Hesse | Niedergang & Neuanfang des Humanismus | Buch | 978-3-7584-2064-1 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 144 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 230 g

Hesse

Niedergang & Neuanfang des Humanismus

seit Hegel bis heute
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7584-2064-1
Verlag: epubli

seit Hegel bis heute

Buch, Deutsch, 144 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 230 g

ISBN: 978-3-7584-2064-1
Verlag: epubli


Seit der Renaissance war in den Schulen die Sprache Latein das wichtigste Fach.
Die Faszination ließ erst zum Ende des 18. Jahrhunderts nach, als sich mit z. B.
Französisch und Griechisch neue Interessengebiete auftaten. Es galt jetzt, eine neue
Pädagogik zu erfinden. Zuerst Wilhelm v. Humboldt, nachfolgend Immanuel
Niethammer im Einklang mit Friedrich Hegel, setzten ein neohumanistisches
Konzept durch.
Hatte aber die Renaissance dank ihrer Denkanstöße nicht schon
bei den alten Humanisten auch theologischen Widerspruchs- bzw.
Reformationsgeist geweckt? Die Aufklärung setzte die Tradition des
genaueren Hinsehens in die Urtexte fort, und Weimarer Klassiker lehnten
Unterwürfigkeit unter ein Staatschristentum ab. Die Philosophie dieser Zeit
machte Gott zu einer unbeweisbaren, aber sozial nützlichen Redensart.
Dann aber erschienen Niethammer und Hegel und mischten ihren Glauben
an die Überlegenheit des Altgriechischen ein Bekenntnis zum Christentum
unter, was der Obrigkeit ausgezeichnet gefiel.
Unter dem Namen Bildungshumanismus hielt sich ihre Weltanschauung
unangefochten an deutschen Gymnasien für zwei Jahrhunderte; erst 1900
erhielten Realgymnasien ohne Griechisch gleiche Rechte.
Der Schulhumanismus rettete sich noch in die Nachkriegszeit hinüber mit all
ihrem hilflosen Schweigen über Kriegsfolgen und Wiederanstellung alter Nazis.
Religion war wieder sakrosankt, obgleich beide in der Diktatur nicht als
ihre Wirkungslosigkeit unter Beweis gestellt hatten.
Ein Humanismus ohne transzendenten Bezug ist daher nur konsequent,
doch werden ihre Adepten anerkennen müssen, dass die gemäßigt Religiösen
eine gesellschaftliche Mehrheit darstellen. Gemeinsam haben sie den Auftrag,
die religiösen und andere Fanatiker unter Kontrolle zu halten.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Hesse, Rainer
Ich bin Dr. med. Rainer Hesse,
Arzt für Neurologie und Psychiatrie.
Ich besuchte ein humanistisches Gymnasium und machte dort
1966 mein Abitur. Während späterer Auslandaufenthalte
wurde mir mein unverkrampftes Verhältnis zu lebenden
Sprachen bewusst, im Kontrast zu der Lustlosigkeit, mit der ich
Latein und Griechisch in meiner Gymnasiumszeit absorbiert hatte.
Im Rückblick wirkte die ganze Weltanschauung der Nachkriegsjahre
noch einmal rekonstruktionsbedürftig anhand der Quellen ihrer sich
gegenseitig stützenden Komponenten: Altsprachen, deutscher Idealismus,
Mystizismus, Religion, autoritäres Getue. Alles wirkt bis in die Gegenwart hinein.



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