Loimeier | Die andere Seite der Geschichte | Buch | 978-3-68930-127-9 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 194 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 227 mm, Gewicht: 320 g

Loimeier

Die andere Seite der Geschichte

Der literarische Dialog zwischen Afrika, der Karibik und dem Westen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-68930-127-9
Verlag: Edition Text + Kritik

Der literarische Dialog zwischen Afrika, der Karibik und dem Westen

Buch, Deutsch, 194 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 227 mm, Gewicht: 320 g

ISBN: 978-3-68930-127-9
Verlag: Edition Text + Kritik


Sprechen wir über den Reichtum der Literaturen, die jenseits des Westens verortet werden.
Die andere Seite der Geschichte: Könnte ein Löwe sprechen, würde er die Geschichte einer Löwenjagd anders erzählen als der Löwenjäger. Würde Freitag sich zu Wort melden, klänge seine Geschichte anders als diejenige von Robinson Crusoe. Aber sollte Freitag sich zu Wort melden, wer würde ihm zuhören?

Schon seit Langem erheben Autorinnen und Autoren aus Afrika, der Karibik und aus Nordamerika ihre Stimmen und widersprechen dem Bild, das sich der Westen von diesen anderen Kulturen macht. Der vorliegende Band legt diese Korrekturen frei und verfolgt den Verlauf dieses noch immer überwiegend einseitigen literarischen Dialoges.
So schildert der in Australien lebende südafrikanische Nobelpreisträger J. M. Coetzee in seinem Roman "Mr. Cruso, Mrs. Barton und Mr. Foe" Freitag als entmündigten Menschen ohne Zunge, veranschaulichen US-Autoren wie Richard Wright oder Ralph Ellison in ihren Büchern, was sie von der Welt getrennt hält, in der sie leben, oder analysieren der Südafrikaner Niq Mhlongo und die Simbabwerin NoViolet Bulawayo, wie sehr sich die jeweiligen Illusionen voneinander gegenseitig bedingen.
Boubacar Boris Diop aus Senegal schreibt seit dem Völkermord in Ruanda nicht mehr auf Französisch, Gilbert Gatore aus Ruanda erfuhr mit seinem Roman über den Genozid weitgehend Ablehnung, weil er darin den Motiven der Täterpsyche nachspürt. Wie also müssen Autorinnen und Autoren aus Afrika schreiben, damit sie im Westen überhaupt wahrgenommen werden? Der Band erklärt diesen Selektionsprozess und beschreibt, wie die Lesegewohnheiten beeinflussen, wie und worüber geschrieben werden muss, um eine Chance auf Aufmerksamkeit zu haben. Das gilt für Chimamanda Ngozi Adichie aus Nigeria ebenso wie für ihren Landsmann Helon Habila, dessen Roman "Öl auf Wasser" besonders dann nachgefragt wurde, nachdem er als Krimi deklariert worden war.
Auch die Bilderwelt der deutschen Kolonialpolitik wirkt noch immer nach, und entsprechende Stereotype bestehen fort. Dass die Befreiung davon eine mentale Dekolonisierung beiderseits erforderlich macht, geht aus dem Werk von Ngugi wa Thiong’o hervor, der dafür mit dem Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet wurde. Sehr feinsinnig führen auch Autorinnen und Autoren wie Yvonne Vera und Christopher Mlalazi aus Simbabwe in ihren Romanen einen Blickwechsel herbei.

Loimeier Die andere Seite der Geschichte jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Inhalt

