Medienkombination, Deutsch, 280 Seiten, gebunden, Format (B × H): 230 mm x 270 mm, Gewicht: 1590 g
Die Restaurierung des Cuvilliés-Theaters und neue Erkenntnisse zur frühen Baugeschichte der Münchner Residenz
Medienkombination, Deutsch, 280 Seiten, gebunden, Format (B × H): 230 mm x 270 mm, Gewicht: 1590 g
ISBN: 978-3-943866-40-7
Verlag: Schiermeier, Franz
Die Publikation „Bewahren und Forschen” dokumentiert in mehreren Aufsätzen zum einen die Konzeption und Umsetzung des Restaurierungsprojektes „Cuvilliés-Theater in der Münchner Residenz“ der Jahre 2004 bis 2008 und präsentiert zum anderen wichtige Phasen der bauhistorischen Entwicklung des Theaters und neueste Forschungen zum historischen Ort der Wittelsbacher Residenz. Die beiliegende DVD enthält eine umfassende Präsentation des kunsthistorisch höchst bedeutsamen Raumschmucks, der im Rahmen der Restaurierung nahezu komplett digital erfasst wurde.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Inhalt
11 Einführung
12 Wintergarten oder Atlantenreigen??
13 Moderne Bauideen von König Maximilian II. und Franz Jakob Kreuter, seinem Architekten
15 Das Alte Hoftheater in der ersten Hälfte des 19. Jh.
20 Die Bemühungen von Franz Jakob Kreuter um den Cuvilliés-Bau
22 Angebliche Substanzverluste durch den Brand des Hofbaustadels
24 Substanzeingriffe aber keine Radikalkur für das Residenztheater
26 Ludwig Foltz, der bescheidene Bewahrer des Theaters
26 Die Wiederherstellung des Zuschauerraums
32 Umbauten außerhalb des Zuschauerraums
34 Das Königszimmer
36 Erhaltene Fragmente des Appartements von Henriette Adelaide von Savoyen
38 Hat Ludwig Foltz die Geometrie des -Zuschauerraums verändert?
41 Resümee des drohenden Verlustes unter König Maximilian II. von Bayer
Das „Zweite-“ und das „Dritte Reich“ als baugeschichtliche Intermezzi
45 Die Epoche des genialen Bühnentechnikers Carl Lautenschläger
47 Bühnenausbau der Jahrhundertwende
48 Der Verlust des (eigentlichen) Wintergartens
Die Rettung des Zuschauerraums vor den Bomben des II. Weltkriegs
53 Maßnahmen im „Dritten Reich“ und ein Bauplan als Bilanz von 190 Jahren Baugeschichte
54 Die zunehmende Bedrohung für Münchens Kulturgüter
58 Rettungsversuche in höchster Gefahr: die Ausgangslage und offene Fragen
58 Otto Mayer, der Zeitzeuge und Sepp Huf, der wahrgenommene Interpret des Geschehens
60 Ein Hauptproblem der Bergung und Otto Mayers Gewährsmann Heinrich Pössenbacher
62 Der archivalische Beleg für die Rettungsaktion
63 Ein Operettenfilm als Adieu für das Residenztheater?
63 Die mühsame und bald schon verlorene Rekonstruktion des Theatersaals
65 Der Mann im Schnittpunkt der verschiedenen Aktionsstränge
68 (Un)überwindliche Probleme einer Bergung?
70 Der Parallelfall des Herzog-Max-Palais
72 Zusammenfassung
Ein Theater im Exil: Risiken und -Chancen der Wirtschaftswunderzeit
77 Verfall im Kelheimer Depot
80 Bürokratische Hürden der Besatzungszeit
82 Die Wende zum Besseren: im Spannungsfeld der Kultus- und Finanzbehörden
92 Resümee mit weiter offenen Fragen
Dreigeteilt – rettet der Klon in eine ungewisse Zukunft??
