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Buch, Deutsch, 307 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 459 g
Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland
Buch, Deutsch, 307 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 459 g
ISBN: 978-3-86649-009-3
Verlag: Barbara Budrich
Gewalt durch andere Personen trifft Männer und Jungen auf der Strasse, in der Schule, am Arbeitsplatz, beim Militär, im Krieg und im häuslichen Bereich. Gewalt gegen Männer und gegen Jungen wird in körperlicher, psychischer und sexualisierter Form ausgeübt. Sie ist so alltäglich, dass sie kaum ins Bewusstsein dringt. Zudem folgt sie nicht den klassischen Täter-Opfer-Schemen: Gewalt wird eben nicht nur überwiegend von Männern ausgeübt, sie trifft auch überwiegend Männer. Mit der Konzentration auf den männlichen Täter verschwindet das männliche Opfer meist aus dem Blickfeld. Durch die Identifikation der meisten Männer und Jungen damit, wie ein ‚echter Mann’ und ein ‚echter Junge’ zu sein hat, verschwindet die widerfahrene Gewalt aus dem Bewusstsein des Opfers und wird als Normalität männlichen Lebens empfunden. Auf der Grundlage der ersten deutschen Pilotstudie über Gewalt gegen Männer verschaffen die Autoren einen Überblick über die Gewalt, die Männern in Deutschland als Erwachsene, als Kinder und als Jugendliche widerfährt. Gewalt im Zusammenhang mit Krieg und Vertreibung wie auch auf Gewalt im Militär kommen ebenso zur Sprache. Durch zahlreiche Interviewausschnitte und Fallgeschichten werden die gefundenen Ergebnisse illustriert. Gewalt gegen Männer und Jungen wird dadurch plastisch und erfahrbar. Mit der Studie und dem vorliegenden Buch wird erstmals versucht, das Thema umfassend zu beleuchten. Die Autoren greifen dabei nicht nur auf Daten der eigenen Untersuchung zurück, sondern geben auch einen Überblick über die Forschungslage in den einzelnen Feldern. Sie skizzieren die Lücken der bestehenden Forschung und geben einen Ausblick auf einen Handlungsbedarf von Politik, Forschung und praktischer Unterstützung für männliche Gewaltopfer.
Zielgruppe
Forscher/innen, Wissenschaftler/innen im Bereich Geschlechterforschung, Gewaltforschung, Männerforschung, Praktiker/innen im Bereich Intervention bei Gewalt gegen Jungen und Männern, Praktiker/innen im Bereich Gewalt gegen Mädchen und Frauen, Journalist/inn/en, Medien, Männer, die selbst Gewaltopfer sind, Partner/innen von männlichen Gewaltopfern
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Sozialwissenschaften Soziologie | Soziale Arbeit Soziale Gruppen/Soziale Themen Gender Studies, Geschlechtersoziologie
- Sozialwissenschaften Soziologie | Soziale Arbeit Spezielle Soziologie Kriminalsoziologie
- Sozialwissenschaften Soziologie | Soziale Arbeit Soziale Gruppen/Soziale Themen Gewalt und Diskriminierung: Soziale Aspekte
Weitere Infos & Material
In den letzten Jahrzehnten hat sich ein öffentliches Bewusstsein für die Notwendigkeit entwickelt, Gewalt gegen Frauen entgegenzutreten und Kindern das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zu sichern. Qualitative und quantitative Forschungen haben viele Dimensionen dieser Probleme und ihrer Folgen erkennen lassen. Deren Ergebnisse sind in eine verbesserte Praxis, auch auf kriminalpolitischer Ebene, wie auch in vermehrte Kooperation eingeflossen und haben zu einer Sensibilisierung im Umgang mit den Opfern beigetragen. Um eine solide Datenbasis zu gewinnen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine große repräsentative Studie zu Gewalt an Frauen durchführen lassen.
