Pavlic | Selige Unruhe | Buch | 978-3-99065-147-6 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 248 Seiten, Format (B × H): 209 mm x 129 mm, Gewicht: 314 g

Pavlic

Selige Unruhe


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-99065-147-6
Verlag: Edition Atelier

Buch, Deutsch, 248 Seiten, Format (B × H): 209 mm x 129 mm, Gewicht: 314 g

ISBN: 978-3-99065-147-6
Verlag: Edition Atelier


Margit, Amela, Gerda und Carla haben vor 30 Jahren voll jugendlicher Tatkraft in Funkberg gegen den Bau eines Kraftwerkes demonstriert. Nun trommelt Gerda die alte Truppe wieder zusammen. Das Funkberger Kloster soll heimlich an Immobilienhaie verhökert und in ein Kongresszentrum umgewandelt werden. Gemeinsam mit der Studentin Bezé und Angelika, der letzten im Kloster lebenden Nonne, wollen sie das bedrohte Kulturgut der Stadt retten. Bei ihren Nachforschungen legen die Frauen eine unglaubliche Geschichte frei, die sie bis zu den Beginen ins 14. Jahrhundert führt. Und damit zu einer der ersten Frauenbewegungen, die weit mehr war als eine religiöse Gemeinschaft.
Andreas Pavlic zeigt in seinem neuen Roman humorvoll und eindrücklich, dass es für zivilen Widerstand immer einen Weg gibt.