95 Das Raumkunstwerk von Cuvilliés am Beginn des XXI. Jahrhunderts
96 Katastrophenschutz in Zeiten des Niedergangs traditioneller Techniken
99 Hightech als Retter seiner Opfer?
102 Ein langer Weg bis zum ersten Scan im Prunkraum
105 Die Umsetzung der Bauaufnahme
108 Bilanz des Vermessungsprojekts
110 Die Probe aufs Exempel
115 Schlussbetrachtung
Eberhard Schmid
Die Sanierung des Cuvilliés--Theaters im 21. Jahrhundert
119 Das Sanierungskonzept
122 Die Projektorganisation und Terminplanung-
123 Die eigentlichen Baumaßnahmen
124 Der Comité-Hof
127 Die Sanierung der technischen Anlagen
128 Das Bühnenhaus mit der Probenbühne
130 Hochbau- und Ausbaumaßnahmen im Zuschauerraum
133 Resümee
Das Cuvilliés--Theater nach der -Restaurierung 2004–2008
137 Pläne
Mathias Pfeil, Peter Seibert
Ethik der Sanierung
147 Die Schlösserverwaltung und ihre Bauabteilung
148 Eine Grundsatzentscheidung
150 Die Bau- und Denkmalaufgabe
153 Die neue Überdachung des Comité-Hofes
154 Die Innenraumgestaltung
155 Organisatorische Fragen
157 Schlussbemerkungen
Aus restauratorischer Sicht
Katrin Janis
159 Das Rahmenkonzept für die -Konservierung und Restaurierung des Zuschauerraums
Martin Hess, Stephan Wolf
164 Die Restaurierung der vergoldeten und gefassten Oberflächen
Hermann Neumann
172 Der Umgang mit historischen Möbeln und Ausstattungselementen des Theaters
Inga Pelludat
178 Die Farbgestaltung – ein Beispiel für die Kunstfertigkeit des 18. Jahrhunderts
Beate Kneppel
182 Die textile Ausstattung
Bettina Schwabe
186 Die Porträts der Hofdamen im Theaterfoyer
189 Resümee
190 Beteiligte bei der Instandsetzung des Cuvilliés-Theaters 2003–2008
Reinhold Winkler
Neue Erkenntnisse zur frühen Baugeschichte der Münchner Residenz
193 Einführung
198 Die Alte und die Neue Veste: vom Verwaltungssitz zur Herzogsburg
198 Die Neue Veste
200 Die Bauperioden I?–?VIII von Otto Meitinger
207 Die revidierten Bauperioden nach den jüngeren bauarchäologischen Forschungen
209 Bauperiode I
210 Topographische Situation außerhalb der Stadtmauer
210 Topographische Situation des Geländes innerhalb der Stadtmauer
210 Zum stadtseitigen Rand des Neuvestegrabens in Bauperiode I
211 Mittelalterliche Geländeniveaus auf dem Jägerpühel
212 Die Gartenmauern des Franziskaner-klosters
213 Reste der mittelalterlichen Stadtmauer (Äußerer Mauerring von Kaiser Ludwig dem Bayern)
214 Die Bauperioden II und III aus heutiger Sicht
216 Bauperiode IV
218 Der städtische Zwingerbau an der nördlichen und östlichen Außenseite der Neuveste
218 Das herzogliche Zwingerprojekt vor dem innerstädtischen Teil der Neuveste
221 Neue Erkenntnisse zur Bautätigkeit von Albrecht IV.
222 Baumaßnahmen unter Herzog Albrecht IV.
222 Der städtische Zwingerbau vor der Stadtmauer
223 Zwingermauer und Stadtgraben
225 Der Greymoltsturm
225 Zwingerrondelle an den südöstlichen, nordöst-ichen und nordwestlichen Ecken der Neuveste
226 Der herzogliche Zwinger- und Grabenbau vor der südwestlichen Stadtseite der Neuveste
229 Die Grabenmauer auf der Stadtseite
230 Der herzogliche Wassergraben
230 Südwestlicher Geschützturm und Silberturmkeller
230 Neue Erschließung der Neuveste
231 Torbau, Bastion und Brücke über den Neuvestegraben
232 Die Georgskapelle
232 Die sogenannte Hofhalle
232 „Alda ist yetzo ein schönes wolgezierts schloßs“
235 Bauperiode V ?Die Residenzbauprojekte von Wilhelm IV.
238 Neue Steinbrücke am stadtseitigen Zugang
239 Neuer Südlicher Torbau der Neuveste
239 Äußere Bastion und Nordwestlicher Eckturm?
