Keller | Rekonstruktion von Vergangenheit | Buch | 978-3-531-12864-1 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 271 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 361 g

Keller

Rekonstruktion von Vergangenheit

Vom Umgang der "Kriegsgeneration" mit Lebenserinnerungen
1996
ISBN: 978-3-531-12864-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Vom Umgang der "Kriegsgeneration" mit Lebenserinnerungen

Buch, Deutsch, 271 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 361 g

ISBN: 978-3-531-12864-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften


Gegenstand dieser Arbeit ist der Zusammenhang von Lebenserinnerungen und Zeitgeschichte in subjektiven Rekonstruktionen miterlebter Epochen. Untersucht werden Aspekte des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit, der Funktion von Erinnerungen. Von Interesse ist hier nicht die Frage, ob die Rekonstruktionen wahr oder glaubwürdig sind. Im Zentrum der Unter­ suchung steht die Frage, welche Inhalte in den erzählten Erinnerungen the­ matisiert werden, wie diese strukturiert sind, welche subjektive Bedeutung diese Erinnerungen heute haben und welche Funktion bestimmten Erinne­ rungsgeschichten zukommt. Autobiographische Erinnerungen sind zwar zunächst rein persönli­ che Angelegenheiten, doch können erzählte Erinnerungen an vergangene Ereignisse nicht losgelöst von zwischenzeitlichen Erfahrungen und von ge­ sellschaftlichen Entwicklungen gesehen werden. Individuelle Erinnerungen sind eingebettet in die sozialen Zusam­ menhänge der engeren persönlichen und der weiteren gesellschaftlichen Umwelt detjenigen, die sich erinnern. Zur engeren persönlichen Umwelt zählen die Familie, der Freundeskreis. Mit der weiteren gesellschaftlichen Umwelt sind die Medien gemeint, die allgemein verfiigbare Darstellungen und Deutungsmuster anbieten. Weder die persönliche Umwelt noch der ge­ sellschaftliche Kontext sind feste Größen. Beide wandeln sich ständig und mit ihnen die individuelle Erinnerung, die von ihrem Rahmen beeinflußt wird, aber auch ihrerseits auf ihn zurückwirkt.

