Hoddis van, Jakob
Jakob van Hoddis (Geburtsname Hans Davidsohn) am 16. Mai 1887 als Sohn eines jüdischen Sanitärrats in Berlin geboren, studierte er in München, Jena und Berlin zuerst Architektur, dann Griechisch und Philosophie. 1909 nahm er sein Pseudonym an; im selben Jahr gründete er mit anderen den Neuen Club, die Keimzelle des literarischen Expressionismus. 1914 diagnostizierte man ihm Schizophrenie. Er lebte fortan in Sanatorien und Heilanstalten oder in privater Pflege. 1933 wurde er in der einzigen jüdischen Heilanstalt in Sayn bei Koblenz interniert und von dort nach Polen deportiert, wo er, höchstwahrscheinlich, im Vernichtungslager Sobibór, im Mai oder Juni desselben Jahres, im Alter von 55 Jahren ermordet wurde.
Rubiner, Ludwig
Der Sohn eines Unterhaltungsschriftstellers ostjüdischer Herkunft studierte von 1902 bis 1906 in Berlin Musikwissenschaften, Kunst-geschichte, Philosophie und Germanistik. Erste Gedichte publizierte er in der anarchistisch-antimilitaristischen Zeitschrift Kampf. 1909 reiste er nach Russland, 1912 ging er nach Paris; 1915 musste er Frankreich verlassen und flüchtete als radikaler Kriegsgegner in die Schweiz, wo er für die Neue Zürcher Zeitung schrieb und 1917-1918 die Exilzeitschrift Zeit-Echo herausgab. Seine Idealisierung der russischen Revolution führte Ende 1918 zur Ausweisung aus der Schweiz. In Berlin war er 1919 an der Gründung des Proletarischen Theaters beteiligt, dort starb Rubine am 27. Februar 1920 infolge einer Lungenkrankheit.
Kolmar, Gertrud
Gertrud Käthe Chodziesner, geboren am 10.12.1894 in Berlin, war als Erzieherin in einem Kindergarten tätig. 1917 erschien ihr erster Gedichtband unter dem Pseudonym Gertrud Kolmar. Ihr drittes Lyrikbuch Die Frau und die Tiere wurde nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 verramscht. Im November 1938 wird die Familie zum Verkauf des gemeinsamen Hauses gezwungen. Von Juli 1941 an leistete sie Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie. Ihr Vater wurde im September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort im Februar 1943. Gertrud Kolmar wurde am 2. März ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.
Rheinhardt, Emil Alphons
Emil Alphons Rheinhardt, geboren am 4. 4. 1889 in Wien, studierte dort Medizin und arbeitete zunächst als Arzt und Psychoanalytiker. Seine ersten Gedichte erschienen 1913 unter dem Titel Stunden und Schicksale. 1922 bis 1926 war Rheinhardt als Lektor und Übersetzer tätig. Er errang mit historischen Romanen einen beachtlichen Erfolg. Nach 1926 lebte er in Italien, ab 1928 in Südfrankreich, wo er 1940 interniert wurde. Nach seiner Entlassung wurde Rheinhardt aufgrund vermeintlicher Kontakte zu französischen Kommunisten verhaftet. Im KZ Dachau, wohin er 1944 deportiert wurde, erlag er am 25.2.1945 dem Fleckfieber.
Janstein, Elisabeth
Elisabeth Jenny Janeczek wurde am 19. Oktober 1893 in Iglau, Österreich-Ungarn geboren. Nach dem Schulbesuch arbeitete sie als Postaspirantin und Telefonistin. 1919 veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband und war später als Journalistin unter dem Namen Elisabeth Janstein bei der deutschsprachigen Tageszeitung Prager Tagblatt tätig. Sie schrieb in Wien für die Neue Freie Presse und ging als Korrespondentin nach Paris. Beim Einmarsch der Deutschen konnte sie 1940 nach England fliehen und siedelte sich in Winchcombe an. Dort starb Janstein, die seit ihrer Kindheit an Leber- und Gallenkomplikatonen litt, am 31. Dezember 1944 nach einer erfolglosen Operation.
Weissmann, Maria Luise
Maria Luise Weissmann, 1899 in Schweinfurt geboren, übersiedelte sie während des 1. Weltkrieges nach Nürnberg. Ihre ersten literarischen Veröffentlichungen erschienen 1918 im Fränkischen Kurier (auch unter dem Pseudonym M. Wels). Sie war Sekretärin des Nürnberger Literarischen Bundes. Seit 1919/20 Mitarbeiterin des Verlages Oskar Schloss in München. Im Juni 1922 heiratete sie den Münchner Verleger Heinrich F. S. Bachmair, mit dem sie abwechselnd in Pasing, Dresden und München lebte.
Sie starb 1929 an den Folgen einer schweren Angina.
Musil, Robert
Robert Musil wurde am 6. November 1880 in Klagenfurt, Österreich geboren, studierte sowohl Maschinenbau als auch Philosophie und Psychologie und promovierte mit einer Dissertation über das Thema "Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs". Eine Habilitation lehnte er zu Gunsten seiner schriftstellerischen Tätigkeit ab. Während Musil an der bevorstehenden Veröffentlichung zu Der Mann ohne Eigenschaften arbeitete, machte der Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 die Lage für das Ehepaar Musil in Wien unhaltbar. Sie zogen im August 1938 nach Genf ins Exil, wo der Schriftsteller am 15. April 1942 an einem „Hirninfarkt“ starb.
Lasker-Schüler, Else
Else Lasker-Schüler gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen der Moderne. Geboren 1869 in Wuppertal, zieht sie nach ihrer Heirat 1894 nach Berlin und absolviert dort eine zeichnerische Ausbildung. 1903 lässt sie sich scheiden und heiratet noch im selben Jahr den Schriftsteller Georg Lewin. 1911 erscheint der Gedichtband Meine Wunder, der sie deutschlandweit bekannt macht. Die zweite Scheidung 1912 und der Tod des einzigen Sohnes Paul 1927 stürzen die Autorin in eine Krise. Nach tätlichen Angriffen 1933, emigriert sie in die Schweiz; 1938 wird ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. 1939 reist sie nach Palästina und stirbt nach einem Herzanfall am 22.Januar 1945 in Jerusalem.
Tucholsky, Kurt
Kurt Tucholsky, am 9. Januar 1890 in Berlin geboren, schrieb schon in seiner Schulzeit und während des Jurastudiums für Ulk, die Beilage des Berliner Tageblatts, und für das SPD-Parteiorgan Vorwärts, wurde Soldat im 1. Weltkrieg und arbeitete 1924-29 in Paris als Korrespondent der Weltbühne und der Vossischen Zeitung; 1929 emigrierte er nach Schweden, 1933 wurde er aus dem Deutschen Reich ausgebürgert und seine Bücher wurden verbrannt. Tucholsky starb am 21. Dezember 1935 in Hindås bei Göteborg, vermutlich nahm er sich das Leben.