Lyubka | Karbid | Buch | 978-3-88747-430-0 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 260 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 210 mm, Gewicht: 230 g

Lyubka

Karbid

Roman
Erstausgabe
ISBN: 978-3-88747-430-0
Verlag: Transit Buchverlag GmbH

Roman

Buch, Deutsch, 260 Seiten, Format (B × H): 150 mm x 210 mm, Gewicht: 230 g

ISBN: 978-3-88747-430-0
Verlag: Transit Buchverlag GmbH


Wedmediw, eine fiktive ukrainische Stadt nahe der ungarischen Grenze, nach dem Maidan-Aufstand 2014. Tys Chvak, Geschichtsprofessor, von seinen Studenten »Karbid« genannt, weil seine Fürze, die er regelmäßig von sich lässt, nach Kalziumkarbid riechen, ist Idealist und Aktivist. In den Kneipen, die er regelmäßig besucht, hält er gerne Vorträge über die Glanzzeiten der ukrainischen Geschichte. Eines Abends, als er nach einem Kneipenbesuch nach Hause wankt, fällt er in einen Abwasserkanal. Während er sich herauskämpft, überfällt ihn eine geniale Idee. Er eilt zu seinem Freund Ikarus, Ungar, Automechaniker und begnadeter Zigaretten- und Benzin-Schmuggler, und überzeugt ihn, einen Tunnel von Wedmediw nach Ungarn zu graben. Da die Ukraine nach dem Maidan-Aufstand nicht in die EU aufgenommen wurde, ist seine Idee, dass alle Ukrainer durch den Tunnel nach Ungarn gelangen und so Bürger der EU werden. Damit löst er große Begeisterung aus, viele packen mit an, wenn auch aus weniger edlen Motiven: der korrupte Abgeordnete wittert eine internationale Karriere, der Schmuggler sieht Tonnen von Zigaretten durch den Tunnel ziehen, die Leichenwäscherin träumt für ihren Organhandel von neuer, reicher Kundschaft …

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»Ikarus streifte die Kronen der ersten ungarischen Bäume, verlor die Kontrolle, krachte gegen einen Baum und blieb wie eine angeschossene Ente zwischen Himmel und Erde hängen. Angelockt von Lärm und Rauch kamen von beiden Seiten Grenzbeamte und Zöllner angefahren, angeheitert von den Maifeiern. Sie trauten ihren Augen nicht: Vor ihnen hing kopfüber ein selbstgebautes Monstrum in der Luft, an dem Kartons mit der Aufschrift ›Marlboro‹ festgezurrt waren, und in der Mitte der Konstruktion steckte ein beleibter Onkel mit Motorradhelm und einer großen, mit Strass besetzten Damensonnenbrille.

Bei der Vernehmung gab Ikarus sich verwegen, er wies alle Vorwürfe des Schmuggels entschieden zurück und drohte dafür zu sorgen, dass alle gefeuert würden. Auf die Frage, wieso er dann sechs Kartons Marlboro am Flugzeug befestigt habe, das seien immerhin sechzigtausend Zigaretten, antwortete Ikarus ›Ich rauche einfach sehr gerne. Ich habe schreckliche Angst, mir könnten plötzlich die Zigaretten ausgehen, und ich könnte mir nirgends welche besorgen. Für alle Fälle eben.‹«


Lyubka, Andriy
Andriy Lyubka wuchs in Transkarpatien auf, studierte Literatur und Sprachen. Er schrieb Gedicht-, Essaybände und Romane, die ins Polnische, Litauische, Slowakische, Tschechische und Englische übersetzt wurden. Joseph-Conrad-Literaturpreis, 2024. Seit dem Angriff Russlands im Februar 2022 leistete er mit einem Team Freiwilligenarbeit im Nachschub für das ukrainische Militär. Im Januar 2026 meldete er sich an die Front.

Queck, Johannes
Literaturübersetzer und Bibliothekar. Mitübersetzer von Andriy Lyubka, »Die Rückseite des Krieges«, 2025.

Weissenböck, Maria
Studium der Sprachwissenschaft und Slawistik in Wien, St. Petersburg und Lwiw. Seit 2005 freie Übersetzerin aus dem Ukrainischen und Belarussischen, dolmetscht im Kulturbereich und moderiert Lesungen. 2024 wurde sie mit dem Internationalen Hermann Hesse Preis ausgezeichnet.



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