auch engagierte Bürger dieser bewegten Zeit angeschrieben. Den geschichtlichen Tatsachen entsprechend, steht in der Zusammenschau nicht nur der 9. November 1989 im Vordergrund. Der Fall der Mauer stand im Zusammenhang einer Entwicklung, in der alle Tage wichtig, manche vielleicht etwas wichtiger waren. Von sicherlich ebenso großer Bedeutung wie der 9. November war für die damaligen DDR-Bürger der 9. Oktober 1989, der Tag der entscheidenden Leipziger Montagsdemonstration. Mit der Einheit am 3. Oktober 1990 wurde ein Schlusspunkt gesetzt, dem jedoch das eigentliche Zusammenwachsen erst noch zu folgen hatte.Vierzig individuelle Texte bieten dem Leser ein einzigartiges Kaleidoskop einer der wohl spannendsten Epochen der deutschen Geschichte überhaupt.

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Beiträge von (Autoren in alphabetischer Reihenfolge):

Vorwort: Lammert, Norbert Einführung: Heß, Petra (Hrsg.)Kloft, Christoph (Hrsg.)Alt, FranzBeckenkamp, SusanneBecker, EwertBiskupek, MatthiasDrechsler, Heike Führer, Christian Gienger, EberhardGöring-Eckhardt, KatrinHeck, Dieter Thomas Heynemann, BerndHildebrand, Jörg Hühn, ChristianHundertmark, MichaelJungbluth, UliKeiser, GabrieleKlose, Hans-UlrichKrämer, ThomasKrawczyk, StephanKrenz, Klaus Kreuch, Knut Krumbiegel, SebastianLindenberg, Udo Ludwig, JürgenMarkert, BerndMeckel, MarkusMost, Edgar Müntefering, FranzNiedecken, WolfgangReiche, SteffenRichter, HelmutRoskothen, JohannesScherzer, LandolfSchorlemmer, FriedrichSchwan, Gesine Senglaub, Lutz-Rainer Thierse, WolfgangTiefensee, WolfgangVogel, BernhardVogel, Hans-Jochen


EinführungDie Idee zu dieser Anthologie wurde im vergangenen Herbst bei einem Telefongespräch geboren. Christoph Kloft und ich warfen uns gegenseitig den Ball zu, dann fielen auch schon konkrete Namen und das Konzept stand. Wir fanden, dass alles passte: Er, der parteilose Journalist und Autor aus dem Westen, ich, die Politikerin aus Thüringen, die erst nach der Wende eingestiegen ist. Er, der in den Jahren 1989/90 für sein Germanistikexamen büffelte und weit von den Schauplätzen des großen Umbruchs entfernt war, ich, die ich damals nach jahrelanger Tätigkeit in meinem erlernten Beruf der Kindergärtnerin als Kulturreferentin arbeitete. Damit war ich von Berufs wegen natürlich weit weg von der Tagespolitik, doch spürte ich in jenen Tagen und Wochen direkt und voller Freude jenen Wind der Veränderung im Gesicht, der sich gerade in meiner Thüringer Heimat rasch zu einem wahren Sturm der Begeisterung entwickelte. Das überregionale Geschehen verfolgte ich intensiv am Fernseher. Ich sah Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 auf dem Balkon der Prager Botschaft, sah all die Menschen, die nach jenem unvollendeten Satz 'Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …' in Jubel ausbrachen. Ich hätte heulen können, und ich fragte mich nur: Was ist das für ein System, bei dem die Menschen jubeln, wenn sie rausgelassen werden? Am Abend des 9. November war ich in einem Ferienhotel, in dem ich damals arbeitete. Wir hatten unseren üblichen Abschiedsabend vorbereitet und wunderten uns, dass niemand da war. Dann kam plötzlich jemand zu uns und rief aufgeregt: 'Die Grenzen sind offen.' Wir haben sofort den Fernseher eingeschaltet und bis zum Feierabend die Ereignisse verfolgt. Danach fuhr ich nach Hause und fand meinen Mann ebenfalls vor dem Fernseher sitzend vor. Gemeinsam haben wir ganze Nacht weitergeschaut. Immer wieder wurden die Bilder der durch die offene Mauer strömenden Menschen gezeigt, dann wieder der Auftritt von Herrn Genscher in Prag und jedesmal wollten mir wieder die Tränen in die Augen schießen. Ich denke, so wie mir geht es jedem, der die historischen Momente der Jahre 1989 und 1990 erlebt hat. Jeder wird wissen, was er am Abend der Maueröffnung getan hat, jeder wird wohl auch noch wissen, was er am Abend des 3. Oktober 1990 gemacht hat.Christoph Kloft und ich haben uns Anfang der neunziger Jahre kennen gelernt. Geboren auf den beiden Seiten der ehemaligen Mauer, hatten wir – wie Millionen andere Menschen – erst durch den Fall derselben die Möglichkeit, uns zu begegnen und unsere Erfahrungen auszutauschen. Dies hat in vielen Fällen zu einer positiven Zusammenarbeit geführt, und das, obwohl in