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Das Treffen im Klosterpark

Kaum durch das Tor, sieht Carla schon einen Arm aus einer Gruppe von Frauen wehen, die sich um die gusseiserne Bank versammelt hat. Das ist Gerda. Natürlich hat sie Carla sofort erkannt. Wann haben sie sich das letzte Mal gesehen? Irgendwann Mitte der 1990er. Carla hatte schon in München studiert und kam zu Besuch. Damals haben sie sogar noch überlegt, gemeinsam in Urlaub zu fahren, doch die Pläne haben sich zerschlagen. Seitdem ist sie nur noch einmal zum Begräbnis ihrer Eltern hier gewesen.
Carla winkt ebenfalls. Gerda trägt immer noch dieselbe Frisur. Seit zwanzig Jahren! Ihre Bewegung, ihr Blick, sie checkt alles ab, sekundenschnell, wie früher. Stets alles unter Kontrolle, stets unter Spannung, das ist Gerda.
Und ist das nicht die Margit? Daneben, da steht doch Amela! Und wer ist die Junge?
Als Mädchen ist Carla gerne im Klosterpark gewesen. Sie mochte die alten und hohen Bäume, die kleinen Wege zwischen Sträuchern und Blumenbeeten. Damals war alles kunstvoll zurechtgeschnitten, wie in einem englischen Garten. Das Betreten des Rasens war verboten. Nur unter Aufsicht der Nonnen durfte zu besonderen Anlässen in der Wiese für ein Picknick eine Decke ausgebreitet werden. Heute wirkt der Park vernachlässigt. Auch das Gebäude.
»Hallo Carla. Hier sind wir!«
Ich gehe ihr wohl zu langsam. Typisch Gerda. Befehle freundlich ummanteln, das konnte sie schon immer.
Die Gruppe von Frauen formiert sich zu einem Halbkreis. Gerda mit freudigem Gesicht, Amela überrascht, Margit auch – jedoch mit unterschiedlicher Nuance. Die erfreuliche und unerfreuliche Fügung. Die Carla unbekannte junge Frau lächelt höflich.
»Herzlich willkommen. Schön, dass du gekommen bist, Carla.« Gerda breitet die Arme aus und begrüßt sie mit einer Umarmung.
»Ich muss dich der Runde ja nicht vorstellen. Es freut mich wirklich sehr. Bist du gut angekommen? Das Zimmer? Na? Also gut. Ach ja, Bezé kennst du noch nicht. Das ist Bezé – Bezé, das ist Carla, unsere Frau Professor aus Wien. Sie hat über das Kloster eine sehr wichtige historische Arbeit verfasst und ist eine Expertin, wenn es um die mittelalterliche Geschichte von Funkberg geht. Ihr Buch kann man in der Stadtbibliothek ausleihen. Eine Empfehlung. Margit und Amela hast du bestimmt erkannt.
Margit nickt und deutet einen Knicks an.
»Oh, die Frau Professor aus Wien kommt zu Besuch. Was für eine Überraschung.« Und mit einem freundlichen Lächeln fragt sie: »Bleibst du lange?«
»Bezé besucht hier die Fachhochschule. Die gibt es seit gut zehn Jahren und bringt frischen Wind in unser Städtchen. Hinten bei der ehemaligen Schipplerwiese, da haben sie einen Bildungscampus errichtet. Seitdem ist ganz schön was los hier. Bezé hat sich vor zwei Jahren beim weltweiten Klimastreik ans Rathaus gekettet. Das war Ende März. Stimmt’s? Das hat für viel Aufregung gesorgt. Und Bezé war schon davor in Deutschland auf Protestcamps und hat Bäume besetzt und alles Mögliche.«
»Also ich war in Lützerath, wahrscheinlich habt ihr davon gehört. Dort haben wir eigentlich versucht, den Abriss der Ortschaft zu verhindern. Der Energiekonzern RWE verschlingt seit Jahrzehnten Wälder und Dörfer im Revier.«
Nach einer kurzen Pause, in der sie verständnislose Blicke geerntet hat, ergänzt sie: »Braunkohleabbau im Rheinland? Energiewende Deutschland? Sinnlose Naturzerstörung?«
»Genau«, bestätigt Gerda. »Und daher dachte ich mir, wenn wir dieses Übel verhindern wollen, brauchen wir nicht nur das gute alte Team, sondern auch ein bisschen Schwung von der Jugend.«
»Ja, danke, ich freue mich auch, euch wiederzusehen. Ich werde euch auch nicht lange stören. Und ich erzähle euch gern, was ich über das Kloster weiß. Dann muss ich wieder weiterfahren. Ich muss noch nach Innsbruck ins Archiv.«
»Das ist aber schade. Aber kennen wir ja.«
»Margit! Ich habe Carla gebeten zu kommen. Deshalb ist sie hier!«
»Also ich freu mich. Schön, dich wiederzusehen, Carla. Du musst erzählen, wie es dir so geht. Ich sehe ja, du bist ganz schön viel unterwegs – Vortrag hier, Vortrag dort, deine Forschungen und Publikationen. Ich kann die gar nicht alle aufzählen«, sagt Amela.
»Oh. Woher weißt du das alles?«
»Ich bekomme es auf LinkedIn mit. Wir sind da befreundet.«
»Sind wir? Ach ja, ich freue mich auch sehr, dich zu treffen. Das mit den Vorträgen ist halb so wild.«
Carla lächelt und wendet sich über Margit hinweg Gerda zu.
»Ich habe mich über deine Einladung wirklich gefreut. Ein paar Tage Erholung werden mir guttun. Und wenn ich helfen kann, mach ich das gerne.«


Pavlic, Andreas
Andreas Pavlic, 1974 in Innsbruck geboren, lebt in Wien. Studium der Politikwissenschaft und der Sozialen Arbeit. Forscht zu sozialen und alternativen Bewegungen. Mitglied im Papiertheaterkollektiv »Zunder« und der »Literatursendung« auf Radio Orange. Zuletzt erschienen der Roman »Die Erinnerten« (Edition Atelier, 2021) und (gem. mit A. Leder, M. Memoli): »Die Rätebewegung in Österreich. Von sozialer Notwehr zur konkreten Utopie« (Mandelbaum Verlag, 2019). www.andreaspavlic.com



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