Marga Persson – eine andere fortsetzung | en annan fortsättning … | Buch | 978-3-99028-423-0 | www.sack.de

Buch, Deutsch, Swedish, 240 Seiten, GB, Format (B × H): 235 mm x 280 mm, Gewicht: 1460 g

Marga Persson – eine andere fortsetzung | en annan fortsättning …

Zeichnungen | Teckningar 2007–2011
Erscheinungsjahr 2014
ISBN: 978-3-99028-423-0
Verlag: Bibliothek der Provinz

Zeichnungen | Teckningar 2007–2011

Buch, Deutsch, Swedish, 240 Seiten, GB, Format (B × H): 235 mm x 280 mm, Gewicht: 1460 g

ISBN: 978-3-99028-423-0
Verlag: Bibliothek der Provinz


Die gerade Linie, die scheinbar einfachste aller Formen, ist das zentrale Gestaltungselement in den hier ausgewählten Serien von Zeichnungen, die inhaltlich und formal von Linearität, Verdichtung und Wiederholung gekennzeichnet sind. Sie sind chronologisch geordnet und von Textnotizen begleitet, die fragmentarisch Gegenwart und erinnerte Zeit miteinander verweben.

Beginnend im Glashaus, ein Ort des Rückzugs – mit Blick in den Garten – sind die Zeichnungen in einer Zeitspanne entstanden, die künstlerisch wie persönlich eine Periode des Übergangs war – eine Zeit, geprägt von Spannungen – vom Abschließen und Neubeginn.

Die Struktur von senkrechten und waagrechten Linien, gewissermaßen existenzielle Konstanten unseres Daseins, ist die übergeordnete Thematik, die im künstlerischen Prozess immer wieder den Ausgangspunkt bildet – eine sisyphusähnliche Vorgangsweise. Die stetige Wiederholung von Formen wie auch die strukturelle Einfachheit der Bilder sind bewusst gesuchte Herausforderungen – Versuche, die Welt mit Linien und deren Kreuzungspunkte wahrzunehmen und zu ordnen, entdecken, verstehen und beschreiben …, sie als tragfähig, löchrig, ganz oder zerrissen, dicht und transparent, hell und dunkel darzustellen.

Das Zeichnen mit Pinsel und Tusche wurde zu einem täglichen Ritual, ein Experimentierfeld für dicke, dünne Linien, sich auflösende und sich fast zur Fläche verwandelnden Strukturen auf Papier, teilweise auch auf Leinwand. Es sind Tageszeichnungen von persönlich erlebter Zeit und so, wie auch die Langsamkeit des Arbeitsprozesses, eine folgerichtige Fortsetzung und Erweiterung der künstlerischen Arbeit am Webstuhl.

Während der ersten Arbeitsphase war die unmittelbare Nähe zur Natur, die nur durch die Glaswand vom Zeichentisch getrennt war, ein wesentlicher emotionaler Impuls. Gleichzeitig brachte die Arbeitssituation eine Rückspiegelung auf das Ich, auf die eigene Person, mit sich – von außen sichtbar agierend in einem Glashaus, von innen mit Ausblick auf bisher nicht Wahrgenommenes im unmittelbaren Umfeld.

Im Rhythmus der gleichförmigen zeichnerischen Arbeit, losgelöst vom Bedeutungs- und Leistungszwang, wurden Gedanken und Reflexionen freigesetzt, die sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit bewegten und die eigene Existenz in ihrer doppelten Identität berührten. Eine Annäherung und die Erinnerung an frühere Landschaften und Lebensräume wurden wachgerufen.

Die scheinbar einschränkende Motiv- und Themenwahl und der immer wiederkehrende Vorgang der langsamen Linienziehung machte die Einzigartigkeit jedes Strichs sichtbar, den Sinn und Reiz und auch die Irritation von Wiederholung und Variation spürbar. Die Arbeit verlief völlig unbefangen und führte dazu, Erlebtes und Erinnertes spontan aufzugreifen und mit der eigenen Armlänge als Maß am Papier festzuhalten.

Das im Glashaus angefangene Zeichnen von Linien begleitete über einige Jahre die Loslösung von einer fast 20-jährigen universitären Tätigkeit im Kunstbereich. Parallel dazu begann das Wiedereinfinden in einer freien, künstlerischen Existenz und die damit verbundene Suche nach anderen und neuen Ordnungsprinzipien. Serienweise Zeichnungen auf Papier, teils große Bögen und lange Bahnen entstanden – sehr einfach, unspektakulär und doch „Weltbilder“, die in vier Abschnitten zusammengefasst werden können: eine andere fortsetzung / aus dem Glashaus / scanning the evil / reset.

Nachträglich betrachtet war diese Phase des Zeichnens ein unbewusstes und notwendiges Selbsterfahrungsritual, um feststellen zu können, dass nicht bloß meine künstlerische Tätigkeit stark mit den Strukturen des Textilen verbunden ist, sondern auch das persönliche Dasein von Grund auf davon geprägt zu sein scheint. Man könnte sagen, dass in den Zeichnungen eine Auflösung und Skelettierung stattfand, die eine andere Seite von Hautelisse zeigt – die Webarbeit mit senkrechten und waagrechten Fadensystemen und deren Bindungspunkte ist lange Zeit als künstlerisches Medium im Fokus meiner Arbeit gestanden. Die Zeichnungen sind gewissermaßen eine andere Fortsetzung davon.

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Weitere Infos & Material


Persson, Marga
Geboren in Schweden – Studien an der Universität Lund und an der Akademie für angewandte Kunst Wien – lebt seit 1970 als bildende Künstlerin in Oberösterreich und Wien – seit 1991 Atelier in Kefermarkt – Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ

1992–2011 Professur für Textil/Kunst&Design an der Kunstuniversität Linz

1970 Preis des Ministeriums für Unterricht – 1982 Stipendium Skånes Konstförening – 1994 Kulturpreis des Landes Oberösterreich für bildende Kunst – 2005 Heinrich-Gleissner-Preis für bildende Kunst

Kunst in öffentlichen Räumen und Sammlungen:
Sydkraft Malmö; Karolinska Institutet Stockholm; Austria Center Vienna; AKH Wien; Rathaus Linz; J. Kepler Universität Linz; Finanzlandesdirektion Salzburg; Oberbank Linz; Pfarrkirche Stainach, Steiermark; Stift Wilhering, OÖ; Gemeindeamt Kefermarkt, OÖ; Nationalmuseum Stockholm; Helsingborgs Museum; Statens Konstråd, Schweden; Sammlung des Landes OÖ; Sammlung der Stadt Linz, LENTOS; Artothek Wien; MAK Wien.

Seit 1970 Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland



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