unserem Fall zu den unterschiedlichen Biografien noch verschiedene berufliche Ausrichtungen kamen. Nicht zuletzt möchten wir darum auch durch unser Vorbild zeigen, dass Ost und West auf jeder Ebene in der Lage sind, gemeinsam zu wirken und gute Projekte auf den Weg zu bringen. Nach mehreren Begegnungen erinnere ich mich besonders an ein schlimmes gemeinsames Erlebnis: Es war der 3. Oktober 1992. Die rechtsextreme NPD hatte sich zu ihrem sogenannten Deutschlandtag ausgerechnet im thüringischen Arnstadt getroffen. Es war ein großer Aufmarsch, der bundesweit Negativ-Schlagzeilen machte. Mit ein paar Gleichgesinnten – besonders solchen, die ein paar Jahre zuvor für die Öffnung der Mauer eingetreten waren – trafen wir uns damals zu einer Gegendemonstration. Christoph Kloft hatte als Journalist über den Tag zu berichten. Ich weiß noch, wie verzweifelt wir damals waren, und ich weiß auch noch, wie gleichgültig es plötzlich war, ob jemand aus dem Osten oder aus dem Westen kam: Gemeinsam mussten wir uns gegen die Neonazis wehren, und gemeinsam versuchten wir deshalb auch unser Möglichstes. Unsere Redner nahmen kein Blatt vor den Mund und boten den Rechten trotz deren große zahlenmäßige Überlegenheit mutig Paroli. Zu unserer Freude fand Christoph Kloft in seinen Zeitungsartikeln ebenso deutliche Worte, auch wenn dies nicht ungefährlich war. Spätestens in diesen Tagen begriffen wir, dass eine Einteilung in Ost und West überholt war – schon damals war sie dies! –, denn es ging doch um die gemeinsame Sache! Und so haben uns paradoxerweise gerade die Gegner unserer Demokratie seinerzeit den Anlass gegeben, das Gemeinsame und nicht mehr das Trennende in den Vordergrund zu stellen! Monate später kam Christoph Kloft dann zu mir und erzählte von einem Buchprojekt: 'Katerstimmung. Alltag in den neuen Bundesländern' war der Titel. Er hielt darin die gemeinsamen Erlebnisse in der Zeit des Be- und Herantastens fest und wollte um Verständnis für die Menschen in den neuen Ländern werben. Es ist leider bezeichnend, dass damals kein Verlag das Buch haben wollte. Das Thema sei nicht interessant, wurde dem Autor knapp vier Jahre nach der Maueröffnung gesagt. Er hat das Buch dann im Eigenverlag herausgebracht – für seine Freunde, denen er doch nicht sagen konnte, dass sich niemand für sie interessierte. Mein damaliger Chef, der Bundestagsabgeordnete Gerhard Neumann, schrieb ein Vorwort zu der Veröffentlichung, die er als 'wichtiges Zeitdokument aus den ersten Jahren des wiedervereinigten Deutschlands' bezeichnete. Wir haben nach Kräften bei der Verbreitung des Buches geholfen, doch waren auch unsere Möglichkeiten leider sehr beschränkt. Christoph Kloft und ich haben seither immer wieder gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt, die in Verbindung mit Mauerfall und deutscher Einheit standen. Es ist ein Thema, das uns beide stets gleichermaßen bewegt hat. Als dann in diesem Telefonat die Idee aufkam – wer sie zuerst hatte, weiß ich nicht mehr –, ein Buch zum Mauerfall herauszugeben, waren wir wieder Feuer und Flamme. Wir wollten uns nicht auf den einen großen Tag festlegen, wir wollten die Teilnehmer nicht einengen, gleichzeitig wollten wir auch keine Beiträge im üblichen Politikerjargon, und ich denke, dass gerade dies im Ergebnis auch gelungen ist. Es war uns nicht in erster Linie wichtig, ob jemand einen großen Namen trug, wichtig war uns, dass er etwas zum Thema zu sagen hatte. Dies aber – davon können sich die Leserinnen und Leser überzeugen – ist bei jeder und jedem der Fall, der mit einem Beitrag hier Eingang gefunden hat. Besonders ist an unserem Buch auch, dass der Blick zwar überwiegend ins Große, in Teilen aber auch ins Regionale geht: Die Entwicklung, wie sie sich dort zeigte, wurde hier an einem Ausschnitt gewissermaßen unter die Lupe genommen. Dass ich in dieser Region beheimatet bin, ist fast zweitrangig; wichtiger ist, dass Arnstadt und Umgebung damals durchaus eine gewisse Vorreiterrolle spielten – ich erinnere nur an die frühen Samstagsdemonstrationen –, sodass uns eine genauere Beleuchtung durchaus gerechtfertigt erscheint. Damit sollen keinesfalls die Verdienste anderer Städte und Regionen geschmälert werden – wie gesagt, es handelt sich um einen exemplarischen Ausschnitt. Wichtig