Buch, Deutsch, 136 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 270 mm, Gewicht: 700 g
ISBN: 978-3-99028-731-6
Verlag: Bibliothek der Provinz
Carry Hauser wohnte in der Tiroler Gasse 1 in Wien-Hietzing, in einem Biedermeierhaus, an dem heute eine Gedenktafel an den Ku¨nstler erinnert. Sein Sohn ließ das Atelier unverändert, weshalb ich bei meinen Besuchen an jenen Tischen und Stu¨hlen saß, an denen Carry Hauser zu Lebzeiten Freunde empfing und seine Tagesroutine pflegte. Aufstehen und Malen, Mittagessen und anschließende Rast, nachmittags wiederum Zeichnen und Schreiben, Empfangen von Freunden und Gästen sowie die Teilnahme an Kunst- und Kulturveranstaltungen. Hauser war ein fleißiger Ku¨nstler, wie nicht nur die vorliegenden Arbeiten, sondern auch die im Werkverzeichnis dokumentierten, zeigen.
In diesem Verzeichnis schreibt Frau Dr. Cabuk treffend, dass der Ku¨nstler in seiner Kunst auf Zeitereignisse reflektiert. Mir wurde jedoch durch die vielen Besuche in Hausers Wohnung und Atelier, zwischen Grafikstapeln, Bildern und Bu¨chern, umgeben von persönlichen Gegenständen, der Blick vor allem auf das Autobiografische und Persönliche geschärft. Bedingt durch die Gespräche mit dem Sohn schiebensich deshalb fu¨r mich immer wieder private Fotos und persönliche Geschichten zum Ku¨nstler vor, wenn ich dessen Bilder betrachte.
Ich sehe die Fotos des jungen Mannes und Soldaten, der sich in seinen fru¨hen Bildern mit ihn prägenden Personen und Erlebnissen auseinandersetzt: Seinen Eltern und Großeltern, dem Krieg, in dem sein Bruder fällt, und der eigenen, erwachenden Sexualität. In enger Schrift schreibt er Briefe an seine Eltern und fu¨hrt Tagebuch, während er in seinen Holzschnitten und Tuschezeichnungen seine Träume dokumentiert und sich mit Spielarten der Liebe beschäftigt. Mit ambivalenten Gefu¨hlen geht er von Wien aufs Land, nach Hals bei Passau, wo seine Kunst eine spirituelle Wende erfährt. Er heiratet 1922, seine Mädchen werden zu Madonnen, die Lustobjekte religiös sublimiert. Zuru¨ck in Wien und innerlich gefestigter, baut er sich sein Netzwerk auf. Arthur Roessler und Franz Theodor Csokor stehen stellvertretend fu¨r Literaten, Ku¨nstler und Kunstkritiker. Neben dem Malen ist ihm seine Organisationstätigkeit im Hagenbund ebenso wichtig. 1934 markiert die Geburt seines Sohnes Heinz einen Höhepunkt, liebevoll gestaltete Klapphefte und Fotobu¨chlein dokumentieren dies. Thematisch stehen in seiner Kunst von da bis in die späten 50er Jahre die Themen Familie und Religion im Mittelpunkt seines Schaffens.
Ein Gutteil der Arbeiten im Nachlass besteht aus diesem Werkblock und zwei der monumentalsten Arbeiten Hausers zierten rechts und links den Durchgang vom Wohnzimmer zu seinem Atelier: Der Heilige Lukas als Schutzpatron der Maler und der Heilige Johannes als Schutzpatron der Dichter.




