Lübbe | Politik nach der Aufklärung | Buch | 978-3-7705-3569-9 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 246 Seiten, KART, Format (B × H): 137 mm x 219 mm, Gewicht: 333 g

Lübbe

Politik nach der Aufklärung

Philosophische Aufsätze
2001
ISBN: 978-3-7705-3569-9
Verlag: Fink Wilhelm GmbH + Co.KG

Philosophische Aufsätze

Buch, Deutsch, 246 Seiten, KART, Format (B × H): 137 mm x 219 mm, Gewicht: 333 g

ISBN: 978-3-7705-3569-9
Verlag: Fink Wilhelm GmbH + Co.KG


In modernen, komplexen Gesellschaften wächst unsere Unabhängigkeit vom Expertenwissen. Theoretiker kommender Technokratie lehrten entsprechend die Unaufhaltsamkeit der Verwandlung der Politik in Sachherrschaft. Die tatsächliche Entwicklung verläuft in entgegengesetzter Richtung. Ineins mit der Verwissenschaftlichung unserer Zivilisation gewinnt in den Prozessen politischer Willensbildung überall der Common Sense an Gewicht bis hin zu neuen Formen der direkten Demokratie. Wieso ist das so?Großorganisationen öffentlichen und privaten Rechts koordinieren heute das politische und wirtschaftliche Handeln in Räumen von kontinentaler Weite. Eine Weltgesellschaft bildet sich heraus. Zugleich nimmt aber die Zahl der Staaten nicht ab. Sie wächst vielmehr um das Siebenfache im Osten Europas bis hinein in den vorderen Orient seit dem Ende des Ersten Weltkriegs. Binnenstaatlich lassen sich Tendenzen der Regionalisierung und Föderalisierung beobachten. Wie erklärt sich diese Pluralisierung der Staatenwelt just im Zeitalter der Globalisierung?Die moderne Zivilgesellschaft entwickelt wissenschaftlich und technisch, wirtschaftlich und rechtlich Züge einer weltweiten Einheitszivilisation. Komplementär dazu laufen bis hin zu religiösen Lebensformen kulturelle Differenzierungsvorgänge ab. Die ökumenische Kooperation der Kirchen ist eine Realität. Zugleich aber bringen sich neue variantenreiche, auch bekenntnistreue Frömmigkeitsformen zur Geltung. Wieso wächst mit der Einheit der Welt unser Interesse, uns von anderen unterschieden zu halten?Die moderne Gesellschaft ist eine egalitäre Massengesellschaft. Dennoch driften gerade in dieser Gesellschaft die von den Individuen tatsächlich erreichten Partizipations- und Kommunikationsniveaus immer weiter auseinander, und komplementär gewinnen Formen der symbolischen Repräsentanz politischer Einheit an Bedeutung. Wieso haben die Kulturkritiker, die Vermassung und Verfall der Individualität befürchteten, unrecht behalten? In der Beantwortung dieser Fragen macht das vorliegende Buch Formen der Politik nach Aufklärung sichtbar. Die von bedeutenden Theoretikern vorausgesagte Zukunftsunfähigkeit zentralistisch-expertokratisch regierter, gar einheitsparteilich beherrschter Systeme hat sich bestätigt. Die Lebensbedingungen hochentwickelter Gesellschaften erzwingen neue Freiheiten ihrer Selbstorganisation. Das liberale Aufklärungserbe hat sich gegen den totalitären Teil dieses Erbes erfolgreich durchgesetzt.

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