Marek | Vom leidenden Ixion zum getrösteten Narziß | Buch | 978-3-465-02780-5 | www.sack.de

Buch, Deutsch, Band 59, 400 Seiten

Reihe: Analecta Romanica

Marek

Vom leidenden Ixion zum getrösteten Narziß

Der antike Mythos im Werk von Pontus de Tyard
Erscheinungsjahr 1999
ISBN: 978-3-465-02780-5
Verlag: Vittorio Klostermann

Der antike Mythos im Werk von Pontus de Tyard

Buch, Deutsch, Band 59, 400 Seiten

Reihe: Analecta Romanica

ISBN: 978-3-465-02780-5
Verlag: Vittorio Klostermann


Pontus de Tyard, Dichter und Philosoph der französischen Renaissance, wurde von den Vertretern der 'Ecole Lyonnaise' und von den Dichtern der 'Pléiade' als einer der gelehrtesten Literaten seiner Zeit hoch geschätzt. Sein überaus vielseitiges Werk umfaßt sechs Gedichtbände, Abhandlungen über Dichtungstheorie, Musiktheorie, Astronomie und Astrologie, Naturphilosophie, Etymologien, Predigtsammlungen sowie politische und religiöse Streitschriften und stellt, gemäß dem humanistischen Ideal des Universalgelehrten, einen beeindruckenden Querschnitt durch das Wissen seiner Zeit dar. Daß die Nachwelt das Interesse an Tyards Dichtung verlor, liegt vor allem in ihrem hermetischen Charakter begründet. Die an Klarheit und Rationalität orientierten Epochen der französischen Klassik und Aufklärung verloren sehr schnell den Zugang zur verdunkelten Sprache dieses 'poeta eruditus', der erst im 19. Jahrhundert von Mallarmé und Valéry wiederentdeckt wurde. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden seine Texte als verworren und hoffnungslos 'dekadent' abqualifiziert.

Die vorliegende Studie versucht, das Räsel der Tyardschen Dichtung zu lösen. Als Schlüssel dient dabei Tyards besonderer Umgang mit antiken mythologischen Stoffen, die seiner Lyrik ihre eigentliche Dichte und ihren inneren Zusammenhang verleihen. Tyard steht entschiedener als seine 'Pléiade'-Kollegen in der neuplatonischen Tradition von Marsilio Ficino und Leone Ebreo und vertritt in seinen philosophischen Schriften eine besondere Auffassung von Mythos und Allegorie, die in enger Verbindung mit der 'furor'-Theorie in das Zentrum platonischer Epistemologie führt. Eine Analyse von Tyards literarischem Selbstverständnis im ersten Teil des Buches dient wegweisend für die Interpretation seiner poetischen Praxis im zweiten Teil. Den 'intertextuellen' Prinzipien von 'imitatio' und 'aemulatio' verpflichtet, rekurriert der Dichter der 'Erreurs amoureuses' und der 'Douze fables de fleuves ou fontaines' auf ein uns heute wenig geläufiges Textkorpus aus esoterischen, orphisch-pythagoräischen Quellen, die es ausfindig zu machen gilt, wenn man verstehen will, welche philosophischen Dimensionen sich hinter seinen oft eigenwilligen Mythenversionen verbergen. Vor dem Hintergrund antiker und neuzeitlicher 'Prätexte', die neben Ovid, Platon und einigen hellenistischen Neuplatonikern auch mythographische Kompendien, Emblembücher, alchimistische Traktate sowie Bearbeitungen mythologischer Stoffe in französischer und italienischer Dichtung, Philosophie und Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts umfassen, zeigen uns Ixion, Endymion, Pygmalion, Prometheus, Orpheus, Merkur, Salmakis und Narziß ein überraschend neues Gesicht.

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