241 Der Ostflügel: Rundstubenbau, Altane, Georgskapelle und Äußerer Christophturm
242 Der Rundstubenbau
243 München–Neuburg
244 Die Altane zwischen dem Rundstubenbau und der Georgskapelle
244 Die Georgskapelle
245 Der Äußere Christophturm
247 Die Neuveste von Wilhelm IV.: eine Fürstenresidenz der frühen -Neuzeit
249 Bauperiode VI
249 Das Ballhaus
251 Herzog Wilhelm V.
253 Das „Kirchenstüblein“
253 Die „schöne und geheime Kapelle“
253 Der „neue anpau“
255 Kurfürst Maximilian I.
Anhang
258 Anmerkungen
275 Quellen, Karten und Pläne
276 Literatur
278 Autorinnen und Autoren
280 Impressum
„Kein Zeit, kein Alterthum soll diesen Bau verzehren“
Wie das Münchner Hoftheater von François Cuvilliés erhalten blieb – und bleiben soll
Hermann Neumann
Kaum etwas ist schwieriger in der Kulturgutpflege als die langfristige Erhaltung leicht vergänglicher Objekte. Auch und gerade im Bewusstsein ihrer latenten Bedrohung – nicht zuletzt durch Unwissenheit wurden immer wieder große, auch immer wieder vergebliche Anstrengungen der Konservatoren und Denkmalpfleger unternommen. Man denke nur an die von Joseph Beuys kunstvoll verschmutzte, in aggressivem Biedersinn geputzte Badewanne?3 oder an die klapprige Lagerbaracke, die noch in ferner Zukunft an die finstersten Kapitel der Zeitgeschichte erinnern soll.
Sind auch Theater solche ephemeren Schöpfungen? Margarete Bauer-Heinhold hat hierauf folgende relativierende Antwort gegeben:„Es scheint das Schicksal der Theater in den Weltstädten zu sein, daß sie die Zeiten nicht überdauern durften. Wenn sie nicht durch Unglücksfälle wie Brand oder Vernichtung durch Kriege heimgesucht wurden, so wurden sie im jeweiligen Zeitgeschmack modernisiert, ganz abgerissen oder umgestaltet … Nur die kleinen Städte und Fürstentümer, die im ?19. Jahrhundert noch ein wenig vor sich hin träumten, die kleinen deutschen Residenzen, bewahrten das alte Bauwerk, denn es fehlten eben die Mittel für ein größeres, aufwendiges Theater“.
Die Situation in München war und ist in dieser Hinsicht recht komplex. Einerseits erwarb sich die bayerische Landeshauptstadt als Sitz eines besonders ehrgeizigen Fürstengeschlechts einen die politische Bedeutung weit überragenden Platz unter den kulturellen Hauptorten des Kontinents, hier blühte innovatives Bauen. Anderseits zwangen desaströs verlorene Kriege und nachfolgender finanzieller Ruin das an sich arme Land zur Schonung baulicher Ressourcen, was eine traditionsverbundene Kulturpolitik bis nahe an die Gegenwart zu unterstützen half. Auf diese Weise ging das in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückreichende erste Opernhaus der Stadt verloren. Sein Nachfolger als Hoftheater, ein schon bald nach der Errichtung unmoderner, als Nationaltheater einer aufgeklärteren Epoche ungeeigneter, im Zweiten Weltkrieg abgebrannter Bau blieb dagegen erhalten, wenigstens in -seiner kostbarsten Kernsubstanz und gleichsam als Institution.
Der folgende Text setzt sich zum Ziel, etwas mehr Licht in jene dramatischen Entwicklungen zu bringen, die das Hauptwerk des François Cuvilliés zwar immer wieder gefährdet, ihm aber auch bis heute die Existenz gesichert haben.
?Die Generalsanierung der Jahre 2004–08 war auch so eine kritische Phase und wohl kaum die letzte. Man denke an Tendenzen, Otto Meitingers geglückte Einbettung des Rokokoraums in das Gesamtkunstwerk des wiederaufgebauten Residenzschlosses zu stören und das generell besonders hohe Schadensrisiko der Baustellen. Deshalb soll auch eine präventive Sicherung des Formenschatzes unseres Theaters, wie sie die Ernst von Siemens Kunststiftung bei der letzten Generalsanierung großzügig ermöglicht hat, hier gewürdigt werden.