war uns auch, dass wir das Buch so realisieren konnten, wie wir das wollten. Wir entschieden uns darum für den Rhein-Mosel-Verlag, der unseren Vorstellungen am ehesten entgegenkam und sich sehr viel flexibler zeigte als so mancher große Konzern. Außerdem wussten wir, dass der Verleger sich für das Thema interessierte, denn schon nach der genannten ersten Veröffentlichung hatte er Christoph Kloft angerufen und ihm signalisiert, dass er das Projekt gerne herausgebracht hätte. Herzlichen Dank an dieser Stelle deshalb für die, wie ich finde, so gelungene Realisierung dieses Buches!Natürlich habe ich in erster Linie all denen zu danken, die einen Beitrag hinzugesteuert haben! Mit ihrer Teilnahme haben alle Autorinnen und Autoren der vorliegenden Publikation bewiesen, dass das Thema eben doch von Interesse ist – und das selbst zwanzig Jahre nach dem Herbst ’89! Ich hege die berechtigte Hoffung, dass sie alle mit ihren Texten dazu beigetragen haben, die Thematik auch über die Jubiläumsdaten der Jahre 2009 und 2010 hinaus im Bewusstsein der Menschen zu halten! Ich begrüße es, dass im Jubiläumsjahr 2009 mehrere Veröffentlichungen zur Thematik erscheinen. Dies unterstützt unser Ansinnen. Trotzdem ist es gut, dass alle diese Publikationen einen anderen Weg gehen, sodass ich ohne Übertreibung behaupten darf, dass das vorliegende Buch in der Zusammenstellung und der Art der Beiträge sicherlich einzigartig ist. Für unser Projekt schrieben wir rund achtzig Personen an – Künstler, Politiker, Sportler, Bürger, die sich durch besonderes Engagement ausgezeichnet haben –, wobei wir darauf achteten, dass, sofern es sich um Politiker handelte, der Anteil der Anfragen in etwa der Vertretung der jeweiligen Partei im Deutschen Bundestag entsprach. Über den Rücklauf mag sich der Leser selbst ein Bild machen. Eine prominente Absage, die wir sehr bedauert haben, kam vom Büro Hans-Dietrich Genschers. Zeitliche Gründe ließen eine Teilnahme des ehemaligen Bundesaußenministers leider nicht zu, wurde uns telefonisch freundlich mitgeteilt. Ebenso bedauerlich ist, dass uns Bundeskanzler a.D.
Helmut Kohl eine Absage geschickt hat. Bundeskanzlerin Merkel ließ uns durch den Chef des Bundeskanzleramtes, Bundesminister Dr. Thomas de Maizière, ausrichten: 'Wegen der Vielzahl ähnlich gelagerter Anfragen kann die Bundeskanzlerin Ihrer Bitte nicht Folge leisten. Sie folgt Ihrem Anthologie-Projekt dennoch mit großer Sympathie und wünscht Ihnen viel Erfolg dafür! Ich schließe mich diesem Wunsch an.' Ich bedanke mich ausdrücklich für diese guten Wünsche! Ich danke darüber hinaus allen, die zum Gelingen des Buches beigetragen haben! Ich danke Ihnen, liebe Autorinnen und Autoren, dass Sie Ihre teils sehr persönlichen Beiträge zur Verfügung gestellt haben! Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung und Ihre Geduld mit uns, wenn wir dann wieder einmal mit dem einen oder anderen technischen Anliegen an Sie herantreten mussten, was Ihre Geduld gewiss strapazierte, und ich danke Ihnen für den jeweils ganz individuellen Mosaikstein, den Sie zu diesem bunten Kaleidoskop beigesteuert haben. Jede Autorin und jeder Autor hat sich in seiner ganz besonderen Weise um dieses Buch verdient gemacht, und ich bin glücklich, dass es uns gelungen ist, solch einen Teilnehmerkreis in diesem Projekt zu vereinen! Ich hoffe, die Textbeiträge werden den Menschen in Ost und West einmal mehr zeigen, was für einen einmaligen historischen Prozess der 9. Oktober mit der entscheidenden Leipziger Großdemonstration, dann der 9. November 1989 mit der Maueröffnung und schließlich die Einheit am 3. Oktober 1990 in Gang gesetzt haben. Ich danke den Vertretern der anderen Parteien, die sich über gewiss bestehende Ressentiments hinweggesetzt und damit eindrucksvoll gezeigt haben, dass nicht nur das Ost-West-Denken überwunden werden, sondern die Thematik auch endlich eine parteiübergreifende sein muss! 'Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört', sagte Willy Brandt am 10. November 1989 in Berlin. Ich bin mir sicher, dass schon einiges zusammengewachsen ist. Um dies aufzuzeigen und möglichen Wucherungen beim weiteren Zusammenwachsen vorzubeugen, ist dieses Buch entstanden. Petra Heß



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