Buch, Deutsch, 212 Seiten, PB, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 340 g
Buch, Deutsch, 212 Seiten, PB, Format (B × H): 148 mm x 210 mm, Gewicht: 340 g
ISBN: 978-3-9503223-9-2
Verlag: Leitgeb, Norbert, Dr.
Norbert Leitgeb ist es wieder gelungen, in seinen Gedichten und Kurzgeschichten auf unterhaltsame Weise die Tücken des Alltags und der Gesellschaft aufs Korn zu nehmen. Er behandelt die Erlebnisse des Freundes Joschi mit seiner Freundin und als Künstler, der die Künste durch kompromisslose Minimalistik revolutioniert. Er schildert Joschis Freuden und Leiden als Erfinder von bahnbrechenden Patenten über den Imaginationsverstärker, die Entblödungskur, den Zeitflussentzerrer, die Entschwererkleidung, die Lichtscheintragetasche, den Faktenkonverter und sogar, als optimale Lösung für den Alltagsstress, den Egoplexer, mit dessen Hilfe er sich und andere, allerdings nicht ohne Tücken, vervielfacht. Er schildert, das Gespräch eines Lehrers mit Petrus, wie Gott die Schattenseiten des Herrgottberufes beklagt, erstellt eine Mängelliste der Schöpfung und erzählt am Beispiel Josefs vom bitteren Los eines Nährvaters, von den Erfahrungen mit einem High- Tech- Weihnachtsbaum, aber auch von der ungewohnten Freude des Teufels am Schenken. Darüber hinaus handeln heiter- besinnliche Kurzgeschichten z.B. von Joschis Kusstherapie auf Krankenschein, seine Lösungen für sein Gewichtsproblem, dem Wahrheitsverkäufer und von Weifowi, dem Alljahresfest.
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kein Deal
Er schwärmt „du bist so wunderschön.
Ach, lass dich ohne Plunder sehn!“
Sie wär, meint sie, nicht abgeneigt,
wenn er erst, was er hat, ihr zeigt.
Sie stiege zwar aus dem Gewand,
doch nur für Bares auf die Hand.
Ich geb’ mein Herz, sprach er, zum Pfand
und mein Gefühl!
Worauf sie spricht
„närrischer Wicht,
das klimpert nicht!“
Darum kam dann der beiden Deal
am End doch nicht zustand.
Schwierige Therapie
Die Untersuchungen waren abgeschlossen, die Blutwerte analysiert, der Blutdruck gemessen und die Brust abgehorcht. Es musste doch einen Grund geben für seine Herzbeschwerden, so konnte es doch nicht wei-tergehen.
Ängstlich schaute Joschi zum Arzt. „Wie lange geben sie mir noch?“
Der blickte ihn ernst an, nahm nochmals die Laborbefunde zur Hand und wiegte schweigend den Kopf.
„Ist es sehr schlimm?“ setzte Joschi nach.
„Nun ja, alle Anzeichen sprechen dafür. Die Symptomatik ist typisch. Die Mangelerscheinungen sind nicht zu übersehen.“
„So sagen sie doch, was habe ich denn, oder besser, was fehlt mir?“
„Nun, ich muss ihnen leider mitteilen, dass ich eine gravierende amourö-sen Dysfunktion feststellen muss.“
„Herr Doktor! Das ist ja schrecklich. Warum denn ausgerechnet ich? Ich habe doch immer gesund gelebt. Aber sagen sie, was ist das eigent-lich?“
„Nun, man könnte es auch als hypoemotionale Zustandsstörung be-zeichnen, die sich in einer psychosomatischen Kasuistik manifestiert.“
„Aha.“
Stille.
Joschi dachte nach. „Und was heißt das genau?“
„Nun“, räusperte sich der Arzt und schaute entnervt zur Decke, „laien-haft und daher etwas unscharf ausgedrückt, leiden sie unter einem emo-tionalen Defizit, einem chronisch gewordenen Zuwendungsmangel, sozusagen, der zu einer manifesten somatischen Entgleisung geführt hat.“
„Das klingt ja schrecklich! Herr Doktor, gibt es noch Hoffnung?“
„Nun, wie ich schon sagte, es fehlt ihnen an Zuwendung, und das meine ich nicht finanziell, sondern emotional.“
„Ja, lässt sich da noch etwas machen? Gibt es noch Rettung?“
„Ja“, meinte der Arzt bedächtig. „Sie haben Glück. Es gibt da tatsächlich eine Therapie.“ Dabei schrieb er etwas auf.
