Buch, Deutsch, 188 Seiten, PB, Format (B × H): 135 mm x 210 mm
Roman
Buch, Deutsch, 188 Seiten, PB, Format (B × H): 135 mm x 210 mm
ISBN: 978-3-88081-518-6
Verlag: éditions trèves
Richard Breitenbachers Geburt ist nur bedingt ein freudiges Ereignis, seine Zeugung auf der Parkbank im Volksgarten war ein Versehen.
Es ist die Zeit des Umbruchs und des Aufbruchs. Die Kinderjahre der zweiten deutschen Republik sind auch Richards Kinderjahre. Das Geschehen ist angesiedelt in den Fünfzigerjahren, überwiegend in der Stadt Mönchengladbach. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Mietshaus mit fünf Mietparteien. Hier in der Enge der großelterlichen Wohnung und in der Weite eines verwilderten Gartens verbringt Richard sein Leben - während die Eltern arbeiten, sich bald auseinanderleben und neuen Tagträumen und Lebenslügen nachjagen.
Das Mietshaus ist Dreh- und Angelpunkt eines vielschichtigen Geschehens. Der Autor beschreibt das psychosoziale Biotop dieses Hauses mit einem scharfen Blick für die Schwächen, aber auch die Stärken der Menschen, die hier leben und arbeiten, lieben und leiden. Er zeichnet ohne Schuldzuweisung augenzwinkernd und in kurzweiliger Prosa ein Panoptikum deutschen Nachkriegslebens, das angesiedelt ist zwischen Tragik und Komik. Das Leben pfeift dabei auf jeden Ernst, denn alles ist flüchtig: das Glück, das Leid, die Liebe, der Hass. Und nicht zuletzt das Leben selbst, dem niemand unschuldig entkommt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Der alte Breitenbacher
Breitenbachers Herz versagte an einem heißen Sommertag. Eine Schar halbnackter Kinder saß im Hausflur auf der Treppe und sah einem seltsamen Schauspiel zu, in dem Breitenbacher ungewollt und unversehens eine tragende Rolle spielte.
Eines der Kinder rannte los und hämmerte schreiend an Scholtens Tür.
"Tante Scholten! Schnell!"
Breitenbacher lag rücklings im Treppenhaus auf dem Boden und rührte sich nicht. Helga Scholten tastete nach seinem Handgelenk und als sie keinen Puls fand, lief sie, da es im ganzen Haus kein einziges Telefon gab, die hundert Schritte hinüber zu Doktor Henkelmann.
"Der alte Breitenbacher?"
Doktor Henkelmann entfernte die Luftmanschette vom Oberarm eines spindeldürren glatzköpfigen Mannes, der Helga Scholten aus gequälten Augen anstarrte, und setzte seufzend das Stethoskop ab.
"Tot?"
Helga zuckte ratlos mit den Schultern.
"Er liegt im Treppenhaus und rührt sich nicht. Kann sein, dass er noch lebt!"
Doktor Henkelmann griff nach seiner Tasche und rannte mit wehendem Kittel los.




