Buch, Deutsch, 136 Seiten, Format (B × H): 128 mm x 214 mm
Roman
Buch, Deutsch, 136 Seiten, Format (B × H): 128 mm x 214 mm
ISBN: 978-3-96054-502-6
Verlag: Edition Nautilus
Wenn Eli das Kind ins Bett gebracht hat und die Enge der eigenen vier Wände spu¨rt, flieht sie in die Kneipe unten im Haus, an die Theke zu Gunda, der Wirtin – Hauptsache, nicht alleine sein. Durch das Aufkommen von KI ist ihr Job als Übersetzerin unsicher geworden, und als alleinerziehende Mutter bleibt ihr oft wenig Zeit fu¨r sich selbst.
Gunda, u¨ber sechzig und ständig rauchend, steht seit fast zwanzig Jahren allein hinter dem Tresen. Als eine sommerliche Hitzewelle u¨ber die Stadt hereinbricht, trommelt sie die Mu¨tter und Kinder des Hauses zusammen. Gemeinsam trotzen sie den extremen Temperaturen und verbringen ihre Zeit im ku¨hlen Kneipenraum, spannen feuchte Laken u¨ber die städtische Betonwu¨ste und hacken den asphaltierten Gehweg auf.
Die gemeinschaftlichen Tage bringen Gunda und Eli einander näher und Gunda beginnt zu erzählen: von ihrem Leben in der DDR zwischen Gehorsam und kritischem Denken, von leidenschaftlichen Diskussionen im Lesezirkel, vom Festhalten an gesellschaftlichen Utopien auch
nach der sogenannten Wende – und von der Angst, mit steigendem Alter immer weniger in die Gesellschaft hinein wirken zu können. Und auch Eli erzählt: vom quälenden Blick auf das ständig leere Konto und der Schwierigkeit, als Mutter dem eigenen Kind gerecht zu werden, ohne sich selbst daru¨ber zu verlieren.
Zwischen aufgeheizten Asphaltstraßen, Camping im Getränkelager und einer schattigen Datsche am Waldrand bei Gundas alter Gefährtin Claude entfaltet sich eine ungeahnte Freundschaft.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Eli, die sich u¨ber die Einladung gefreut hatte, hat keine Lust mehr, nachdem sie lange neben Esra gelegen und ihn beim Einschlafen beobachtet hat. Seine zuckenden Hände beim Träumen. Neben dem schlafenden Kind selbst einschlafen. Wer wu¨rde nicht? Es ist u¨berhaupt die Zeit, in der sie am besten schläft.
Neulich hat sie in einem Artikel gelesen, dass die Idee von acht Stunden durchgängigem Schlaf pro Nacht noch recht neu ist, erst mit der Industrialisierung eingefu¨hrt wurde. Als Gegengewicht zur achtstu¨ndigen Arbeitsschicht, eine Art Disziplinierung der Zeit. Dass es davor eher ungewöhnlich war, die Nacht durchzuschlafen, dass die Leute gegen Mitternacht noch einmal aufstanden und ein paar nächtliche Stunden zusammen verbrachten oder allein. Durch die Dunkelheit und den Kerzenschein und den vorangegangenen und nachfolgenden Schlaf waren diese Stunden von allem anderen abgetrennt und folgten anderen Regeln. Die Leute redeten freier als am Tag. Sie weiß nicht, ob die Geschichte stimmt, aber die Vorstellung ist schön.