Vorwort

1 Facetten von Robinson Crusoe – durchgespielt in den Werken weiterer Schriftsteller

Derek Walcotts Weltbild

Wechsel der Perspektive

Wieder und wieder neugeschrieben

Kleiner Exkurs in die Unterpfalz, die Kurpfalz

Gegenwärtige Rezeptionen

Michel Tournier

Elizabeth Bishop

J. M. Coetzee

Patrick Chamoiseau

Lutz Seiler

Daniel Defoe als Kulturkritiker

Verweise

2 Freitag und der Protest gegen den Rassismus, formuliert von Autorinnen und Autoren der Harlem-Renaissance

Exkurs nach Barracoon

Gesehen wird nur die Gewalt

Leben als jemand anderes

Exkurs 1: Ernüchternde Entfremdung

Exkurs 2: Von der Sehnsucht nach einer Heimat in Afrika

Wegen der Hautfarbe getrennt

Verweise

3 Naming, Writing, Passing und der Prozess der Wortergreifung in Percival Everetts Roman "James"

Verweise

4 Die Literaturen der Karibik: Modelle zur Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft

Die Eroberung des Wortes

Anspielung auf Charlotte Brontës Roman

Das Motiv des Gestrandetseins

Alles ist mit allem verbunden

Wertschätzung des Lebens

Vergessene Avantgarde

Das Wesen der Antillität

Lob den Übersetzungen

Theorie der Kreolität

Lob der Mehrsprachigkeit

Verleugnetes Erbe

Akzeptanz der Kreolität

Begegnung der Kulturen

Verweise

5 Deutschlands vergessene Jahrzehnte: Das Deutsche Reich als Kolonialmacht und die Folgen für Gegenwart und Zukunft

Erster Schauplatz: Tansania

Perspektiven der Erinnerung

Zweiter Schauplatz: Berlin / Weimar

Dritter Schauplatz: Namibia

Vierter Schauplatz: Kamerun

Deutsch als Literatursprache in Kamerun

Verweise

6 Was macht Literatur aus Afrika zu Literatur aus Afrika?
Der Buchmarkt in Frankreich und Deutschland

Eingeschränkte Wahrnehmung

Parallele Entwicklung

Zäsuren Anfang der 1980er Jahre

Engagierte Vermittler

Zweite Welle in der 1990er Jahren

Tückische Selektion

Literaturpreise als Auswahlkriterien

Sprachwahl und Übersetzungshürden

Von Afrika lernen

Verweise

7 Der internationale Literaturmarkt am Beispiel von Chimamanda Ngozi Adichie und Sefi Atta aus Nigeria

Verweise

8 Drei Romane aus Nigeria als Beispiele für das literarische Kurzzeitgedächtnis

Verweise

9 Der Völkermord in Ruanda als Abschied von Europa im Werk von Boubacar Boris Diop

Was muss Literatur leisten?

Wendepunkt im literarischen Werk

Aufmerksamkeit für "Murambi"

Vom Verschwinden des Autors

Zur gesellschaftlichen Position von Intellektuellen

Erwartungen des Publikums

Zwang zum Widerspruch

Vergiss Europa

Verweise

10 Die Abkehr von einer westlichen Erwartungshaltung – Gilbert Gatores Roman über den Völkermord in Ruanda

Verweise

11 Zur Literatur Simbabwes der Nachkriegszeit – am Beispiel des Romans "The Stone Virgins" von Yvonne Vera

Höhenflug im Umfeld der Unabhängigkeit

Verweise

12 Spürbare Angst: Christopher Mlalazis Roman "Wegrennen mit Mutter"

Verweise

13 Niq Mhlongo und NoViolet Bulawayo kritisieren die Orientierung am Materialismus des Westens

NoViolet Bulawayos Roman "Wir brauchen neue Namen"

Niq Mhlongo’s Roman "Way Back Home"

Exil oder Rückbesinnung

Verweise

14 There’s no way out of here: J. M. Coetzees Hoffnung auf ein neues menschliches Zusammenleben

Das Thema Reue

Tradition der Gewalt

Wahrheit und Bekenntnis

Bekenntnis und Interesse

Vergebung und Neuanfang

Verweise

Epilog
In memoriam Ngugi wa Thiong’o – zur Aktualität der Dekolonisierung des Denkens

Verweise

Quellennachwes


Loimeier, Manfred
Manfred Loimeier lehrt als Professor an der Universität Heidelberg afrikanische Literaturen und arbeitet als Literaturkritiker, Moderator und Übersetzer für Zeitungen, Hörfunk, Literaturhäuser und Verlage. Er promovierte in Bayreuth über die Filme und Romane von Ousmane Sembène und Wole Soyinka, in Heidelberg habilitierte er über das literarische Werk von J. M. Coetzee.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.