Buch, Englisch, Deutsch, 120 Seiten, Format (B × H): 240 mm x 210 mm, Gewicht: 650 g
Hartmut Kiewert
Buch, Englisch, Deutsch, 120 Seiten, Format (B × H): 240 mm x 210 mm, Gewicht: 650 g
ISBN: 978-3-69216-007-8
Verlag: BUCHWERK am Kämpfelbach
Im Idealfall vermag Kunst, die grundlegenden Ordnungen sichtbar werden zu lassen, unter denen unser gesellschaftliches Zusammenleben stattfindet. Gerade die figurative Malerei besitzt bis heute die besondere Fähigkeit, komplexe Verhältnisse bildhaft zu verdichten, ohne sie letztlich auflösen zu müssen. Die Malerei zeigt nicht nur, was wir sehen, sondern macht erfahrbar, wie wir etwas sehen. In einer Zeit beschleunigter Bildproduktion und permanenter medialer Überlagerung behauptet sich die gegenwärtige figurative Malerei erneut als ein Medium der stillen Konzentration, einer notwendigen Verlangsamung des Sehens und vor allem einer authentischen künstlerischen Haltung.
Das Werk von Hartmut Kiewert bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Seine Bilder sind ruhig, kontrolliert und von einer detailreichen kompositorischen Strenge, die sich einer schnellen Lesbarkeit widersetzt. Sie entfalten ihre Wirkung nicht durch dramatische Gesten oder expressive Übersteigerung, sondern durch eine konsequente Ordnung von Raum, Figur und Farbe. Die Malerei von
Hartmut Kiewert fordert unseren Blick heraus, indem sie ihn nicht lenkt, sondern einlädt, im Bildraum zu verweilen.
Im Zentrum seiner Malerei steht das Verhältnis von Menschen und Tieren – jedoch nicht als erzählerisches Motiv oder moralische Illustration, sondern als bildnerische Konstellation. In den Bildern von Hartmut Kiewert begegnen sich Mensch und Tier in einem gemeinsamen Bildraum auf Augenhöhe. Auffällig ist dabei, dass keiner der dargestellten Protagonisten eine hierarchisch hervorgehobene Position einnimmt. Weder der Mensch noch das Tier fungieren als Zentrum seines Bilduniversums. Beide sind gleichrangig in eine universelle Ordnung eingebunden. Man denkt unwillkürlich an einen profanierten Garten Eden, den Hartmut Kiewert mit der Ästhetik der Kunst im Diesseits bildhaft rekonstruiert.
Die Gleichrangigkeit von Tieren und Menschen ist bei Hartmut Kiewert nicht nur eine inhaltliche Behauptung, vielmehr das Ergebnis präziser malerischer Entscheidungen. Der Künstler verzichtet konsequent auf eine psychologisierende Zuspitzung, auf eine individuelle Dramatisierung oder moralische Aufladung. Die Figuren bleiben in sich geschlossen, die Beziehungen untereinander zurückgenommen. Es gibt kaum Gesten, kaum Blickkontakte, kaum erzählerische Hinweise. Stattdessen entsteht das Klima einer wortlos solidarischen Koexistenz seiner Protagonisten. Die Malerei von Hartmut Kiewert steht damit in einer Tradition figurativer Bildauffassungen, die den Menschen nicht mehr selbstverständlich als Maß aller Dinge begreift. Ohne dogmatisch zu werden, unterläuft er jene tradierte Bildlogik, die den Menschen historisch in den Mittelpunkt der Darstellung stellt und das Tier nur als Beiwerk, Symbol oder Staffage behandelt. In seinen Bildern ist das Tier kein Attribut, keine Allegorie oder bloße Dekoration. Seine Tiere sind ebenso bildgegenwärtig wie die Menschen.
Es ist eine gelebte Haltung, die sich bei Hartmut Kiewert nicht nur auf seine Bildthemen beschränkt, sondern bis in die materielle Praxis der Malerei selbst reicht. Hartmut Kiewert lebt vegan und fühlt sich dem Tierrecht in besonderer Weise verpflichtet. Diese Überzeugung hat auch unmittelbare Konsequenzen für seine Arbeitsweise: Er verzichtet konsequent auf alle tierisch basierten Materialien, wie sie in der Malerei traditionell verwendet werden, und überführt seine ethische Haltung in eine reflektierte, zeitgemäße malerische Praxis. Hier zeigt sich eine formale Konsequenz, die nicht etwas im Bild behauptet, sondern in einer alltäglichen Lebenspraxis ihren Ursprung hat.
Zielgruppe
Alle




