Memmi | Juden und Araber | Buch | 978-3-86259-112-1 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 242 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 208 mm, Gewicht: 400 g

Memmi

Juden und Araber


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-86259-112-1
Verlag: Ca Ira Verlag

Buch, Deutsch, 242 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 208 mm, Gewicht: 400 g

ISBN: 978-3-86259-112-1
Verlag: Ca Ira Verlag


Albert Memmis einst noch wie selbstverständlich an die antikoloniale Linke adressierte Essaysammlung Juden und Araber, die in Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg erschien, wirkt angesichts der mittlerweile abgeschlossenen Entwicklung der postkolonialen Linken zur Avantgarde des Antizionismus wie aus der Zeit gefallen.

Der einer jüdischen Familie in Tunis entstammende Schriftsteller und Essayist gilt außerhalb Deutschlands – neben Frantz Fanon als dem Ahnherrn des heutigen Postkolonialismus – schon lange als einer der prominentesten theoretischen Begleiter der Dekolonisierung. Memmi hat durch seine Reflexion auf die Dialektik von Kolonisator und Kolonisiertem auch die widersprüchlichen Entwicklungen des Prozesses der Dekolonisierung nie ausgespart und reflektierte in seinen Auseinandersetzungen stets darauf, welche Bedeutung dieser für die Juden der arabischen Welt hatte. Es sollte bald schon deutlich werden, dass der explizit muslimisch-arabische Nationalismus, der sich parallel zur Dekolonisierung in den arabischen Ländern entwickelte, auf die zunehmende Diskriminierung der Juden hinauslief und nach dem Sechstagekrieg im Juni 1967 in offen antisemitischen Übergriffen gipfelte.

Memmi hielt in seinem spannungsreichen Selbstverständnis als »arabischer Jude und linker Zionist« stets am universalen Grundsatz antikolonialer Kritik fest. Er bestreitet keinesfalls die Kolonisierung der Araber durch europäische Mächte, aber insistiert darauf, dass die Juden nie als gleichberechtigter Teil der antikolonialen Emanzipationsbestrebungen anerkannt wurden. In den arabischen Ländern wurden die Juden von den einstigen Kolonialisierten – und das lange vor dem Entstehen der zionistischen Bewegung – beherrscht, gedemütigt und verfolgt. Nicht nur wird dies von der antikolonialen Linken bis heute verdrängt, auch wurde der Zionismus von dieser als Kolonialbewegung gebrandmarkt und bekämpft.

Beim vorliegenden Band handelt es sich um ein Stück schmerzlich »formgewordener Erfahrung« (Jean-Paul Sartre); er versammelt Essays und Streitschriften aus dem Jahrzehnt nach dem Sechstagekrieg erstmals auf Deutsch. Gerade in seiner Unzeitmäßigkeit reflektiert Memmis Juden und Araber auf die verdrängten, inneren Widersprüche der Dekolonisierung, die Selbstzerstörung der Linken und die Notwendigkeit der Parteinahme für Israel.

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Weitere Infos & Material


Hesse, Christoph
Christoph Hesse ist Film- und Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Er ist Privatdozent und Mitarbeiter am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) Berlin sowie am Institut für Kommunikationsgeschichte und angewandte Kulturwissenschaften (IKK) der Freien Universität Berlin. Bei ça ira erschien Schiffbruch beim Spagat (gemeinsam mit Drik Braunstein, 2021).

Memmi, Albert
Albert Memmi wurde 1920 in Tunis geboren und starb 2020 in Paris. Er entstammte einer armen jüdischen Familie aus dem Viertel La Hara in Tunis; sein Vater war Sattler, seine Mutter hatte berberische Wurzeln. Durch ein Stipendium der jüdischen Gemeinde besuchte er das Lycée Carnot in Tunis. Unterdessen fand Memmi Anschluss an zionistisch-sozialistisch orientierte Gruppierungen. Aufgrund der antisemitischen Gesetze des Vichy-Regimes wurde Memmi 1942 von der Universität Algier verwiesen, wo er zu studieren begonnen hatte. Während der deutschen Besatzung Nordafrikas war Memmi in einem Arbeitslager interniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Philosophie an der Pariser Sorbonne. In den 1950er Jahren unterstütze Memmi die Unabhängigkeitsbewegung Tunesiens, die er später wegen der zunehmend arabischen und antijüdisch orientierten politischen Ausrichtung seines dann unabhängig gewordenen Heimatlands kritisierte. 1967 nahm Memmi die französische Staatsbürgerschaft an. Als arabischer Jude, leidenschaftlicher Befürworter arabischer wie jüdischer Emanzipation und bekennender »linker Zionist« wurde er in der Linken zunehmend als »Verräter« betrachtet. Sein Doppelporträt Der Kolonisator und der Kolonisierte (1957) machte ihn zu einem Wegbereiter dessen, was später unter dem Label ›Postkolonialismus‹ firmieren sollte. Auf Deutsch liegen außerdem Die Salzsäule (1953), Die Fremde (1955), Rassismus (1982) und Der Pharao (1988) vor.



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