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Weitere Infos & Material


1. Autobiographisches Gedächtnis.- 1.1. Die Untersuchung des autobiographischen Gedächtnisses in der Psychologie.- 1.2. Das “klassische” Erkenntnisinteresse: Die Zuverlässigkeit des autobiographischen Gedächtnisses.- 1.3. Die ökologische Erweiterung: Funktionen des Erinnerns im Kontext der Gegenwart.- 1.4. Erinnern und Perspektivität.- Zusammenfassung.- 2. Die soziale Verfaßtheit von Erinnerungen.- 2.1. Erinnern und Identität.- 2.2. Individuelle Erinnerungen und Geschichte.- 2.3. Entwicklung des Erinnerns im Verlauf der Lebensspanne.- 2.4. Erinnerungen im Alter.- 2.5. Autobiographisches Erinnern im historisch-sozialen Kontext.- Zusammenfassung.- 3. Sprache und Veränderung.- 3.1. Realitätskontrolle durch Sprachlenkung oder Wiedersehen mit Orwell.- 3.2. Der Diskurs und die Subjekte: Wer spricht?.- 3.3. Diskurswandel: Wer behält das Wort?.- 3.4. Wechselnde Repertoires und die Artikulation der persönlichen Erfahrung.- 3.5. Sozialer Kontext, öffentlicher und privater Diskurs.- 3.6. Wechselrahmen und Kippfiguren: Veränderte Bewertungen zeitgeschichtlicher Epochen und Kontinuität in individuellen Lebenserzählungen.- 3.7. Individuelle Rekonstruktionen im sozialen Rahmen.- 3.8. Die Suche nach Verständigung im Gespräch.- Zusammenfassung.- 4. Erinnern und Ablegen von Rechenschaft.- 4.1. Der Ausgangspunkt: Erklärungen für Delinquenz.- 4.2. Die Erweiterung: Abweichendes Verhalten begründen.- 4.3. Account-Typologien.- 4.4. Ein Validierungsversuch.- 4.5. Wann wird Rechenschaft verlangt?.- 4.6. Ansätze zur Erweiterung der Fragestellung.- 4.7. Ein transaktionales Account-Modell.- 4.8. Erzählen und erklären, beschreiben und begründen.- Zusammenfassung.- 5. Sprechen und Erinnern: Erzählungen über das eigene Leben während des III. Reiches und des II.Weltkrieges.- 5.1. Die neuere deutsche Geschichte als Anliegen der Oral History.- 5.2. Erzählkultur und Generationenkonflikt: Erkenntnisse aus der Erzählforschung.- 5.3. Psychotherapeutische Beobachtungen zum innerfamiliären Umgang mit der Zeitgeschichte.- 5.4. Frageverbot oder Enthüllungsverbot?.- 5.5. Unterschiedliche Perspektiven auf “moralische Situationen”.- 5.6. Zeit zum Erinnern: Enttabuisierung des NS als Gesprächsthema?.- Zusammenfassung.- 6. Rekonstruktionen von Vergangenheit: Die Interviews.- 6.1. Vorbemerkung zur Gretchenfrage der empirischen Sozialwissenschaften oder Wie hältst du’s mit den Daten?.- 6.2. Der Interviewleitfaden.- 6.3. Die Befragten.- 6.4. Aufzeichnung und Analyse.- 6.5. Darstellung.- Zusammenfassung.- 7. Rekonstruktionen von Vergangenheit: Die Interviews.- 7.1. Gesprächsverläufe.- 7.2. Ereignisse.- 7.3. Geschichten und andere Textsorten.- 7.4. Geschichten.- Zusammenfassung.- 8. Beschäftigung mit Erinnerungen.- 8.1. Anlässe und Funktionen.- 8.2. Innerpsychische Motive.- 8.3. Gezielte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.- Zusammenfassung.- 9. Der soziale Kontext im privaten Diskurs.- 9.1. Der Dialog zwischen den Generationen über die Zeit des Dritten Reiches.- 9.2. Rechenschaft, korrektive Sprechhandlungen und moralische Situationen.- 9.3. Umgangsweisen mit “moralischen Situationen”: Gegenwehr und Perspektivenübernahme.- 9.4. Das Gespräch mit Angehörigen der eigenen Generation.- Zusammenfassung.- 10. Der soziale Kontext im öffentlichen Diskurs.- 10.1. Der öffentliche Diskurs in den Berichten der Befragten.- 10.2. Wechselwirkungen.- Zusammenfassung.- 11. Nationalsozialistische Verbrechen.- 11.1. Was wußten die Menschen?.- 11.2. Wissen und Verantwortung.- Zusammenfassung.- 12. Retrospektive auf dasVerhältnis zu jüdischen Mitbürgern.- 12.1. Wissen um Diskriminierung und Verfolgung in den berichteten Erinnerungen.- 12.2. Antisemitische Stereotypen und Vorurteilsgeschichten.- 12.3. Vorurteilsgeschichten: Zwei Arten der Belegerzählung.- 12.4. Antisemitische Stereotypen aus dem Alltagswissen.- 12.5. Andere Perspektiven.- 12.6. Heutige Beziehungen.- Zusammenfassung.- 13. Wie konnte es dazu kommen? Auf der Suche nach Erklärungen.- 13.1. Explanatorische Rahmen.- 13.2. Rehabilitationen.- 13.3. Entschuldigungen.- 13.4. Rechtfertigungen.- 13.5. Arten von Schuld.- 13.6. Träger von Verantwortung.- Zusammenfassung.- 14. Was bleibt — Zusammenfassung.- Literatur.


Dr. phil. Dipl.-Psych. Barbara Keller promovierte mit dieser Arbeit. Forschungsinteressen: Autobiographisches Gedächtnis und Erinnerungsgestaltung, Altern und Umwelt, Frauenforschung.



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