Buch, Deutsch, 250 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm
Ein Familienroman
Buch, Deutsch, 250 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 210 mm
ISBN: 978-3-903460-64-5
Verlag: Milena Verlag
Eigentlich wäre Familie Gutensohn glücklich gewesen. Eigener Bioladen, intakte Ehe, die beiden Kinder behütet. Doch der Lauf der
Welt diktiert eine andere Marschrichtung. Der erfolgreiche Laden, der einem Großbauprojekt weichen muss, schlittert in die Insolvenz.Das Eigenheim der Familie wird zwangsversteigert. Ein verzweifelter Existenzkampf in einem völlig konträren Leben beginnt.
In einem industriell überwucherten Tal soll Wolf, der Vater, zunächst eine Stelle als Sachbearbeiter in der Metallverarbeitung antreten. Neue Adresse: Sozialbau. Kaum ist die Familie eingetroffen, spült eine Jahrhundertflut die letzten Überbleibsel der
einstigen Existenz davon. Als der Alltag wieder anläuft, heuert die Mutter bei einem waffenverliebten Schwerenöter als Pflegehilfe an, während Wolf mit zunehmenden Schwierigkeiten dem Leistungsdruck in der Firma standzuhalten versucht.
Und die beiden Kinder, Marius und Anna, werden an ihrer volldigitalisierten neuen Schule mit High-Tech-Mobbing empfangen: Ein Cyberangriff auf die ganze Familie wird gestartet, wobei eine zehnjährige Mitschülerin von Anna im Hintergrund den Schlachtplan entwirft. Im digitalen Dauerstress geht die Kindheit den Bach runter, und auch die Erwachsenen verlieren den Überblick. Der familiäre Zusammenhalt droht zu zerbrechen.
Parallel dazu braut sich auf der geopolitischen Bühne der nächste Großkonflikt zusammen. Was läuft da überall? Ein dramatisches Finale bahnt sich an, in dem es plötzlich um alles geht.
Der Albtraum des Mittelstands, der soziale Abstieg, wird plötzlich Realität. Ein berührender und spannender Roman, der mit existenzieller Wucht und schauerlicher Ironie vom Verlust der Spielräume erzählt.
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Marita und die Kinder auch noch ihr Haus verkaufen müssten, dachte er als Erstes, wie es wäre, sich ganz in die Frustration hineinfallen zu lassen, sich im Schlafzimmer einzuschließen, sich ins Bett zu legen, und nicht mehr aufzustehen, sich zwischendurch einem Weinkrampf hinzugeben oder einem Wutanfall, wie es wäre, auch am nächsten, über- und überübernächsten Tag nicht vernünftig zu sein, wie es wäre, jede Verantwortung von einem Moment auf den anderen einfach abzuwerfen.
In Wahrheit, dachte er, habe ich sowieso nie fürs Biogeschäft getaugt. Bin ich im Grunde meines Herzens nicht ein konservativer Idiot? Am liebsten rauche ich und gucke in die Luft. Das ist alles. Nur wegen Marita reiße ich mich zwischendurch zusammen. So gut es geht.
Mit dem ewigen Gemüse, den pedantischen Kichererbsenzählern, die durch den Laden schlichen, um sich dann mit einem Beutelchen Leinsamen davonzustehlen, hatte er schon lange nichts mehr anfangen können. In den ersten Jahren war das Geschäft allerdings noch wie von selbst gelaufen.
Später wurde die Lage schwieriger und schwieriger, es hieß antauchen. Doch sobald Wolf den Laden für ein paar Tage allein schmiss, während Marita sich um die Kinder kümmerte, liefen die Dinge aus dem Ruder: Die Früchte verschrumpelten, der Salat welkte. Die Sachen eigneten sich oft nicht mal mehr fürs zweite-Chance-Kistchen. Marita schüttelte den Kopf. Wolf verwies auf die Gehilfen und Gehilfinnen, die er seinerseits aus dem zweite-Chance-Körbchen des Arbeitsamts gefischt hatte und die auch zu nichts taugten.
Sie schritt ein, legte sich ins Zeug, gab Anweisungen und es ging wieder ein Weilchen so dahin.
Doch da tauchte plötzlich der Großinvestor auf. Über seine landesweit tätige Holding hatte er die halbe Innenstadt von Bad Obermoos aufgekauft und wollte sie komplett schleifen. Für ein Shoppingzentrum, eine ‚Gastromeile‘, Bürogebäude und so was. Der Laden von Wolf und Marita in der baufälligen alten Brauerei stand ihm natürlich als Erstes im Weg.
Da wurden sie aktiv, das heißt, Marita wurde aktiv. Sie sammelte Unterschriften: Rettet Euren
Kopfsalat! Denn so hieß der Laden: Kopfsalat. Sie intervenierte auf dem Rathaus, machte über einen Anwalt Eingaben beim Landesbauamt. Doch am Ende setzte sich das Großkapital ganz unspektakulär durch. So wie es halt immer läuft.
Sie zogen in eine adaptierte Lagerhalle im Gewerbegebiet draußen. Das Einzige, was zu erschwinglichen Konditionen zu haben war. Gegenüber eine Tankstelle mit Grill. Nebenan ein Autoverleih und ein Erotikstudio.
Ich hätte mich als Teilhaber anbieten sollen, dachte Wolf. Oder gleich als Erotikdarsteller? Fehlten leider die körperlichen Voraussetzungen.
Er hatte das Sortiment reduziert, die letzte Mitarbeiterin entlassen, und war gegen Maritas Widerstand zu zwei verschiedenen Privatbanken gegangen, um Überbrückungskredite aufzunehmen. Hohe Zinsen, das Haus war auch noch nicht abbezahlt. Am Ende hatte er Geld aus der Geschäftskasse abgezweigt und damit an der Börse gezockt. Fast hätte er sich noch ein Verfahren wegen Konkursverschleppung eingehandelt. Ja, dachte Wolf, schlafen, einfach schlafen. In die Psychiatrie einliefern lassen und sich jeder Resozialisierung widersetzen.