Dem gegenüber blieben Männer als Opfer bislang weitgehend unberücksichtigt. Zu sehr wurde ihnen die Täterrolle zugeschrieben, was es oft schwer machte, auch die "andere Seite", den Mann als Opfer von Gewalt und Missbrauch zu sehen. Hinzu kam, dass die Diskussion über Gewalt an Männern sehr schnell und oft einseitig auf "Partnerschaftsgewalt" reduziert wurde. Die "normale" Erwartung, dass Männer sich zur Not mit den Fäusten verteidigen können sollen, dass sie also Schläge austeilen und (klaglos) einstecken, wurde bislang nicht in Frage gestellt; andere Formen wie psychische und sexuelle Gewalt wurden kaum wahrgenommen.
Umso erfreulicher ist es, dass durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend parallel dazu eine (nicht repräsentative) Pilotstudie zu Gewalt an Männern in Auftrag gegeben wurde, um erste Hinweise auf das Ausmaß und die Formen der Gewalt gegen Männer zu erhalten und um ein Instrument für eine mögliche repräsentative Studie zu erstellen. Die Ergebnisse dieser Studie werden in diesem Buch vorgestellt. Da man hier weitgehend Neuland betrat und das Thema aufgrund vorherrschender "Mythen" und falscher Vorstellungen nur schwer objektiv zu erfassen ist, war es wichtig, eine solche Studie inhaltlich und vor allem auch methodisch gut vorzubereiten, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Neu an dieser Studie war aber auch, dass das Thema aus verschiedenen, auch häufig kontrovers zu einander stehenden Perspektiven diskutiert wurde.
In der Forschergruppe waren Kompetenzen und Erfahrungen in der praktischen Männerbildungsarbeit, in der kritischen Männerforschung und in der Surveyforschung aus verschiedenen Einrichtungen zusammen gekommen. Zur Beratung wurden wir als Wissenschaftlicher Beirat berufen, um aus den Perspektiven der parallel stattfindenden Prävalenzstudie zu Gewalt gegen Frauen, der wissenschaftlichen Begleitung zu neuen Ansätzen der Interventionspraxis, der allgemeinen Opferforschung und der Forschung zu Gewalt gegen Jungen und Mädchen die Durchführung der Studie zu unterstützen.
All diese Sichtweisen in einem gemeinsamen fortlaufenden Gespräch mit einander zu verbinden, war eine große Herausforderung. Die Arbeit im Beirat bedeutete einen teilweise nicht unerheblichen Zeitaufwand, wir erlebten sie aber auch als eine hervorragende Möglichkeit, aus den Diskussionen selbst zu "profitieren". Die Auseinandersetzungen zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Gruppen - dem Ministerium, den Forschern und dem Beirat - verliefen stets sehr fruchtbar. Es war eine anregende und wertvolle Erfahrung, als Beirat aus Frauen und Männern mit ganz unterschiedlichen Bereichen des Engagements eine solche Studie zu begleiten. Wir haben den Eindruck, dass nicht allein ein bisher zu Unrecht vernachlässigtes Thema beleuchtet, sondern auch eine neue Diskussionskultur erprobt wurde, die künftig eine breitere gemeinsame Verantwortung für die Überwindung von Gewalt in allen Lebensbereichen einfordern kann.
Inzwischen ist die Pilotstudie mit einem beachtlichen Gewinn an neuen Erfahrungen und wichtigen ersten Ergebnissen abgeschlossen. Diese machen deutlich, wie wichtig es ist, in künftigen Forschungen auch Gewalt gegen Männer anhand repräsentativer Stichproben der männlichen Bevölkerung angemessen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse dürften wesentlich dazu beitragen, die Situation von männlichen Opfern von Gewalt, ähnlich wie das vor Jahrzehnten mit weiblichen Gewaltopfern der Fall war, mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und damit auch den Zugang zu Hilfsmöglichkeiten zu erleichtern.
Dr. Dirk Bange, Prof. Dr. Carol Hagemann-White, Prof. Dr. Barbara Kavemann, Prof. Dr. Helmut Kury, Dr. Monika Schröttle




