Buch, Deutsch, 112 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 210 mm, Gewicht: 400 g
WahrScheinliche Geschichten dieser Zeit
Buch, Deutsch, 112 Seiten, Format (B × H): 210 mm x 210 mm, Gewicht: 400 g
ISBN: 978-3-938344-60-6
Verlag: WaRo-Verlag Heidelberg
„Man weiß ja nie, ob stimmt, was man sieht und hört ...“ so beginnt paradigmatisch 'Purist', ein Text von 33, die im neuen Buch von Axel Müller, 'AmoKomA – wahrscheinliche Geschichten dieser Zeit' versammelt sind.
Denn um Wahrnehmungsstörungen bzw. überscharfe Beobachtungen der Protagonisten geht es; Zeitgenossen, die der Mitwelt so zum Rätsel werden, wie diese ihnen; nicht selten sind sie sich selbst fremd und versuchen durch absurde Verhaltensweisen, durch Übersprungshandlungen oder exzessive Introspektion der Welt und sich auf die Schliche zu kommen – was meist tragisch endet oder in überraschend komischer Weise gelingt.
Einer Figur gelingt allerdings alles – bis auf das Mißlingen ('Erfolg').
Eine andere leidet an krankhaftem Lächeln, was sie so freundlich wie irritierend erscheinen läßt ('Lach-Haft').
Da stürzt sich ein Karl-May und Büchner-Kenner auf den Boden, da er das “Knacken und Knirschen der Gesteinsformationen im Untergrund“ zu spüren glaubt und als Zeichen des „Auseinanderbrechens der Welt“ deutet – und so die verstörten Passanten ihrer gewohnten Sicherheit beraubt ('Tektonik').
Ordnungsfanatiker, Gedächnisvirtuosen, in ihrer Anormalität eingerichtete Sonderlinge, Zivilisationsflüchtige, Wutgetriebene, Frustexperten: Menschen auf der meist vergeblichen Suche nach sich und dem, was sie und womöglich „die Welt im Innersten zusammenhält“.
„Ich sing für die Verrückten,/die seitlich Umgeknickten/die eines Tags nach vorne fallen/und unbemerkt von allen/an ihrem Tisch in Küchen sitzen/und keiner Weltanschauung nützen/die tagelang durch Städte streifen/und die Geschichte nicht begreifen...“ - so Hanns Dieter Hüsch 1969 in 'Für wen ich singe'. Man kann sich an solche Menschen erinnert fühlen, deren Psychogramm in 'AmoKomA' mal in prägnant-präziser, dann wortgirlandenhafter, immer pointierter Weise 'zur Sprache kommt'. Amokneigung und komatöses Delirium 'Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung' (Grabbe) begegnen sich.
Im letzten Text dann der Ratschlag, all die An- und Überforderungen „dieser Zeit“ (s. Untertitel) zu bestehen: „Man müsste vor allem mal gar, gar, gar nichts machen, nichts machen müssen, sich nur der Muße hingeben, Augen zu, atmen ...“('Zielführender Irrweg')
Aber vorher doch lieber dieses Buch lesen.




