Popkünstlerinnen der Gegenwart greifen auf volkstümlich-religiöse Ausdrucksformen des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits Richard Wagner propagierte zu jener Zeit, dass Kunst an die Stelle von Religion treten könne. Im 21. Jahrhundert macht sich die Unterhaltungskultur dieses Ansinnen zu eigen und steigert ihren Publikumserfolg: Museen werden zu Heiligtümern spiritueller Performance, Kirchen zu Orten popmusikalischer Glaubensbekenntnisse, Theaterbühnen zu Startrampen der Himmelfahrt. Künstlerinnen der Gegenwart wie Madonna oder Marina Abramovic lassen sich als postmoderne Heilige verehren und versprechen mit ihren Auftritten transzendente Erfahrung. Lourdes, der Name von Madonnas Tochter verweist auf jene Marienerscheinung, die seit Jahrhunderten Massen von Pilgern anzieht. In den heiligen Hallen des New Yorker Museum of Modern Art lässt sich Marina Abramovic, die Mother of Performance, wie die Gottesmutter verehren, die einst in der Grotte von Lourdes den Gläubigen erschien.
Das Buch verfolgt die Frage, wie eine marianische Praxis des 19. Jahrhunderts erheblich dazu beitragen kann, dass sich zeitgenössische Populärkultur mit ihrer Hilfe religiös zu inszenieren und genau damit ihr Publikum zu erreichen vermag. Medien der Literatur, des Films, der Performance-Art und des Internets spielen in diesen Inszenierungen des Heiligen eine zentrale Rolle. So entwickelt sich eine Populärkultur, in der jenseits kirchlicher Funktionen eine Elite von Stars Aufgaben scheinbar religiöser Sinnstiftung übernimmt, zugleich aber auf Ruhm und ökonomischen Gewinn abzielt.
Lamott
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Franziska Lamott studierte Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, promovierte anschließend in Tübingen und habilitierte sich in Klagenfurt. Nach einer Gastprofessur in Basel lehrte und forschte sie als Professorin an der Universität Ulm. Ihre interdisziplinäre Forschungsarbeit bewegt sich zwischen Psychoanalyse und Kriminologie, Kultur- und Filmanalyse. Sie ist als Autorin, Gruppenanalytikerin und Supervisorin tätig und lehrt an der International Psychoanalytic University Berlin.