„Hier, nehmen sie das Rezept. Vorerst einmal 3x täglich. Damit sollte sich ihr Zustand bessern. Kommen sie in 4 Wochen zur Kontrolle wieder vorbei, dann werden wir weiter sehen.“
Betroffen stand Joschi nun da. Er spürte am Rücken noch den Druck der Hand, mit der er aus der Ordination hinausgeschoben worden war, noch ehe er hatte Näheres erfragen können. Aber immerhin hatte er ja das Rezept.
In der Apotheke und schob Joschi das Rezept verstohlen über die The-ke.
„Aha, Kusstherapie“, las die Apothekerin laut vor, „drei Mal täglich.“
Dann rief sie durch das Geschäft ihrer Kollegin zu „heh, Sabine, schon wieder einer, dem eine Kusstherapie verschrieben worden ist!“
Verschämt blickte Joschi zu Boden. Sein Gesicht war tiefrot angelaufen. Verwundert drehten sich die Anwesenden nach ihm um und musterten ihn von oben bis unten mit teils verwunderten, teils amüsierten Blicken. Armer Teufel, schienen ihre Mienen zu sagen.
Wieder zu Joschi gewandt, fragte nun die Apothekerin „sind sie zusatz-versichert?“
Verschüchtert konnte er nur wortlos den Kopf schütteln.
„Das macht aber die Sache nicht einfacher. Kusstherapie mit Frischküs-sen gibt es nämlich nur bei Zusatzversicherung“, belehrte sie ihn.
„Aber machen sie sich nichts draus. Unsere Kusstherapeutin ist derzeit ohnedies nicht verfügbar und ihr männlicher Kollege arbeitet nur in Teil-zeit. Wie ich sehe, gingen sich da die vorgeschriebenen Verabrei-chungszeiten ja gar nicht aus. Wenn ihnen diese Lösung überhaupt zu-sagen würde, wenn sie verstehen, was ich meine.“
„Und eine andere Alternative, ich meine, jemand anders könnte das nicht übernehmen?“ fragte Joschi.
„Aber wo denken sie hin! Das geht auf gar keinen Fall. Jemand anders wäre dazu ja fachlich gar nicht qualifiziert. Es ist uns streng verboten, ungeprüfte Heilmittel abzugeben. Deshalb gibt es ja zertifizierte Fach-kräfte. Sonst könnte das ja jeder machen. Aber Dilettanten haben bei uns im Heilberuf nichts verloren, aber schon gar nichts!“
„Ist das denn wirklich so wichtig?“
„Aber selbstverständlich! Ein Therapiekuss, müssen sie wissen, muss ja strengen Kriterien genügen. Da sind die genauen Vorgaben hinsichtlich Anpresskraft, Kontaktfläche, Saugdruck und Kussdauer penibel einzu-halten. Zungenkontakte sind dabei selbstverständlich nicht vorgesehen. Das lassen die hygienischen Auflagen keinesfalls zu.“
„Aber, wie sie bestätigt haben, sind sie ja ohnedies nicht zusatzversi-chert. Da stehen Ihnen sowieso keine Frischküsse zu.“
„Sondern?“ fragte Joschi erstaunt.
„Für Kassepatienten haben wir Trockenküsse vorrätig.“
„Trockenküsse?“ wiederholte Joschi ungläubig.
„Ja, Trockenküsse, in Form von Kussblättern. Einundzwanzig Stück pro Packung. Das reicht in der Regel für eine Woche.“
„Kussblätter? Das verstehe ich nicht.“
„Ja, Kussblätter. Von ausgebildeten Fachkräften qualitätsgesichert be-küsste und einzeln hygienisch verpackte Kussblätter. Die Krankenkas-senausführung blank, gegen Aufpreis auch mit Lippenstiftabdruck.“
„Und das funktioniert?“
„Aber natürlich tut es das. Die Verabreichung ist ganz einfach: Blatt aus der Hülle nehmen, wie vorgeschrieben, fünf Sekunden lang auf die Lip-pen drücken und fertig! Doch wenn ich Ihnen einen Rat geben darf – wenn sie das Blatt in ihrer Hand etwas vorwärmen, fühlt es sich noch besser an. Anschließend einfach mit dem Hausmüll entsorgen.“
„Und das hilft?“ fragte Joschi ungläubig.
„Wollen sie damit etwa andeuten, sie zweifeln an der Wirksamkeit unse-rer Therapeutika?“ fuhr ihn die Apothekerin an ...




