Ogrzal | Kairologische Entgrenzung | Buch | 978-3-8260-3424-4 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 452 Seiten, Format (B × H): 155 mm x 235 mm, Gewicht: 780 g

Ogrzal

Kairologische Entgrenzung

Zauberberg-Lektüren unterwegs zu einer Poetologie nach Heidegger und Derrida
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8260-3424-4
Verlag: Königshausen & Neumann

Zauberberg-Lektüren unterwegs zu einer Poetologie nach Heidegger und Derrida

Buch, Deutsch, 452 Seiten, Format (B × H): 155 mm x 235 mm, Gewicht: 780 g

ISBN: 978-3-8260-3424-4
Verlag: Königshausen & Neumann


Der Zauberberg gilt allgemein als einer der am häufigsten interpretierten Romane deutschsprachiger Literatur. Dies suggeriert hermeneutische Erschlossenheit. Allerdings ist festzustellen, dass Fragen nach dem Wie der sprachpoetologischen Gestaltung der Texte Thomas Manns nach wie vor unberücksichtigt erscheinen. Dieser Frage nach der Gestaltung des Wie der Poetologie des Zauberberg folgt die Studie Kairologische Entgrenzung. Um diese Poetologie nicht wie einen stillgestellten Gehalt zu behandeln, sondern vielmehr ihren dynamischen Aufführungs- und Entfaltungscharakter zu verfolgen, wird im Zuge der Diskussion von Performanz-Theorien und im Spannungsfeld des Ereignis-Begriffes im Anschluss an Heidegger und Derrida eine Theorie des Literarischen entworfen, die den schriftlichen Vollzug als eine Einsetzung, Überschreitung und Wiedereröffnung von Bedeutungshorizonten und Kontexten begreift. Anhand vier minutiöser Lektüren, die einer zeitphilosophischen, psychoanalytischen, politischen und ethischen Vertikalen des Romans folgen, gewinnt diese Dimension der Setzung, die konstitutiv für den Ereignischarakter des Literarischen erscheint, auf der Folie des antiken Begriffs des Kairos – des günstigen Augenblicks – und seiner Nachwirkungen in den Poetologien Heideggers und Derridas an Profil. Dabei tritt zu Tage, dass dieser Kairos nicht sicher handhabbar und souverän zu planen oder zu kalkulieren ist. Vielmehr erweist er sich als ,ereignis-offen‘, d. h. als gebrochen und entgleitend. Der in Frage stehende Kairos konstelliert und entgrenzt sich gleichursprünglich im Schreibverfahren der Textur; sein ,Mehrwert‘, seine (kairologische) ,Trefflichkeit‘ erweist sich in einer Lektüre-Erfahrung, das heißt: in einer Wendung an den Anderen. Indem Der Zauberberg aufgrund seiner in ihm ausgeführten Schreibverfahren wieder zum Rätsel wird, das Fragen eröffnet, wird ein Anschluss deutlich, der es ermöglicht, Thomas Manns Schreiben auf der Grundlage literaturtheoretischer Debatten zu diskutieren, die bisher Autoren, wie z. B. Joyce, Proust, Kafka oder Broch vorbehalten erschienen. Die Poetologie des Zauberberg gibt eine Haltung literarischer Avantgarde zu verstehen.

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