Buch, Deutsch, 252 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm, Gewicht: 665 g
Dichter und Dichtung in der Byzantinischen Kunst
Buch, Deutsch, 252 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm, Gewicht: 665 g
Reihe: Spätantike – Frühes Christentum – Byzanz
ISBN: 978-3-7520-0899-9
Verlag: Reichert Verlag
Im ersten Teil werden die Hymnographen hinsichtlich ihrer Vita, Ikonographie, Kleidung und typischen Gesten untersucht. Auf dieser Grundlage werden jene Charakteristika herausgearbeitet, durch die sie im Bild als Hymnographen identifizierbar sind, insbesondere spezifische Sängergesten und charakteristische Kopfbedeckungen.
Der zweite Teil widmet sich den Bildkontexten, in denen Hymnographen auftreten. Eine zentrale Erkenntnis ist ihre enge Verbindung zu sepulkralen Räumen und Stiftungen: Häufig erscheinen sie in diesem Zusammenhang als „Totenwächter“, die den verstorbenen Stifter im beständigen Gottesdienst begleiten und dessen Rechtgläubigkeit bezeugen. Weitere Bildtypen zeigen Hymnographen als Vermittler neutestamentlicher Szenen, insbesondere in der Koimesis-Ikonographie. Sie kommentieren das Geschehen aus dem Bild heraus und verbinden liturgische Erfahrung, visuelle Darstellung und theologische Reflexion. Dadurch werden sie zu Brückenfiguren zwischen Diesseits und Jenseits sowie zwischen Betrachter und Bildinhalt. Besonderes Augenmerk gilt dabei den stets individuell ausgewählten Texten auf ihren Schriftrollen, die nicht nur als Identifikationsmerkmale dienen, sondern aktiv in die Bildaussage eingreifen, indem sie dargestellte Szenen deuten, vertiefen und kommentieren. Die Hymnographen erscheinen so als visuelle Verkörperungen der gesungenen liturgischen Dichtung und tragen wesentlich zur performativen Aufladung des Kirchenraums bei.
Im Fazit interpretiert die Arbeit die Funktion der Hymnographen im Sinne eines byzantinischen „Performatism“: Sie erzeugen durch Text, Gestik und Positionierung Bildräume, die den Betrachter aktiv in das liturgische Geschehen hineinziehen. Die Studie leistet damit einen neuen Beitrag zur Verbindung von Hymnographie, Liturgie und Bildkunst und zeigt auf, dass die Darstellung der Hymnographen ein bewusstes, theologisch hochcodiertes Element byzantinischer Monumentalmalerei ist.




